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D a s H e r z i m H i m m e l, d e n H i m m e l i m H e r z e n.


Mambo!

Vom 25. Juli 2007 bis zum 5. Dezember 2007 habe ich in Tansania gelebt und in einem Krankenhaus in Marangu, Kilimanjaro gearbeitet.
Wer möchte kann hier meine Tansania-Reisetagebuch-Einträge noch einmal nachlesen!

Viel Spaß!

Dienstag 24.07.07 und Mittwoch 25.07.07

Wer war Schuld? Am Ende kann ich es nicht mehr sagen. Vielleicht war es meine Nervosität, dass ich im Grunde nichts dagegen hatte, vielleicht war es auch meine Mutter, die darauf bestand und erst kurz vor Abfahrt fragte: „Seid ihr nicht viel zu früh da?“
Wie gesagt, ich weiß es nicht mehr. Vielleicht war es auch alles zusammen.
Zur Folge hatte es jedenfalls, dass Mirko, Kathi, Bobby und ich schon um kurz nach halb 1 Uhr in Frankfurt waren. Nach knapp 2 ½ Stunden Fahrt. Vielleicht etwas früh, wenn man bedenkt, dass mein Flugzeug erst um 20.15 Uhr losfliegen sollte.
Die Zeit überbrückten wir allerdings eigentlich ganz gut mit Essen und Flughafen angucken. Da kann man wirklich nichts zu sagen. Denn bevor ich mich versah war es kurz nach halb 6 Uhr und ich musste mich von den dreien Verabschieden.
Hallelujah, ich habe es sogar fast ohne Tränen geschafft. Die kamen erst, als ich dann auch noch durch die Sicherheitskontrollen war und am Gate stand. Dann gab es allerdings auch kein Halten mehr.
Das gröbste vom Flug war geschafft. Das Übergepäck, das mir solchen Kummer gemacht hatte war aufgegeben und gar nicht soooo teuer. Sofern man das bei 128 € für 17 Kg sagen kann.
Trotzdem blieb die Angst, was mich in dem Land erwarten würde, die Ungewissheit wie alles werden würde und die Sehnsucht nach zu Hause.
Dass der Flug dann statt um 20.15 Uhr erst um 22 Uhr losging machte die ganze Sache natürlich auch nicht unbedingt einfacher. Aber ich glaube die wenigsten wissen, wie nützlich in diesem Augenblicken das „Tennis Magazin“ sein kann
Was soll ich über den Flug sagen? Er war lang, er war kalt, er war bestimmt von wenig Schlaf und ich hatte einen Sitznachbarn mit dem ich genau vier Sätze: „Hallo“, „Guten Appetit“, „Haben sie einen Stift, Danke“ und „Ich glaube nicht, dass es so schnell hell wird“ (auf die Frage, ob man denn den „Kili“ sehen könnte“) gewechselt habe.
Mehr Angst, bzw. regelrechte Bauchschmerzen machte mir dagegen das Visum. Klappt auch alles, versteh ich die Menschen, was mache ich, wenn es nicht klappt usw.
Eigentlich halb so schlimm. Ich musste nicht einmal die Karte aus dem Flugzeug vollständig ausfüllen und hab trotzdem meinen Stempel im Pass bekommen.
Allerdings fing jetzt mein Unwohlsein erst richtig an. Dr. Frederik Shoo holte mich vom Flughafen ab und brachte mich nach Moshi. Die fremde Umgebung war spannend und einschüchternd zugleich. In Moshi habe ich mich dann noch nie so fehl am Platz gefühlt wie dort.
Ich wollte nur noch nach Hause oder mich irgendwo verkriechen und heulen. Ich durfte über nichts nachdenken, was mit meinem Aufenthalt oder mit zu Hause zu tun hatte. Sonst wären die Tränen gekommen.
Dr. Shoo verließ mich nach einiger Zeit auch schon wieder und übergab mich an einen Mann, dessen Nachname mir nicht mehr einfällt, den ich der einfachhalt her einfach Emanuel nenne.
Er hatte die Aufgabe mir ein wenig die Stadt zu zeigen. Sprich, er fuhr mit mir knappe 2 Stunden immer wieder durch die gleichen Straßen. Das zwischendurch immer mal wieder Leute zustiegen oder Ausstiegen interessierte ihn anscheinend gar nicht. „Relatives“ war die immer gleichbleibende Antwort.
Nach zahlreichen vereitelten Heulanfällen holte mich schließlich jemand (Ely Pokea) aus Marangu ab.
Habt ihr schon mal über eine Stunde an einem Bankschalter in der Warteschleife gestanden (Menschen über 60 und aus dem Osten schließe ich aus)? Ich schon. Es ist der Hammer, wie viel Zeit hier alles braucht.
Allerdings hatte er die super Nachricht für mich, dass in Marangu außer mir noch 5 andere Deutsche im Krankenhaus arbeiteten.
Er brachte mich zu Mama Stella, wo ich die nächste Zeit wohnen würde. Wie das alles mir dem Geld laufen würde, ging mir kurz durch den Kopf, doch viel Sorgen konnte ich mir nicht machen. Kaum war ich da, waren zum Glück auch die anderen da.
Denn nur sie konnte mir sagen, ob ich bei ihnen im Haus mit untergebracht werden konnte oder ob ich in dem seperaten Haus bleiben musste.
Was mir lieber ist, könnt ihr euch natürlich denken, oder?
Mal abgesehen davon, dass ich in dem Moment sowieso lieber zu Hause in meinem Bett gewesen wäre. Meine einzige Hoffnung: Wenn es so schlimm bleiben würde, dann würde ich mir Mama und den anderen wieder nach Hause fliegen. Oder halt noch früher.
Jaana (witziger weise mit finnischen Wurzeln), Bina und Simon stellten sich allerdings ziemlich schnell als nette angehende Dentisten heraus, die hier ein Auslandspraktikum oder ähnliches machten und noch genug Cola für mich übrig hatten.
Hunger hatte ich, obwohl ich kaum etwas gegessen hatte immer noch nicht.
To make a long story short: Linda, Nummer 4 im Bunde hatte nichts dagegen sich mit mir ein Zimmer zu teilen, so dass ich recht schnell umziehen bzw einziehen konnte.
Was mir nach wie vor schwer im Magen lag: Anscheinend wusste niemand hier, dass ich kommen sollte. Wie würde das erst im Krankenhaus werden.

Nachtrag vom Abend:

Es weiß niemand, dass ich komme.
Bin ich trotzdem willkommen?
Wer bezahlt meinen Aufenthalt bei Mama Stella? Ich will nicht darüber nachdenken.
Es sind Fragen, auf die ich keine Antwort habe.
Ich will nach Hause zu Mama.

Was mache ich hier?

Donnerstag 26.07.07

Ich wollte nicht aufstehen. Ich wollte mich in meinem Bett vergraben und dann gemütlich auf Safari gehen. Oder was man sonst so im Urlaub machte.
Ach ja, vergessen. Ich mache hier keine Urlaub, im Zimmer war nicht Bobby und im Zimmer nebenan auch nicht Stefan und Ines oder Christian, der durchs Haus tollte.
Ein Schlag ins Gesicht. Ich wollte nach Hause.
Ich wollte nichts mehr von hier mitbekommen.
Allerdings half alles nichts. Gegessen habe ich einen Beagle und immer mehr wird mir klar: So wie meine 5 Mitstreiter hier ihr Geld in Essen investieren wird das bei mir wohl nicht gehen. 5.500 Shilling (etwa 5 Dollar) sind bei mir für ein Glas Marmelade nicht drinnen.
Auf dem Weg zum Krankenhaus habe ich ein komisches Gefühl. Entweder ich würde gleich in Tränen ausbrechen oder mich übergeben. Keins von beidem passiert und ich bin unheimlich dankbar dafür.
Es geht überhaupt alles sehr glatt. Überall werde ich willkommen geheißen und die morgendliche Andacht ist nach 30 Minuten, in denen ich gar nichts verstehe auch schon wieder vorüber.
Juliane, die Nummer 5, ist mir eine große Hilfe. Sie ist bereits das fünfte Mal hier, alle kennen die Medizinstudentin und sie macht mich mit fast allen bekannt.
Dass mir meine Arbeitskleidung nicht passt, sie ist etwas zu eng, wird sich wohl auch bald ändern, wenn ich weiterhin so wenig esse. Ich habe meinen Appetit verloren, so scheint es. Schlecht finde ich es nicht. Dann passt mir in zwei Wochen wenigstens meine Arbeitskleidung.
Allerdings wird mir an diesem Morgen auch klar, dass ich viel zu wenig warme Klamotten mit habe, denn es ist zwischenzeitlich doch sehr kalt.
Juliane führt mich durch das Krankenhaus. Hallelujah. Es ist teilweise etwas schmuddelig und der „Duft“ auf der Gebärdenden Station lässt mich beinahe aus den Latschen kippen.
Später wird entschieden, dass ich erst einmal auf die Frauen/Kinder und Männer Station darf und dort den Leuten etwas über die Schulter gucken.
Viel zu tun haben sie im Gegensatz zu deutschen Krankenschwestern nicht, denn hier kümmert sich ums Waschen und ums Verpflegen die Familie der Kranken.
So etwas wie Krankenhausessen gibt es nur in der Kantine für 1000 Shilling (dafür mit Getränk).
Alles ist hier anders als in deutschen Krankenhäuser. Vor allem die Sprache, mit der ich doch große Schwierigkeiten habe.
Nicht einmal von der Begrüßung verstehe ich mehr als zwei Wörter und weiß meistens auch nicht, was ich antworten soll. Dafür fühle ich mich gar nicht mehr so schlecht.
Simon, Jaana und Bina nehmen mich mit zum Essen und danach wird mir eine zweite Hose besorgt. Sie ist schmutzig und gleicht mehr einer Schlafanzughose als allem anderen. Auch von der Farbe her. Das wird für die anderen noch sehr erheiternd werden.
Am Schluss wird mir angeboten bei einem Kaiserschnitt zu zugucken. Allerdings gehe ich lieber mit den anderen auf den Markt. Vor allem, da wir die Aussicht haben nach Hause gefahren zu werden, was bei den Strecken die sehr bergig hier sind schon ein wahrer Luxus ist.
Mir wird übrigens immer klarer… Harald hat gelogen. Die Lebenshaltungskosten sind hier mindestens genauso hoch wie in Japan. Nur für einheimisches Obst usw. bezahlt man sehr, sehr, sehr wenig. Oder wann habt ihr das letzte Mal umgerechnet nicht einmal 15 Cent für eine Gurke bezahlt.
Immer Europäisches Futter werde ich mir nicht leisten können. Auch, wenn die anderen es können. Gibt es halt mehr Ost und Gemüse und weniger von allem anderen.
Der Weg nach Hause ist ein einziges Abenteuer. Die Straßen sind Buckelpisten und kaum als Straßen zu bezeichnen. Und das unser Fahrer auch noch immer ein wenig zu schnell fahren muss und Jaana auf der Fahr einfällt „War das nicht der, mit dem wir nicht fahren sollen?“ Macht die Sache nicht gerade einfacher.
Aber jetzt, wo ich alles niederschreibe (das heißt, ich habe auch herausgefunden, wie der Adapter funktioniert, er ist nicht kaputt, so wie ich anfangs dachte… ja ja, Löffel des Tages, natürlich muss er Kontakte haben.) kommt mir zum ersten Mal der Gedanke, dass ich es hier vielleicht doch etwas länger aushalte.
Zumindest bis in den September, wenn die anderen fahren und Mama und die anderen kommen.

Freitag, 27. Juli 2007

Auch heute ist das Aufstehen wieder etwas schwierig. Wenigstens verschlafen kann ich vergessen, da die anderen so viel Krach machen, dass das glatt unmöglich ist.
Heute bin ich schon etwas zuversichtlicher und auch in der Kirch muss ich mich nicht vorstellen, wobei ich noch nicht weiß, ob das gut oder schlecht ist. Heute Nacht ist eine Frau gestorben, auf dem Weg zum Krankenhaus, was alle ein wenig mitnimmt. Sie haben also andere Dinge am Hut, als meine Vorstellung.
Allerdings hab ich das Gefühl aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Die Arbeit geht so seinen Weg. Ich darf zum ersten Mal mit die Betten machen und bin geschockt. Was die Menschen hier Bettlaken nennen würde ich in Deutschland nicht einmal für unseren Hund als Decke nehmen. Alles ist dreckig, kaputt und stinkt. Meist nach Urin.
Julia stellt sich ein wenig als meine „Mutter“ heraus. Alle sagen, wir sehen uns ähnlich. Ich kann außer, dass wir beide wohl ein paar Kilo zu viel auf den Rippen haben keine große Ähnlichkeit erkennen.
Sie kümmert sich allerdings wann immer sie kann um mich und erklärt mir alles. Was sie mir heute erklärt liegt mir später schwer im Magen.
Zum ersten Mal realisiere ich, wie sehr ich meine Gesundheit hier auf’s Spiel setzte. Das jeder zweite hier AIDS oder HIV hat war mir von vorneherein klar, aber nicht nur das macht alles hier so gefährlich. Denn wie schützt man sich gewissenhaft vor Tuberkulose und Hepatitis, wenn kaum etwas zum Desinfizieren da ist und Handschuhe auch so etwas wie Mangelware sind?
Ich habe für mich selbst beschlossen: Meine Gesundheit geht vor. Da benutzte ich auch die guten Handschuhe. Simon ist da ähnlicher Ansicht. Entweder er hat Handschuhe, oder er arbeitet nicht.
Danke.
Zwischendurch wiederholt sich das vom Mittwoch. Ema, wie auch immer sie geschrieben wird, diktiert und ich schreibe.
Hey, und das, wo ich sowieso so Rechtschreibstark bin. Und dann auch noch medizinische Begriffe auf Englisch. Caray. Ich hab schon jetzt keine Lust mehr.
Wer kann denn auch ahnen, dass „Bod“ ihre Version von „Bottle“ ist und „Ettsch“ bei ihr „H“ bedeutet.
Heute schaffe ich nicht einmal das Essen. Es bleibt bei einem Dounat. Mehr geht einfach nicht.
Ich erlebe heute zum ersten Mal eine Magensonde. Und nein, nicht wie in Deutschland, wo man hinterher fertige Nahrung bekommt. Hier bringen die Verwandten Milch, Tee und Wasser mit und die wird dann im wahrsten Sinne des Wortes hinein gekippt. Die gleiche Patientin, die übrigens einen Schlaganfall erlitten hatte und nun nur noch Gurgeln und Sabbern kann bekommt auch noch einen Katheter. Leider ist der Beutel unten offen, so das alles jetzt in einen Beutel läuft und von dort aus in eine Schüssel. Das scheint hier allerdings sehr normal zu sein.
Später kam noch eine Frau vorbei, die mir gestern erzählte ihr Mann sei Pastor und mich am Sonntag in die 3 Km entfernte Kirche einladen will. Irgendwie komme ich wenigstens da drum herum. Das ihr Mann mich am Montag abholen und ich statt der Arbeit seine Gemeinde gezeigt bekommen soll, darum komme ich nicht drum herum. Allerdings hab ich auch nicht alles verstanden.
Julias Kommentar: „Herzlichen Glückwunsch, die wirst du nicht mehr los.“
Am Nachmittag habe ich einen weiteren Tiefpunkt. Morgen wollen Simon, Jaana, Bina und ich nach Moshi, ich brauche unbedingt eine tanzanische Handykarte. Vielleicht wird so das Telefonieren billiger?! Jaana hat neulich irgendwas von 11 Cent pro Minute erzählt, ich bin jedenfalls gespannt.
Ich bin die ganze Zeit am Überlegen, ob ich nicht doch gleich Morgen schreiben soll, dass ich nur drei Monate hier bleiben, also mit Mama und Co wieder nach Hause will.
Allerdings kämpfe ich mit mir selbst. Ich bin erst zwei Tage hier, wahrscheinlich ist es noch der Schock der fremden Umgebung und alles. Allerdings habe ich immer mehr das Gefühl, dass hier eigentlich niemand wusste, dass ich komme. Und das macht alles ziemlich schlimm für mich. Na ja, bis Oktober bleibe ich wohl auf alle Fälle. Solange sind die anderen ja auch hier, was mir eine riesen Hilfe ist.
Im Moment sind sie auf dem Weg in eine Disco hier im Ort. Laut Simon „Ein Dach und drum herum ein Holzzaun.“ Ich geh in Deutschland nicht in die Disco, warum sollte ich es hier tun? Ich bin doch froh um jede Minute, die ich mal alleine sein kann. So muss ich die Tränen, die unausweichlich kommen wenigstens nicht unterdrücken.
Allerdings sind sie wohl nicht weit gekommen. Julia war grad hier und dem Taxi ist keine 50 Meter vom Haus das Bremsseil oder so etwas gerissen. Jetzt bastelt er irgendwas und mir wird immer klarer, warum ich nicht mitgefahren bin.
Morgen wird es wahrscheinlich aber auch nicht besser. Immerhin werden wir mit dem Dalla-Dalla fahren und ich bin jetzt schon gespannt darauf. Hoffentlich geht alles gut…aber eher im Sinne von ‚Hoffentlich gehen wir alle in einen‘, was bei der Menge an Menschen die dort hinein geht schon fast ironisch klingt.
Der Bibelspruch, den ich von Frau Pultke bekommen habe ist eine große Hilfe. Irgendwann habe ich ihn wahrscheinlich so oft gelesen, dass ich ihn auswendig kann. Immer wenn ich in meinem Bett liege und das Heimweh zu schlimm wird, dann lese ich ihn und habe dabei das Kreuz, was sie mir gegeben hat in der Hand.
Es stimmt. Ich bin nicht dabei, auch wenn es so scheint. Gott ist immer bei mir. Er lässt mich nicht allein. Aber bis ich das wirklich verstanden, akzeptiert und verarbeitet habe und vor allem darauf vertraue wird es wohl noch einige Zeit dauern.
Im Moment leider ich jedenfalls wie ein Hund. Vielleicht muss das so sein, vielleicht ist das normal. Ich weiß nicht, wie viel ich davon zu Hause erzähle. Ich will Mami nicht beunruhigen. Sie hat mit mir schon zu viel durchgemacht. Da muss ich ihr das hier nicht auch noch antun. Vielleicht später einmal, wenn ich das halbe Jahr hinter mich gebracht habe oder wenn es wirklich nicht mehr geht.
Im Moment höre ich gerade die „Die Highland Saga“ von Diana Gabaldon. Erst jetzt verstehe ich Claires zustand wirklich. Hier ist alles so ähnlich. Heute Nachmittag hatten wir Stormausfall, genau wie heute Vormittag, da habe ich es allerdings nur durch die anderen mitbekommen, da wir auf unserer Station überhaupt keinen Storm benutzten.
Die angehenden Zahlärzte allerdings benutzen natürlich für alles Mögliche Strom und waren somit kurzfristig Arbeitslos.
Es ist halt alles sehr neu, sehr einfach, sehr fremd. Ich konnte mir nie vorstellen, dass man sich so fremd vorkommen kann.
Gestern hatten wir übrigens ein Erdbeben. Hier ist halt alles ein wenig anders

Sonntag, 29. Juli 2007

Heute ist ein schöner fauler Tag. Es ist grad mal kurz vor ein Uhr Mittag, aber so wirklich was getan haben wir noch nichts. Na ja, die anderen haben das Chaos von gestern weggeräumt, denn Juliane hat gestern ein großes Essen veranstaltet. Hühnchen mit Allerlei gab es und ole ole, ich hab sogar meinen Appetit wieder gefunden.
Der Abend war okay. Wir haben alle viel getrunken und hatten alle unseren Spaß. Bis auf Bina vielleicht, die die ganze Zeit von Emo verfolgt wurde, der meinte, dass sie wie ein „firework“ für ihn wäre.
Sehr witzig war eine Situation in der Bina ihren Hut rausholt, der ähnlich einem Imkerhut ist. Sie hat ihn Simon aufgesetzt und ihm dazu ein Glas Honig in die Hand gedrückt. Emo dachte, dass wäre eine europäische Sitte und wollte auch unbedingt. „I want to look clever.“ Dass das ganze ein kleiner Fehler war merkte er dann wohl an unserem Gelächter. Fies, ich weiß, aber es sah so witzig aus.
Bina hat mir übrigens sehr geholfen gestern. Wir haben lange über alles hier geredet. Über ihre Situation und über meine. Reden hilft eben doch. Und was mir dabei klar wurde, war dass, was sie mir versuchte zu sagen. Ich bin nicht einmal eine Woche hier und war erst zwei Tage im Krankenhaus. Ich sollte einfach nicht zu viel von mir selbst erwarten.
Der Morgen, den wir in Moshi verbracht haben war sehr toll. Morgens in Marangu war es verdammt nebelig und ein bisschen verregnet. Obwohl man das wahrscheinlich noch nicht einmal sagen kann. Es war einfach nass, kalt und ungemütlich. Je näher wir allerdings Moshi kamen, je mehr änderte sich auch das Wetter, bis wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein und knappt 30°C in Moshi ankamen.
Mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen, als ich gemerkt habe, dass ich im Internet wie zu Hause auch alles machen kann. Sehr schön. Was man von der Dalla-Dalla fahrt übrigens nicht sagen kann. Aber wie soll man einen Kleinbus mit über 30 Leuten IN und AM Bus auch finden? Wir hatten glücklicherweise auf Hin- und Rückfahrt Plätze in der letzten Reihe, so dass ich nur zwischen Simon und Jaana eingeklemmt saß und nicht neben einem Afrikaner, die nun leider wirklich manchmal nicht gut riechen.
Überrascht hat mir heute Morgen Simon. Ich saß mit meinem Laptop im Wohnzimmer und er konnte nur einen Teil von meinem Desktop sehen. Hat aber trotzdem sofort geschlussfolgert: „Lange Haare, Nike, Tennisspieler…. Du bist ja ein Nadal Fan.“ (und das ohne das Gesicht von dem Mann auf meinem Desktop gesehen zu haben) Tja, ertappt würd ich sagen.
Was mich hier im Moment immer noch fasziniert ist die riesen Auswahl an Früchten. Von Mango über Papaya bis hin zu Melone, Passionsfrucht, Avocado (die übrigens an Bäumen wachsen) bis hin zu Bananen. Einfach nur irre. Und im Gegensatz zu den anderen Lebensmitteln sind diese Früchte nun mal so gar nicht teuer.
Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen. Außer: Gestern hatte ich nur einmal kurz Heimweh. Als Papa und Mama angerufen haben. Heute schaut es leider schon wieder ein bisschen anders aus. Ich bin wirklich am Überlegen, ob 3 Monate nicht völlig genug sind. Aber man wird wohl sehen was die Zeit bringt. Bis Mama, Katti und Marlis mich im September besuchen kommen will ich auf alle Fälle durchhalten. Das habe ich mir fest vorgenommen. Und immerhin bis zum 20.9 habe ich ja hier auch noch die Deutsche Unterstützung.
Ich hoffe übrigens wirklich, dass sich das mit der Bezahlung regelt und ich hier bei Bibi Stella bleiben kann und nicht in das Mutter Ursula Haus umziehen muss. Das wäre für mich eine kleine Katastrophe und ein Grund sehr viel schneller nach Hause zu kommen. Mir bleibt im Moment allerdings nichts anderes übrig als zu hoffen. Leider.
Nachtrag vom Abend:
Es ist jetzt gerade einmal halb 8 Uhr abends. Meine Computeruhr zeigt mir sogar noch 18.30 Uhr an. Ich habe nicht vor sie umzustellen. Der Tag war genauso faul, wie er begann. Ich hab zwar meine Wäsche fürs Krankenhaus gewaschen (ja, per Hand. Und wenn ich denjenigen erwische, der das ‚designed‘ hat, der kann was erleben. Das ganze sieht aus wie ein Schlafanzug mit so komischen Bündchen am Bein. Von der ‚tollen‘ Mandarinenfarbe mal abgesehen. Norwegisches Design… pfff…) aber ansonsten nur meinen Harry Potter gelesen.
Simon und Bina waren die einzigen, die überhaupt etwas getan haben in dem sie joggen waren. Juliane hat erzählt, dass es hier irgendwo sogar einen Tennisplatz geben soll auf dem wir auch spielen könnten. Vielleicht kann ich Bina, Jaana oder Simon mal dazu überreden mit mir spielen zu gehen. Simon scheint sowieso jede Art von Sport zu machen… jedenfalls solange sie seine Zahnarzthände nicht verletzten können
Wir versorgen uns hier komplett selbst. Unter der Woche essen wir zwar mittags in der Kantine, aber ansonsten kochen wir meist für uns, oder einer macht für alle etwas. Heute war Simon derjenige, der meinte er müsste sich jetzt etwas kochen und hat dann im Endeffekt für alle etwas gemacht.
Eigentlich sollte es „gekochtes Gemüse“ werden. Alles was er halt so finden würde. Er hat nur Avocado, Zwiebeln, Knoblauch, Gurke, Tomate und Käse gefunden, aber das war dafür umso leckerer. Überhaupt. Ich esse hier viele Sachen, die ich in Deutschland nicht einmal anrühren würde. Melone zum Beispiel. Aber hier habe ich kaum eine andere Wahl.
Gerade als wir anfangen wollten das Geschirr nach dem Essen zu spülen hatten wir wieder einen Stromausfall.
Normal hier.
Gestern Abend hatten wir auch einen, während des Essens. Es ist mittlerweile Routine, wir haben genug Kerzen und Taschenlampen um uns auszuhelfen. Blöd ist es halt nur, wenn man gerade dabei ist sich die Haare zu waschen oder so. Denn dann geht hier natürlich gar nichts mehr. Auch nicht, das heiße Wasser. Mal abgesehen, dass es hier zwischen 18 und 19 Uhr dunkel wird. Und zwar stockdunkel. Heute aber konnten wir uns gut behelfen. Juliane hat ein DVD-Gerät mit, das sie angeschmissen hat (es hat einen recht passablen Akku) und hat Musik angemacht.
So saßen wir draußen in unserem Käfig (unsere Terrassen, Fenster, Türen, usw. sind alle vergittert) vor dem Haus und hörten bei Kerzenlicht die afrikanischen Charts rauf und runter. Wir leben hier auf dem Hof von Bibi Stella, zu dem neben diversen Hühnern, Kühen, usw. auch eine Menge Kinder gehören. Diese Kinder tanzen gerne, was sie uns heute wieder eindrucksvoll gezeigt haben und natürlich haben auch wir uns nicht lumpen lassen und haben ordentlich mit ihnen mitgetanzt. Kaum zu glauben, wie leicht diese Kinder hier noch alles nehmen, wie offen und wie ausdauernd sie sind. Ganz anders, als die Deutschen Kinder. Es macht unheimlich Spaß, den anderen dabei zuzusehen, wie sie mit den Kindern tanzen. Die Stimmung ist ausgelassener, als ich sie jemals zu Hause auf der Straße erlebt hätte. Wer stellt sich dort auch schon mit den Nachbarskindern hin und tanzt und empfindet das auch noch als total normal?
Mir ging es den Tag über eigentlich recht gut. Ich glaube, ich darf einfach nicht mit einem Bein noch in Deutschland stehen und so unterdrücke ich den Wunsch meinen Eltern eine SMS zu schreiben, sondern melde mich heute einfach mal gar nicht.
Das Telefonat gestern war wahrscheinlich sowieso teuer genug und sollte eine Ausnahme bleiben. Trotzdem hab ich immer mehr das Gefühl, dass drei Monate vollkommen genug sind für mich. Aber vielleicht muss ich mich auch erst weiter hier einleben.
Ein bisschen Bammel vor Morgen hab ich ja schon, da ich mal wieder nicht weiß, was auf mich zu kommt, obwohl ich so ganz, ganz, ganz allmählich lerne, dass man auch im Ungewissen leben kann. Und manchmal sogar muss.
Es ist schwer für mich zu akzeptieren, dass ich die Dinge hier aus der Hand geben muss und nicht wie in Deutschland alles kontrollieren kann. Es macht mich einfach verrückt. Ich weiß nichts über Morgen. Schickt diese Frau wirklich ihren Mann, der mir irgendwas zeigen will? Ich hab keine Ahnung. Ich weiß ja nicht einmal, was er von mir will. Allerdings versuche ich mir einzureden, dass einfach alles gut werden wird. Dann muss ich da eben einmal durch. Muss mich einmal in fremde Hände begeben und darauf vertrauen, dass alles gut gehen wird. Wie meine Eltern und meine Freunde es im Moment auch müssen.
Ich denke es, ich schreibe es auf, aber es ist eben immer noch alles einfacher als getan.
Ich werde sehen, was der nächste Tag bringt.
Wie sagte doch schon Pumba? Hakuna Matata…..

Montag, 30. Juli 2007

Um Mal eine Tradition aus dem letzten, ich glaube Januar, fortzusetzten: Scheiß Tag, Scheiß Tag, Scheiß Tag, Scheiß Tag.
Dabei fing alles eigentlich ganz gut an. Sogar die Kirchenglocken, die sonst immer schon um 6 läuten läuteten heute erst gegen halb 7, also nur eine viertel Stunde, bevor ich aufstehen musste.
Das die Morgenandacht heute mal ein bisschen länger dauerte (Die Morgenandacht hier ist normalerweise etwa 20 Min. lang und dann gibt es noch den Morning Report in dem erzählt wird, was die Nacht über im Krankenhaus so passiert ist), es wurde erzählt, was so ein Hospiz ist und wie die Ärzte sich den Kranken gegenüber zu verhalten hätten (was wir allerdings alles nicht verstanden, sondern uns nur teilweise grob übersetzt wurde), machte mir nur wenig aus.
Es war für mich einfach eine Zeit, in der ich der fremden Sprache zuhören kann und ansonsten meinen eigenen Gedanken nachhing. Was ich hier übrigens viel zu viel tue, wie ich heute festgestellt habe.
Mein quasi Zusammenbruch kam mit Juliane, die mich beim Bettenmachen raus winkte um mir mitzuteilen, dass die Krankenhausleitung eigentlich gar nicht so richtig wüsste, was ich hier soll. Immerhin würde ich vor und nach meinem Aufenthalt ja eh nichts mit Medizin tun. Hey, ich weiß selbst, dass ich hier im Moment keine große Hilfe bin. Ich kann so gut wie nichts machen und strapaziere wahrscheinlich mehr andere Nerven, als dass ich wirklich eine Hilfe bin.
Es allerdings mal wirklich so zu hören war natürlich ein Schock. Und als wäre das alles nicht genug: Natürlich fing ich an zu weinen. Ein großer, ich will es eigentlich nicht Fehler nennen, von mir ist, dass ich in brenzlichen Situationen, wenn ich total überfordert bin und nichts mehr geht gerne mal anfange zu weinen. Und dann aber leider auch nicht mehr aufhöre.
Vor allem nicht in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache unter lauter fremden Menschen, wenn man sich nirgends zugehörig und irgendwie auch nicht wirklich willkommen fühlt.
Versteht mich nicht falsch. Die Menschen sind wunderbar. Sie sind freundlich, nett und haben mich wunderbar aufgenommen. Und es kann ja wirklich sein, dass sie nur das Beste für mich wollen in dem sie sagen, „Hey, vielleicht ist das Priester Seminar (dort soll ich mich noch einmal umgucken, da es eventuell mehr für mich und meinen weiteren Werdegang bringt) mehr etwas für dich, als die Arbeit im Krankenhaus.“ Aber in dem Augenblick fühlte ich mich einfach unwillkommen und als würde man mich nur noch loswerden wollen.
Das Juliane und Ema etwas hilflos um mich herumstanden half mir wenig. Ich wollte, verdammt noch mal, nur noch nach Hause.
Das blöde an ungeweinten Tränen ist, dass sie immer wieder kommen und raus wollen. So ging es mir nämlich den ganzen Vor- und den halben Nachmittag über. Immer wieder kamen die Tränen. Irgendwann war ich so „daneben“, dass ich still und heimlich für mich beschloss: Wenn es wirklich nicht besser werden sollte, dann schreibe ich bis zum Wochenende eine eMail an meine Betreuerin und meine Eltern zu Hause und will im Oktober definitiv nach Hause. Dann geht es halt nicht anders. Natürlich ist mir klar, dass das im Moment ein bisschen übereilt ist. Ich bin noch nicht mal eine Woche hier und hatte bis jetzt noch überhaupt keine Chance mich einzuleben. Es ist klar, dass ich noch ein bisschen durch den Wind bin, vor allem bei dem was im Moment noch so passiert. (Kleiner Zwischenspruch: Draußen macht grad wieder ein Buschbaby, wie Linda sie nennt, seine komischen Laute. Hat jemand eine Ahnung was das ist? Bina meinte man könnte sagen eine Mischung aus Katze und Eichhörnchen, aber das kann ich mir nicht so ganz vorstellen)
Ich weiß im Moment nicht viel, denn wenn mir ein im Moment im Kopf herum geistert, dann, dass ich nach Hause will.
Dabei war der Rest des Tages ja noch nicht einmal schlecht.
Na gut, die alte Dame mit dem Schlaganfall ist gestorben. Zum Glück schon Samstag, so dass ich es nicht wirklich mitbekommen habe. Ich sehe immer nur die Betten sind frei und im Buch sehe ich dann das Kreuz (das übrigens frappierend einem Hakenkreuz ähnelt).
So wirklich lasse ich es gar nicht an mich heran, dass diese Menschen gestorben sind. Für mich sind sie einfach „weg“.
Außerdem wird der kleine Viktor, ein etwa 2-3 jähriger Junge, der einfach nur zum knuddeln süß ist entlassen. Es ist der Wahnsinn, wie still dieser Junge immer auf seinem Bett sitzt, wenn grade keiner da ist und sich selbst beschäftigt und wie ausgelassen er lacht, wenn man ihm eine Grimasse schneidet. Er wird mir sehr fehlen, auch wenn es natürlich toll ist, dass er jetzt endlich wieder gehen durfte. Im Gegensatz zu anderen ohne bleibende Schäden, da er „nur“ eine Oberschenkelfraktur hatte.
Außerdem weiß ich mittlerweile, was ich auf die Schlagwörter wie „Habari“ (Nzuri) und Pole (Asante) zu sagen habe. Es wird also mit der Begrüßung, auch wenn ich bei allem anderen immer noch nur verlegen Lächeln muss.
Außerdem bin ich heute zum ersten Mal alleine nach Hause gegangen. Und, ich hab sogar den Weg ohne Probleme gefunden, bin also nicht in Kenia oder sonst wo gelandet, wie es mir ja hier einige prophezeit haben. Außerdem ist es im Moment eigentlich schön warm hier, so dass noch man sich eigentlich wohl fühlen muss.
Zu Hause angekommen wird es allerdings wieder schlimmer. Endlich kann ich wirklich mal weinen, ohne das mich jemand stört. Tja, denkste. Ich hab vergessen die Tür zu zumachen und Jaana, die zufällig vorbei kommt, weil sie sich die Hände waschen will kommt natürlich rein und will wissen was los ist.
Sie ist der Ansicht, dass alles halb so schlimm ist und dass ich einfach mal selbst mit den Menschen sprechen soll.
Darum werde ich wohl nicht herumkommen, wenn ich hier endlich erreichen will, dass ich mich wohl fühle.
Als Ablenkung schlägt sie mir vor, dass ich ihr bei ihrem Salat helfen soll. Es ist perfekt. Endlich löse ich mich von dem Tag heute und kann ein wenig abschalten.
Der Salat ist witzig. Es ist ein Reis Salat in dem außer Reis noch Erbsen (Importiert aus dem Iran), Mangos, Paprika, Zwiebeln, Würstchen (importiert aus Kenia), Mayonnaise (importiert aus Dubai) und Joghurt (zu Abwechslung mal aus Tansania) ist.
Wirklich, wirklich lecker, auch wenn ich die Würstchen lieber weglasse, da ich sie nicht vertrage und selbst die Paprika von uns aus Vorsicht geschält wird. Schon mal Paprika geschält? Herzlichen Glückwunsch kann man dazu nur sagen.
Nicht zum ersten Mal hier und bestimmt nicht als einige bin ich heil froh, dass ich mir noch kurz vor Abfahrt ein Messer von meinem Papa hab andrehen lassen. Es ist klasse, da fast alle Messer hier stumpf sind und als Brotmesser sowieso super ungeeignet sind.
Da Juliane schon am Wochenende wieder nach Deutschland fliegen wird haben wir im Moment abends eigentlich immer Gäste. Heute werde ich wohl nicht drum herum kommen wenigstens Hallo zu sagen. Gestern lag ich schon um 9 Uhr abends im Bett… da bin ich drum herum gekommen. Pukea (der garantiert ganz anders geschrieben wird, ich weiß nicht mal ob mir B oder P) kenne ich schon. Er ist der Fahrer des Krankenhauses und hat mich aus Moshi abgeholt. Außerdem ist er der „Verlobte“ von Juliane und dementsprechend häufig hier anzutreffen. Auch wenn ich immer noch nicht dahinter gestiegen bin, wie ernst es die beiden wirklich meinen.
Ich weiß es nicht und wenn ich ehrlich bin, dass will ich es auch gar nicht genau wissen (Nachtrag 2.08.07: Jetzt weiß ich es. Die beiden sind nicht verlobt wollen aber tatsächlich irgendwann, vielleicht schon im nächsten Jahr heiraten. Es war also tatsächlich ernst gemeint.)
Mein Magen rumort im Moment ein bisschen (dabei hab ich die Würstchen aus dem Salat, die ich definitiv nicht vertrage schon weggelassen) und ich weiß nicht, ob das vom Tag oder vom Essen kommt. Wirklich viel hab ich heut nicht gegessen. Ich glaube sogar, dass ich heute schon wieder die Köchin beleidigt hab, in dem ich das halbe Essen hab stehen lassen. Tja, Shit happens. Wenn ich nichts essen kann, dann kann ich halt nichts essen. Kann ja eigentlich nur von Vorteil sein.
Im Gegensatz zu den Verdauungstrakten der Anderen hat mein Bauch noch keinen Namen. Man merkt halt, dass wir doch etwas abgeschirmt leben und uns durchaus des Öfteren Langweilig ist. Wenn aber auch die Badezimmer so toll Namen wie „Debbie“ oder „Brian“ (Die Namen stehen auf den Schlüsselanhängern) ist das nun echt kein Wunder, oder?
Strom oder besser Stromlosbegingt habe ich vorhin mit den anderen noch auf der Terasse gesessen und ein bisschen über das Medizinstudium geredet.
Eigentlich hatte ich das für mich ja nur ausgeschlossen, da ich mit meinem Notenschnitt sowieso keinen Studienplatz bekommen würde. Tja, Simon hat mir heute erzählt, dass er selbst mit 2.8 gleich einen bekommen hat und Juliane hatte ihren eingeklagt. Bina dagegen hatte zwischendurch noch eine Ausbildung gemacht, bevor sie ihn dann angetreten hat. Ist heute darüber allerdings nicht mehr so froh, da sie mit 28 kein Kindergeld und gar nichts mehr bekommt.
Es bestehen also durchaus noch andere Möglichkeiten und ich ärgere mich, dass ich mich da vorher nicht drüber informiert habe.
Jetzt bin ich froh, dass ich mir alles von der Seele schreiben konnte und mich nun noch ein bisschen meinem Harry Potter widmen kann, bevor ich dann schlafen gehe und mich Morgen ein bestimmt nicht weniger anstrengender Tag erwartet.

Dienstag, 31. Juli 07

Im Gegensatz zu Gestern würde ich sagen, dass der Tag heute eine Glanzleistung ist. Ich darf nicht an zu Hause oder an irgendwelche Freunde denken, dann geht es mir wieder schlechter, aber ansonsten… es geht voran würd ich sagen. Allerdings festigt sich immer mehr der Wunsch schon im Oktober wieder nach Hause zu kommen, auch wenn ich damit wahrscheinlich eine Menge Menschen verletzten und mir mehr Probleme aufhalsen würde als gut für mich ist.
Heute Morgen habe ich durch Juliane festgestellt, dass die Frau, der ich das Geschenk von Frau Pultke geben soll leider gar nicht mehr im Krankenhaus arbeitet. (Oh, Stromausfall, nur mal so nebenbei bemerkt) Was natürlich auch erklärt, warum zwar sie aber das Krankenhaus nicht weiß, dass ich komme. (Oh, der Strom ist wieder da)
Ob das schon mal jemand Frau Pultke gesagt hat?
Außerdem hatten wir heute den ersten Toten auf der Station während meiner Arbeitszeit. Merkwürdig, wenn ich daran denke, dass mir beim Bettenmachen noch durch den Kopf ging „Hey, der Röchelt aber komisch.“ Knapp Eineinhalb Stunden später war er tot. Noch geht mir das aber nicht zu nahe. Vielleicht weil ich ihn sowieso kaum kannte. Schlecht finde ich es nicht, dass ich mich davon nicht beeinflussen lasse. Das hätte mir jetzt aber auch gerade noch gefehlt.
Ansonsten war die Arbeit heute wie immer. Zwischendurch kam einmal der Quasi Chef der Krankenschwestern vorbei und hat mich ausgefragt wie es mir so geht und hat sich mit mir über die Geburtenrate in Deutschland und Tansania und die daraus entstehenden Vor- und Nachteile unterhalten. Ein sehr netter Mann. Überhaupt. Die Menschen sind hier so nett und unkompliziert (zumindest die meisten). Mir wurde von einem der Krankenbrüder heute genauestens erklärt, warum und wieso der Patient vor der Bluttransfusion noch das und das Medikament bekommt und so weiter. Total lieb und nett, obwohl es mir doch sehr peinlich war, als er sich so überschwänglich bedankte, dass ich ja von Morgens bis um 16 Uhr auf der Station wäre usw. Dabei mache ich doch da überhaupt nichts, sondern stehe bzw. sitze höchstens dumm im Raum herum. Und dafür bedankt er sich dann auch noch.
Ansonsten, der Nachmittag eigentlich wie immer. Der Pastorenehemann, der heute eigentlich auftauchen sollte ist immer noch nicht aufgetaucht, hat allerdings auch nicht angerufen, also mache ich mir darum erst einmal keine Gedanken. Simon motzt, dass sein frisch gewaschener Pulli nach „Afrika“ riecht. Mit der Beschreibung hat er nicht ganz unrecht. Es riecht nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht zu gut. Es ist ein ganz eigener, komischer Geruch. Genau wie im Krankenhaus. Schon nach vier Tagen dort (oh, schon wieder Stromausfall) kann ich eins sagen: Den Geruch werde ich nicht wieder vergessen. (oh, Strom wieder da. Was ist denn heute los?)
Dummerweise hab ich anscheinend meine Klamotten etwas unordentlich liegen gelassen. Da Linda und ich uns ja ein Zimmer teilen können wir es schlecht abschließen, da eine von uns beiden immer nicht da ist, wenn die andere nach Hause kommt. Das hat allerdings zur Folge, dass unsere Betten immer gemacht werden und die Hausmädchen aufräumen, was mir sehr unangenehm ist. Allerdins haben sie diesmal meine Wäsche mit zum Waschen (auch mit der Hand genommen). Mir fehlen jetzt also nur unbedeutende 4 Hosen und T-Shirts und ein Handtuch. Blöde Sache. In Zukunft wird ich auf alle Fälle besser auf meine Sachen aufpassen und sie immer Ordentlich wegräumen.
Ansonsten.. viel zu sagen gibt es glaub ich nicht. Heute gab es lecker Nudeln mit Weinsoße. (Simon hat heute Morgen witziger weise eher als ich bemerkt, dass ich mir unbewusst eine zweite Scheibe Brot genommen habe.)
Ich will gar nicht wissen von wie viel Kohlenhydraten wir uns hier ernähren. Immerhin gibt es jeden Mittag Reis mit Fleisch oder etwas ähnlichem. Bina und ich rätseln noch, wie langweilig das sein muss, wenn man fest in dem Krankenhaus angestellt ist und man das jeden Tag isst.
Außerdem kommt irgendwann demnächst, wenn Juliane weg ist ein Zahnarzt aus Berlin mit seiner Frau hier her. Er wird wohl auch bei Bibi Stella wohnen. Mal gucken, wie das so wird. Wir hoffen alle, dass er im anderen Haus wohnen wird, auch wenn es nur für zwei Wochen ist. Das wäre hier doch etwas komisch.
Etwas, das noch komisch ist ist, dass wir hier eigentlich alle dauer müde sind. Ich gehe im Moment eigentlich immer vor 10 Uhr ins Bett. Sonntag sogar schon um 9 Uhr. Trotzdem bin ich spätestens nach dem Morgning Prayer wieder genauso müde wie am Abend. Was scheinbar aber auch jeder hier bemerkt. Na ja, Linda sagt das würde sich mit der Zeit noch besseren. Wollen wir’s hoffen.

Mittwoch 1. August 2007

Wow, der Tag heute war sehr viel besser als die letzten Tage. Irgendwie hab ich mich heute mal recht wohl gefühlt.
Im Krankenhaus ging alles seinen Weg. Mittlerweile kann ich ja sogar ein bisschen helfen, in dem ich Morgens ein bisschen alles desinfiziere und beim Bettenmachen helfe. Später hab ich dann festgestellt, dass ich ja auch im Krankenhaus ins Internet gehen kann (solange ich es nicht übertreibe, was heißt einmal die Woche und nicht mehr) und hab dort einige Zeit verbracht meine eMails zu „checken“.
Am Anfang dachte ich, jetzt packt mich das große Heimweh, aber eher das Gegenteil war der Fall. Die eMails haben mich wirklich aufgebaut. (Vor allem die „Rafa“ Bilder von Mirko… DANKE!!!) Ich hab die meisten ohne sie zu lesen abgespeichert und wollte sie dann jetzt lesen und beantworten, aber dank Windows Vista ist das nicht so wirklich möglich und nun muss ich die „wichtigsten“ Morgen noch einmal nachlesen und dann bis Samstag beantworten. So ein Mist aber auch, dabei war der Tag bis jetzt so toll. Aber jetzt ärgert es mich, dass ich die Mails von Mama und Jaqueline nicht noch einmal lesen kann. Verdammter Mist aber auch.
Ansonsten: Der kleine Junge auf unserer Station ist immer noch da. Eigentlich hätte er schon längst gehen können, aber seine Eltern können anscheinend die Rechnung nicht bezahlen und so lange muss der arme Junge bleiben. Ein völliger Teufelskreis, denn so wird die Rechnung ja nur noch höher.
Am Nachmittag waren zwei Amerikaner aus Colorado da, die unbedingt eine Führung durch das Krankenhaus wollten. Da Juliane die ist, die das normalerweise macht und ich gerade mit ihr am Akten sortieren war bin ich einfach mitgegangen. Ich fand es zum Schreien. So typisch Amis… am schärfsten war, als der Mann sich in der Pharmazie mit einem Medikament in der Hand hingestellt hat, so getan hat, als würde er lesen bis genau zu dem Augenblick in dem der Blitz kam, dann kam das Medikament sofort wieder in den Schrank. Zum Schreien, wirklich. Ich wette, wenn man ihn hinterher gefragt hätte, was für ein Medikament das war, er hätte es einem nicht sagen können.
Ein bisschen geschockt hat mich heute, dass ich am Sonntag wirklich in die Kirche soll und dafür abgeholt werde. Um 7 Uhr morgens bei Mtoni (etwa eine halbe Stunde zu Fuß). Klasse und das am Sonntag, und ich weiß nicht einmal, wann ich wieder zu Hause bin. Das wird ein Spaß.
Und die Schwester, die mir bis jetzt alles gezeigt hat (Ema) sagte mir heute beim Abschied, dass ich ihr ja morgen ein „Jifft“ mitbringen könnte. Bis ich kapiert hatte, dass sie „Gift“ (Geschenk) meint hat es schon eine Weile gedauert. Jetzt bin ich am Überlegen was ich ihr mitbringen kann. Vielleicht einen Kugelschreiber und ein bisschen Haribo. Die sind hier hinter Gittern in den Läden, also muss es ja schon was besonderes sein
Darüber mach ich mir allerdings wenn es soweit ist Gedanken.
Übrigens merkt man doch immer noch, dass ich ganz schön durch den Wind bin. Ich hab heute Nacht vergessen meine Kontaktlinsen rauszunehmen. Etwas das mir bis jetzt noch nie passiert ist. Allerdings hatte ich prompt heute den ganzen Tag etwas trockene Augen. Aber auch das wird wieder vergehen.
Heute bin ich einfach nur dankbar für die vielen aufmunternden eMails… vielen, vielen Dank nach Hause!
Das nächste sind übrigens Auszüge aus eMail und ich hoffe die betroffenen Personen sind mir nicht böse, wenn ich das hier einfach mal übernehme. So muss ich nichts doppelt aufschreiben.
Ich dachte ja eigentlich, ich hätte es geträumt aber Simon hätte dann wohl denselben Traum haben müssen. Wir hatten tatsächlich letzte Nacht gegen Null Uhr schon wieder ein Erdbeben. Kein großes es rüttelt hat nur ein bisschen, aber es ist doch ein wenig ungewöhnlich.
Die drei Dentisten waren heute an einer Schule haben bei den Kindern Kontrollen gemacht und auch dort gegessen und Simon hat erzählt, dass er doch gleich mal eine Ringer-Speiseröhre im Essen hatte. Tja, die Menschen hier verwerten eben alles. Allerdings hatte ich sowas noch nicht im Essen und weiß auch noch nicht, wie ich darauf reagiere, wenn es denn mal so sein sollte.
Über meine Arbeit (das haben gleich zwei bekommen meine Mama und meine Tante, da ich zu faul war alles zwei mal zu schreiben. Ich hoffe die beiden sind mir nicht böse. Aber wenn sie schon die gleichen Fragen stellen, dann müssen sie sich nicht über die gleichen Antworten wundern ) :
Also, ich arbeite von Morgens um 8 Uhr bis Nachmittags um 16 Uhr. Auch wenn ich eigentlich nicht um 8 Uhr anfange. Da sitzen wir erst einmal eine halbe bis dreiviertel Stunde in der Kapelle beim „Morning Prayer“ und danach geht es dann an die Arbeit. Erst wird alles sauber gemacht, dann werden die Betten gemacht und dann kommt irgendwann im Laufe des Vormittags der Arzt zur Visite. Danach übertragen wir alles in die Akten (was echt Lustig ist, da ich kaum etwas lesen kann, so undeutlich schreibt der Arzt). Danach ist dann ein bisschen Langeweile oder ich suche mir etwas zu tun. Und zwischen 13 und 14 Uhr gehe ich dann Essen. Die Zeit danach ist dann immer ein bisschen Langweilig, weil ich nicht genau weiß, was ich machen soll. Allerdings vergeht sie trotzdem immer Recht schnell und um 16 Uhr kann ich dann gehen. Dann sind die anderen zwar schon immer weg, aber der Weg ist nicht so lang oder schwer, dass ich ihn nicht auch alleine gehen könnte.
Meine Klamotten sind schon nach einem Tag, frisch gewaschen, wie da und ich freu mich. Juliane hatte gesagt, dass es manchmal bis zu fünf Tage dauern kann. Fünf Tag ein der gleichen Jeans, nur weil meine anderen 3 Hosen plus die Arbeitshose rumliegen lassen hab. Nee, Danke.
Allerdings wird ich ab jetzt auch keine Sachen mehr rumliegen lassen.

Donnerstag 2. August 2007

Ich glaube nicht, dass ich heute viel schreiben werde. Ich habe grad noch die ganzen eMails zu Ende geschrieben, wobei wohl auch immer eine „Sammel“-Email an alle dabei sein wird. Ich schaffe es leider nicht immer allen zu antworten, vor allem, da diese Woche ja auch noch dieser dumme Fehler in der Technik dazu kam, der mich dann doch einige eMails gekostet hat, die ich eigentlich gerne beantwortet hätte. Ich hoffe, ich komme die Woche dazu.
Heute war fast so etwas, was ich als normalen Tag einstufen würde. Ich hab mich ein wenig geärgert, da natürlich genau heute wenn ich ein paar eMails wegschicken will das Internet im Krankenhaus streiken muss. Schade eigentlich, muss ich also doch auf Samstag warten um alles wegschicken zu können. Vielleicht aber auch gar nicht so schlecht, da es in Moshi schon ein bisschen schneller geht. Wenn man überhaupt von schnell hier reden kann.
Ich bin ja gespannt, wie lange das hochladen der Bilder dauern wird.
Bina und Jaana haben heute mit einem Mann gesprochen, der Ausflüge in die Umgebung anbietet und das auch noch zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Nächste Woche Samstag machen wir eine Ein-Tages-Safari in den Arusha National Park. Und hey, ich bin wirklich gespannt darauf. Denn das ist schon ein kleines High-Light hier. Die Woche über kommen wir ja kaum zu etwas und Samstags geht es dann nach Moshi und am Sonntag ist man dann zu kaputt für alles weitere. Dass ich diesen Sonntag schon vor 6 Uhr aufstehen muss verdränge ich im Moment noch ganz gut. Es wundert mich immer wieder, es ist gerade mal 20 Uhr und ich fühle mich schon wieder so, als könnte ich demnächst ins Bett gehen. Nun gut, das wird wahrscheinlich auch passieren. Wie ich schon einmal sagte, spätestens um 10 Uhr abends hab ich mein Moskitonetzt rund um meine Matratze festgesteckt und liege gut verpackt unter meinem Laken und der dünnen, kratzigen Decke und schnorchel friedlich vor mich hin.
Für alle, die mich um mein Wetter beneiden: Hier ist es auch nicht sehr viel besser. Im Moment haben wir anscheinend den ganzen Regen. Zwar ist es nur selten unter 20°C aber das ist nun auch nicht das Wahre. Vor allem, da die Straßen hier ziemlich holprig und viele nicht einmal geteert sind, so dass sie doch gut aufweichen.
Ein bisschen komisch ist übrigens ein Baum, an dem wir jeden Morgen vorbeilaufen. Auf seinen Stamm hat irgendwer ein Hakenkreuz gesprüht. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, was das bedeutet, aber da im Krankenhaus auch ab und zu solche Kreuze gemacht werden, wenn jemand stirbt (oder an die Enden werden Pfeile gezeichnet) kann es gut sein, dass dort jemand gestorben ist.
Es ist einfach nur ein merkwürdiges Gefühl an einem Zeichen vorbeizulaufen, dass in zwei Kulturkreisen anscheinend etwas völlig anderes bedeutet.
Ema hat übrigens heute von mir einen Kugelschreiber bekommen und ich hoffe, sie ist erst einmal glücklich damit. Jedenfalls hat sie mir erst einmal ein bisschen Suaheli beigebracht. (Andreas, du liest jetzt am besten nicht weiter, da du weiß, dass ich das alles eigentlich schon können müsste) Ich kann mittlerweile schon bis 1000 zählen… etwas das ich in Deutschland immer vermieden hatte. Die gelernten Sachen auswendig lernen. Wenn ich hier aber klar kommen will, dann hab ich gar keine andere Wahl, als mich endlich mal hinzusetzten und wenigstens die Grundsachen zu lernen. Ich will ja schließlich mit den Leuten kommunizieren, und dass ist schon ein wenig schwierig, wenn der Mensch, der dir helfen soll nicht einmal weiß, was „they“ oder „yesterday“ heißt. Auch wenn man das erst merkt, wenn man von ihm wissen will, was das in Suaheli heißt und er es einem nicht sagen kann, weil er offensichtlich nicht weiß, was man im Englischen meint.
Dafür weiß ich jetzt schon, was „Ich gehe nach Hause“ im Suaheli heißt.
Das wichtigste, wie ich finde

Freitag, 3. August 2007

Kein Krankenhaus heute.
Heute war Julianes letzter Tag im Krankenhaus, da sie am Montag wieder nach Deutschland fliegt. Da sie eine Foundation gegründet hat die sich um Hospitzarbeit kümmert wollte sie heute unbedingt noch einmal ein paar Menschen besuchen um Fotos zu machen, die sie dann in Deutschland zeigen kann. Und um einfach mal ein bisschen Einblick in die Arbeit zu bekommen.
Ich weiß gar nicht, wie es genau dazu kam, aber auf alle Fälle durfte ich mit.
Es ist ein bisschen komisch. Wir waren bei Menschen, die in einfachsten Verhältnissen leben. Die Häuser in denen sie leben haben meist noch nicht einmal die Bezeichnung Hütte verdient. Es sind die einfachsten Lehmhütten, die teilweise nur mit ein paar Pappen zusammen gehalten werden. Die Menschen, die in ihnen leben waren teilweise schwerkrank oder behindert und kamen kaum noch raus aus ihren Betten. Ich weiß nicht, ob ich es als abgestumpft bezeichnen würde, aber während Juliane immer zu jammerte wie schlimm doch alles wäre, und wie nahe ihr das ging stand ich immer daneben und hab quasi gar nichts gespürt außer meinen schmerzenden Beinen.
Ich denke, natürlich ist es gut, dass ich die Probleme der Menschen gar nicht erst an mich heran lasse. Andererseits ist es schon komisch… vielleicht bin ich aber im Moment auch einfach nur zu sehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt. Ich will ja auch gar nicht sagen, dass mir diese Menschen nicht nahe gehen. Es beschäftigt mich im Moment nur einfach nicht so sehr, wie manch andere Sachen.
Danach waren wir im Marangu Hotel. Ich denke ich werde demnächst mich noch einmal umhören wie denn so die Preise in den anderen Hotels hier sind, da Mamas doch recht außerhalt ist. Ich würde sie ja bei Mama Stella, also quasi im Haus nebenan unterbringen, aber… na ja, ich denke die drei wollen schon ein bisschen bekocht werden und so…das wäre dann hier nicht der Fall Ich höre mich mal um und ruf dann einfach mal zu Hause an.
Im Marangu Hotel war es sehr schön. Es ist eine traumhafte Anlage und ist wunderbar grün. Außerdem ist das Essen dort sehr lecker (ja, Kathrin, ich hab sogar Fisch gegessen, weil ich den hier sonst nirgendwo bekomme.)
Später kam dann der Touri in uns durch. Es war zwar erst 19 Uhr aber schon stockdunkel. Trotzdem haben Jaana, Bina und ich uns nicht davon abbringen lassen Blumen zu fotografieren und sind dabei ziemlich an den Rand des Geländes geraten, wo das Tor ist und das nicht mehr so wirklich bewacht wird. Gerade als uns jemand ansprach fing Simon von oben an nach uns zu pfeifen. Im ersten Moment waren wir ziemlich irritiert, aber im Grunde konnte uns nichts besseres passieren, denn er hat die Situation genau richtig eingeschätzt und uns zurückgeholt, bevor uns jemand die Digicams stehlen konnte.
Das wir dann mit 6 Personen + Fahrer zurück gefahren sind (hier darf man im Dunklen alleine gar nicht mehr raus am Besten auch nicht in der Gruppe) erwähnt man lieber nicht. Auf dem Beifahrersitz zwei Personen und hinten Simon und Juliane mit mir in der Mitte und ich hatte um alles Komplett zu machen Jaana auf dem Schoß. Immerhin war das Auto so automatisch tiefer gelegt, was wir ziemlich amüsiert zur Kenntnis genommen haben. Was soll man dafür auch viel bezahlen. Man kann es sich auch einfacher machen und 6 Msungus (Abfällig für Europäer/Weiße) ins Auto laden.
Mittlerweile haben nicht nur die anderen ihre Spitznamen (Simon wird englisch ausgesprochen, allerdings mit überbetontem O, Bina wird Baina ausgesprochen und Jaana ist nur noch Yesterday, seit sie mal festgestellt hat, dass das im Suaheli genau dies bedeutet und Linda ist für uns nur Mtoto (das Kind)) sondern auch ich hab meinen weg. Da hier eigentlich jedes Wort und fast jeder Name auf einen Vokal endet, haben die meisten hier natürlich Schwierigkeiten mit meinem Namen. Daher kürzen es die meisten einfach mit „Ella“ ab. Nervt ein bisschen, aber immer noch besser als jedem fünf Mal zu erklären, dass ich nun mal nicht Hellen heiße. Und immer der Spruch… „Ellen, without the H“ ist auf die Dauer auch langweilig.
Gestern ist es doch noch ein bisschen später geworden, als wir alle dachten. Wir haben erst um 21 Uhr gegessen. Wirklich spät für unsere Verhältnisse. Dafür gab es eine super lecker Gemüsepfanne bei der ich sogar die Obergine (oder wie auch immer man das schreibt) gegessen habe… so langsam gewöhne ich mich hier an alles.
Jetzt ist es auch schon oder besser erst halb 11 und ich sollte langsam wirklich ins Bett gehen. Bis auf Jaana, die in der Küche liest sind es schon alle. Immerhin steht Morgen wieder ein Ausflug nach Moshi an… ich freu mich schon jetzt auf die Dalla-Dalla Fahrt.



Samstag 4. August 2007, Sonntag 5. August 2007

Es ist immer wieder ein Abenteuer nach Moshi zu fahren. Diesmal haben Jaana, Bina und ich es auch ohne Simon geschafft. In Moshi waren wir dann alle leicht genervt, da im Internet so gut wie gar nichts ging und ich fast eine Stunde brauchte um in WEB zu kommen. Am Schluss hat dann doch noch alles geklappt. Zum Glück.
Neben dem Markt haben wir auch noch die „Coffee Lodge“ entdeckt, die wirklich typisch westlich eingerichtet ist und für uns mal eine tolle Abwechslung war. Wie im Marangu Hotel… manchmal braucht man es eben nicht dauernd angestarrt zu werden. Es ist zwar nicht schön, das zu sagen, aber manchmal ist es echt schön nicht der „Mzungu“ zu sein, sondern einer unter vielen Weißen.
Die Rückfahrt war klasse. Wir sind aus Versehen in einen richtigen (so fern man das hier sagen kann, immerhin sind das auch nur Busse, die in Deutschland nie und nimmer durch den TÜV kommen würden) Bus gelandet. Das schönste: Man konnte endlich mal nach draußen gucken und zugucken, wie sich die Vegetation von Trocken zu fast Urwald verändert. Es ist sehr krass, wie sich hier innerhalt von 900 Höhenmetern alles ändern kann.
Der Abend war einer der schönsten bis jetzt. Wir haben Karten gespielt (oder besser, die anderen haben mir Kartenspiele beigebracht) und danach haben wir Stadt-Land-Fluss-und-jeder-sucht-sich-eine-Kategorie-aus gespielt. Das wir die Kategorie Schriftsteller, die Jaana sich gewünscht hatte ganz schnell unter den Tischen haben fallen lassen muss man glaub ich nicht erwähnen. Das versteht sich fast von selbst, wenn man es mal ausprobiert.
Vor Sonntag hatte ich ja ehrlich gesagt ein wenig Angst.
Ich musste schon um 6 Uhr aufstehen, weil ich um 7 Uhr bei Mtoni (der „Stadtmitte“ von Marangu) abgeholt werden sollte. Der Mann einer Krankenhausangestellten in Pastor und der wollte mich zum Gottesdienst mitnehmen.
Der ist dem Deutschen gar nicht mal so unähnlich. Mal abgesehen davon, dass ich nichts verstehe. Es sind halt Kleinigkeiten, die den hier fast schöner machen. Die Menschen gehen nach vorne für die Kollekte, was Vor- und Nachteile mit sich bringt, ganz klar. Allerdings war der Jugendchor eine Wucht. Total toll, was die hier auf die Beine stellen.
Zwischen dem ersten und zweiten Gottesdienst gab es dann eine Versteigerung, bei der arme Menschen Lebensmittel mitbringen und sie dann versteigern.
Irgendwer, ich bin mir nicht mal sicher wer, hat für mich ein paar Avocados und einen Hasen ersteigert.
Einen lebenden wohlbemerkt. Ich habe ihn Nepumuk getauft.
Nepumuk lebt nun in einem Karton auf unserer Terrasse, bis wir entschieden haben was wir mit ihm machen. Endwerder den Kindern schenken, mästen oder als Haustier halten. Wobei das letzte rausfällt, weil die Leute das hier einfach nicht verstehen würden. Wer hält sich denn hier ein Nutztier ohne Grund? Wobei mir einfällt, dass ich heute gesehen hab, wie man einer Kuh die Kehle durchgeschnitten hat. Lecker kann ich nur sagen.
Nepumuk ist im Moment schon zu so etwas wie einem running Gag hier geworden… Wobei Jaana das Ganze nicht so witzig zu finden scheint. Mir ist allerdings auch nicht Wohl bei dem Gedanken, dass wir den kleinen Tatsächlich irgendwann essen sollten. Vielleicht hätte ich ihm einfach keinen Namen geben sollen.
Der Pastor war übrigens super lieb und sprach sehr gut Deutsch, da er mit seiner Familie 5 Jahre lang in Deutschland gewohnt hat.
Es war ein komisches Gefühl, aber ich hab mich in der Kirche während des Gottesdienstes richtig wohl gefühlt. Vielleicht finde ich ja noch heraus woran das gelegen hat. Mal schauen. Genug Zeit zum Überlegen hab ich Morgen ja bestimmt wieder.
Außerdem hab ich tansanische (bzw. kenianische hier wird ja alles importiert) Schokolade geschenkt bekommen, die so gar nicht schmeckt. O-Ton Bina: „Schmeckt wie von Weihnachten von vor 15 Jahren“ und damit trifft sie es leider genau auf den Punkt.
Jetzt bereiten wir gerade Julianes Abschiedsessen vor, die heute Nacht wieder nach Deutschland fliegen wird. Ich glaube, ich bin immer noch in der Phase, in der ich gerne mit ihr tauschen würde. Allerdings bessert es sich schon, mein Heimweh ist nicht mehr ganz so stark, wie noch vor einer Woche, was bestimmt auch die lieben Kommentare von zu Hause bewirken.
Danke an alle!
Und für Mama: Heute gibt es Guacamole oder wie auch immer man das schreibt, also Avocados kleingedrückt mit Tomaten und Zitronen bzw. in unserem Fall Orangensaft.
Dazu gibt es Huhn.
Bina hat Nepumuk jetzt einen Stall gebaut. Mal gucken, wie lange er da drinnen bleibt.
Jule hat gerade angerufen. Es dauert länger. Sie haben eine Autopanne. (Sie war mit B. übers Wochenende weg)
Zwei Stunden später: Sie werden wohl in einer Stunde da sein… hofft man. Eineinhalb Stunden später: Mittlerweile ist es 21 Uhr… sie werden wohl jeden Moment eintreffen und dann gibt es endlich essen.

Dienstag, 7. August 2007

Nepumuk weilt immer noch unter uns. Ich habe ihm gestern auf dem Markt einen großen Wäschetrog gekauft in dem normalerweise die Wäsche gewaschen wird.
Nun lebt da also ein kleiner Hase drin.
Eigentlich wollte Simon ihn schlachten. Mittlerweile ist er aber auf die Idee gekommen, dass es ja eigentlich sehr schön ist, wenn ich hier alleine bin und einen kleinen Freund habe. Und wenn es ist um ihn an Weihnachten dann zu essen. Allerdings glaube ich nicht, dass es noch in Frage kommt ihn zu schlachten, auch wenn Simon schon festgestellt hat, dass er ja gar keine Handschuhe für die Kili Besteigung hat und sich das Fell ja schon sehr weich anfühlt…
Da Bibi Stella nichts dagegen hält das ich den Hasen hier halte kann er hier bleiben. Sie weiß auch nicht, wie man ihn schlachtet, da Chagga (ein Volksstamm hier) keine Hasen und keine Schweine essen. Sie essen nur Haus- und keine schmutzigen Tiere.
Die letzten Tage war es so, dass ich morgens im Badezimmer immer verdammtes Heimweh habe. Keine Ahnung warum. Den Tag über ist es dann fast ganz verschwunden und ich lebe mich langsam ein. Vielleicht auch, weil ich mittlerweile die Angestellten im Krankenhaus kenne und so langsam einen Überblick bekomme.
Apropos Überblick.
Ein ganz normaler Tag.
Am Montagabend um 21 Uhr ins Bett gegangen.
Dienstag:
6 Uhr: Die Kirchenglocken klingeln und der Hahn fängt an zu krähen. Beides so laut, dass ich aufwache.
6:30 Uhr: Jaana oder Bina geht als erste ins Badezimmer, das gleich neben meinem Zimmer ist, die Tür geht nicht leise zu öffnen. Die Kirchenglocken läuten zum dritten Mal. Ich wünsche mir zum zweiten Mal, der Hahn würde im Kochtopf landen.
6:45 Uhr: Irgendwer kommt aus dem Badezimmer. Ich suche den Ausgang aus meinem Moskitonetz und gehe ins Badezimmer.
7:05 Uhr: Meine Sachen sind gepackt (Geld, Krankenhose und T-Shirt, Stift, Wasser, Schlüssel, evt. Digicam) und ich schleiche mich aus dem Zimmer, da Linda immer noch schläft.
7:10 Uhr: Brot ist im Back- und Grillteil. Ich suche nach der Marmelade und der Margarine, hole mir aus dem Nebenraum (ja, wir haben einen Raum nur für Geschirr und einen Raum nur für Kochtöpfe.. wir Bonzen wir…) mein Geschirr. Inzwischen kocht das Wasser und ich kann mir einen Tee machen.
Bis 7:30 Uhr: Wir frühstücken und überlegen, was am Tag so anstehen könnte.
7: 40 Uhr: Wir müssen los gehen, damit wir rechtzeitig am Krankenhaus ankommen. Zusammen mit einer Horde von Kindern laufen wir die Straße entlang und springen bei jedem Auto fast von der Straße, weil die wie die Bekloppten fahren. Das Wetter ist sehr schön und wie jeden Morgen hoffen wir, dass es so klar ist, dass wir den Kilimanjaro sehen können. Wie immer ist dies nicht der Fall.
8 Uhr: Die Kapellenglocken läuten und wir sind noch auf dem Weg… glücklicherweise hat uns Jule den Schlüssen zum Tor da gelassen, so dass wir nicht außenherum gehen müssen, sondern die Abkürzung über das Teacher Collage nehmen können.
8:06: Wir schleichen uns in die Morgenandacht und bekommen sofort ein Gesangsbuch in die Hand gedrückt. Keiner von uns weiß was er singt, aber alle machen mit.
8:30 Uhr: Ich suche mich einen Platz an dem ich mich umziehen kann.
8:35 Uhr: Die Arbeit geht los. Erst wird der Platz der Krankenschwestern desinfiziert bzw. gewischt, dann die beiden Wägelchen. Dann werden ein paar Bettlaken, wenn man die überhaupt so nennen kann, auf eins der Wägelchen gelegt und Betten gemacht. Ich weiß immer noch nicht wie Emma (ja, sie wird nicht nur mit einem M geschrieben, aber so ausgesprochen) denn sie lässt manche Menschen schlafen, manche nicht. Nach dem Schmutzgrad geht sie nicht, denn dann müssten alle gewechselt werden. Besonderes Highlight die „Male Ward“. Links der nette Mann mit dem offenen Bein, was ganz besonders gut riecht, rechts ein Mann, der gleichzeitig aus dem linken Ohr bluten und sich übergibt.
9:30 Uhr: Das Wägelchen wird desinfiziert meine Hände gleich mit.
Ab 9:30 Uhr: Warten auf den Doktor.
10 Uhr: Heute mal recht früh. Doktor Laou macht sich mit einem jungen Doktor auf den Rundweg. Ich stehe dabei, höre zu, bekomme manches erklärt und darf die Akten reichen.
11 Uhr: Alle Medikamente aus den Akten werden in ein Buch übertragen in dem steht, wer was und wie viel bekommt. Emma lässt es manchmal mich machen und diktiert alles, da ich die Schrift von Doktor Laou und Doktor Mafole nicht lesen kann.
Es wird nachgeguckt was gebraucht wir und in ein „Order Buch“ übertragen. Danach geht es dann zur „Pharmacy“ (ich weiß grad nicht, ob‘s richtig geschrieben ist) um die Medikamente aufzufüllen. Mittlerweile kann ich das auch alleine, solange Mama Mafole mir hilft die Medikamente zu finden.
12 Uhr: Blutung im Ohr gestillt, man hat soviel Watte ins Ohr gestopft bis nichts mehr rauskam.
13:30 Uhr: Nachdem ich mich doch ganz gut gelangweilt habe und hier und dort nach Arbeit geguckt habe und Simon immer wieder über die Schulter geguckt hab, der heute im Labor irgendwelche Zahnprothesen herstellt hole ich ihn zum Essen ab. Gemeinsam suchen wir nach Jaana und Bina und gehen dann Essen.
Überraschung. Es gibt gekochten Reis (Wali) mit einer kleinen Schüssel Soße und Fleisch, dass man sich vorher am besten ganz genau anguckt, weil ich wirklich ALLES im Kochtopf landet. Zur Abwechslung kann man auch Ndizi essen. Kochbananen mit Soße und eventuell Fleisch. Kochbananen schmecken meiner Meinung nach fast wie Kartoffeln. Also eigentlich nichts Besonderes. Freitag habe ich zum ersten Mal eine ganze Portion Reis geschafft. Vorher hatte ich immer das Gefühl ich beleidige die Köchin, wenn ich die halbe Portion zurückgehen lasse.
14:30 Uhr: Simon geht nach Hause, Jaana und Bina wollen als Kili Vorbereitung noch hoch zum Gate (der Eingang zum Kilimanjaro-Nationalpark) gehen. Ich mache mich wieder an „die Arbeit“.
15 Uhr: Es gibt hier Zettel über die Mülltrennung und Verarbeitung im Krankenhaus. Der der Krankenbrüder liest in grauenhaftem Englisch vor und Emma und ich beömmeln uns. Es entsteht eine kleine Diskussion, da der Müll, wenn er in den Müll kommt nicht nach Infiziert und nicht „general Waste“ getrennt wird. Allerdings behauptet „Godbless“, wie er sich nennt, dass der Müll vor dem Verbrennen getrennt wird. Als der junge Doktor auch noch dazu stößt und mich unterstützt, dass der nicht vor dem Verbrennen sortiert wird, will Godbless uns das unbedingt beweisen und schleppt uns zur Müllverbrennung neben der die Wäscherei ist.
Erste Feststellung: Es gibt drei Waschmaschinen. Alle drei aus Deutschland von Miele. Nummer 1 und 2 sind kaputt, irgendwas mit der Tür. Nummer 3 funktioniert leider nur mit Starkstrom…. Den Rest dürft ihr euch denken.
16 Uhr: Ich ziehe mich schnell um und gehe dann alleine nach Hause. Der Weg ist wunderschön. Man trifft auf viele Menschen und fast alle rufen einem einen Gruß zu. Manchmal nervt das. Außerdem wird man immer schräg angeguckt, weil man eben nicht afrikanisch sondern europäisch geht. Sprich schneller als 100 Schritte die Stunde.
16: 30 Uhr: Ich bin langsam gegangen komme nun zu Hause an und muss Simon wach machen, da ich keinen Schlüssel hab. Ich gehe duschen und überhöre Jaana und Bina, die ebenfalls keinen Schlüssel haben.
16: 45 Uhr: Bibi Stella kommt vorbei und ich erkläre ihr, dass das mit meinem Bezahlen noch etwas dauert. Ich weiß ja eigentlich noch gar nichts richtig und kann nur hoffen, dass sich das in nächster Zeit aufklärt.
Papa ruft an und ich spreche erst mit ihm, dann mit Thilo, dann mit Mami, dann mit Arne und wieder mit Papa.
Es ist super vertraute Stimmen zu hören und ein bisschen Heimat bei sich zu haben.
Danach unterhalte ich mich lange mit Bina und lese ein wenig. Außerdem muss Nepumuk gefüttert werden. Seinen Stall werde ich erst Morgen wieder sauber machen.
19 Uhr: Simon hat viele „Tapas“ gemacht. (Spanien begleitet mich, der Junge hört auch unheimlich viel Spanische Musik…. Komme ich eigentlich nie von dieser Sprache los?) Manche mit Olivenöl und Kräutern, andere mit der Spagettisoße vom Vortag und er macht Aubergine mit Käse. Ich brate mir die letzten Spagetti an und esse sie mit Tomatenmark aus Saudi Arabien.
Wir quatschen und schäkern. Morgen soll hier ins Haus noch ein Zahnarzt mit seiner Frau einziehen, weswegen ich nicht das Zimmer wechseln kann, was mir aber eigentlich nichts ausmacht. Allerdings wurde schon jetzt beschlossen, dass sie hier aus dem Haus gleich wieder ausziehen dürfen, wenn wir sie Siezten müssen. Jedenfalls sieht Simon das so. Immerhin wohnen wir dann mit ihnen zusammen. Mir ist das relativ. Hauptsache sie sind nett und nicht spießig. Simon und Jaana wollen ihn mit vom Flughafen abholen und werden deswegen wohl schon um 4 Uhr nachts aufstehen müssen. Ich will ausschlafen. Ich weiß zwar nicht, was für ein Feiertag morgen ist, nur, dass es etwas mit den Bauern zu tun hat aber ich bin froh, dass ich nicht arbeiten muss. Vielleicht werde ich ausschlafen, dann ein bisschen schreiben (die eMails müssen fertig werden, wenn ich vor dem Wochenende noch ins Internet will. Hier in Marangu kostet die Viertelstunde 1000 Schilling. Am Wochenende sprich ab Freitag 2000, zumindest für Mzungus, aber da ich die nächsten Samstage nicht nach Moshi komme wird es wohl darauf hinauslaufen. Außer ich bin so mutig und fahre übernächsten Samstag alleine nach Moshi.)
20:20 Uhr: Linda kommt nach Hause, ich setze mich in mein Zimmer um das hier niederzuschreiben.
21 Uhr: Stromausfall. Zum Glück hält der Akku, so dass ich trotzdem weiterschreiben kann.
21: 36 Uhr: Der Strom ist immer noch nicht wieder da. Ich werde wohl gleich ins Bett gehen. Gelesen wird dann halt aus Gründen der Batterieschonung nicht.
21:40 Uhr: Linda kommt und fragt ob ich sie Morgen früh (Viertel 8… also 7:15 Uhr oder?) aussperren kann. Soviel zum Thema ausschlafen. Allerdings hat sie recht. Sie kommt morgen Abend nicht nach Haus, sondern übernachtet im Kibo Hotel und da wär es blöd, wenn sie einen Schlüssel mitnimmt, da Simon Morgenfrüh den andere mitnimmt und Bina und ich sonst nicht hier rauskämen.
Ich vermeide es übrigens darüber nachzudenken was passiert wenn es hier mal brennt. Durch die Fenster kommen wir nicht und die Türen sind auch immer abgeschlossen. Allerdings ist das Dach mehr oder weniger aus sehr dünnem Material. Das sollte dann wohl kaputt gehen… irgendwie.
Ich schlafe in letzter Zeit übrigens im Schlafsack unter einem Laken und einer Wolldecke. Ihr könnt euch denken, dass es im Moment noch recht kalt hier ist. Hier ist halt immer noch „die kalte Jahreszeit“. Ich glaube umgerechnet auf Europa haben wir Frühling. Egal was es ist. Abends ist es kalt, genau wie Morgens. Nachmittags kann man meistens im T-Shirt rumrennen.
21:44 Uhr: Immer noch kein Strom. Ich werd dann wohl jetzt ins Bett gehen. Zähneputzen im Dunklen, mal was Neues…

Mittwoch, 8. August 2007

Was für ein entspannter Tag. Ich weiß immer noch nicht, was für ein Feiertag ist, aber im Grunde ist mir im Moment auch nur wichtig, dass ich frei hab. Sehr viel mit ausschlafen war zwar nicht, ich war ab 9 Uhr wach, aber dafür haben Bina und ich ganz lecker gefrühstückt und uns dann zusammen meine Facharbeit vorgenommen. Sie hatte mich gefragt ob ich ihr was darüber erzählen könnte und da ich sie zufällig auf meinem Laptop hab hab ich sie ihr dann übersetzt.
Ansonsten, vor kurzem ist das erwartete Ehepaar eingetroffen. Es ist eine Studentin… Maike. Irgendwie scheinen hier alle nicht so wirklich zu wissen, wen sie erwarten. Na ja, bin ich wenigstens nicht die einzige, die eigentlich gar nicht so richtig erwartet wurde. Maike wird wohl für vier Wochen bleiben. Eigentlich schade, von mir aus hätte sie auch erst kommen können, wenn die anderen weg sind, dann hätte ich hier mehr Gesellschaft gehabt. So hab ich aber hoffentlich am nächsten Samstag jemanden, der mit mir nach Moshi fährt, während die anderen den Kili besteigen. Nun ist es gerade mal Mittag und Simon plant gleich noch ins I-net Cafe in Marangu zu gehen, weswegen ich jetzt noch schnell ein paar eMails vorschreiben will und ein paar Bilder raussuchen. Ich lade sie im Moment noch im StudiVZ hoch, da flickr.com neulich ganz fies gesponnen hat. Mal gucken, wie das heute wird.

Donnerstag, 9. August 2007

Ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit hier. Ich war heute zum ersten Mal völlig alleine auf dem Markt und habe Gemüse gekauft. Es erstaunt mich immer wieder, wie günstig das hier eigentlich ist. Für 1500 Shilling habe ich eine riesige Tüte voll Avocados, Gurken, Paprika, Tomaten und Karotten bekommen.
Auf dem Markt bin ich ganz gut zu recht gekommen. Vor allem da ich die Zahlen bis 1000 eigentlich schon ganz gut verstehe. Zumindest, wenn es sich um so runde Beträge wie 200 oder 300 handelt. Dann geht das schon. Alles andere geht immer noch sehr schleppend. Da aber gestern wieder alles gesponnen hat, ich wollte die eMails zu Hause lesen und dann beantworten, leider hat mein Laptop aber mal wieder alles zerstört musste ich heute direkt noch einmal ins Internet. Auch ganz alleine. Ging alles wunderbar und bis auf Kathi Z‘s Mail und ein zwei Fotos hat alles geklappt.
Ich kann euch allen gar nicht genug Danken! Eure eMails sind alle so toll!!
Tja, im Krankenhaus war es heute selten langweilig. Im Moment ist eine echte Flaute. Was natürlich eigentlich sehr gut ist. Allerdings auch ziemlich langweilig für mich. Einem Kind wurde heute wieder ein Zugang am Kopf gelegt, was erst einmal zwei Mal nicht klappte. Danach weinten dann Mutter und Kind im Akkord und ich hatte jedesmal, wenn die Schwester auf den Kopf des Kindes schlug um die Ader sichtbar zu machen Angst, dass die Mutter umfällt. Schaut aber auch nicht gerade besonders gut aus, wenn man zum Abklemmen einfach den Bund eines Handschuhs nimmt. Das ist im ersten Moment schon ein bisschen erschreckend.
Erschreckend fand ich auch den Brief von Harald an den stellvertretenden Bischof hier. Das kling ja alles ein bisschen so, als müsste ich hier bald umziehen, damit alles ein bisschen billiger wird. Zugegeben, die Unterkunft in der ich im Moment bin ist nicht günstig. Auf keinen Fall. An tansanischem Standard gemessen ist sie sogar ziemlich teuer. Trotzdem habe ich mich hier gerade so gut eingelebt und fühle mich so wohl, dass ich hier eigentlich bis Ende September, wenn die anderen gehen schon gerne bleiben würde.
Nur wie mache ich das der Stiftung klar? Auch hier ist Verdrängung meine Taktik. Einfach gar nicht an mich dran lassen, irgendwie und irgendwer wird’s schon richten. Langsam lerne ich hier, dass man sich mit unnötigen Sorgen einfach nur selbst belastet. Wenn etwas passiert, dann passiert es. Ob ich mir da vorher den Kopf drüber zerbreche oder nicht. Das ist dann total egal.
Gestern Nacht hab ich geträumt, ich würde mich mit Arne darüber streiten, wer von uns die Socken zusammen nehmen müsste. Als ich aufgewacht bin war ich immer noch ziemlich sauer. Allerdings ist das dann recht schnell umgeschlagen, als mir klar wurde, dass das wohl das nächste halbe Jahr nicht passieren wird. Ich hab immer noch nicht richtig begriffen, dass dies kein Urlaub ist, der demnächst zu Ende geht.
Nepumuk ist ein komischer Hase. Er pinkelt übermäßig viel haben wir festgestellt. Hase in eigenem Saft wie Linda feststellte. Außerdem sind wir am Überlegen ihn umzubenennen. Joschka. (Grüne Wäschetonne… ihr erinnert euch?) Fünf Mark in die schlechte Wortspielkasse
Linda und ich haben heute Abend Popcorn gemacht. Allerdings war die Margarine so salzig, dass wir hinterher eine sehr seltsame Mischung mit dem Zucker hatten. Was natürlich auch nicht fehlen durfte war der obligatorische Stromausfall, als wir gerade den Herd angemacht hatten.
Nun ist es kurz vor 10 Uhr. Eigentlich schon fast spät für unsere Verhältnisse und ich will ins Bett.
Morgen geht es wieder ins Marangu Hotel, hoffe ich jedenfalls, wenn ich ein bisschen eher gehen darf. Ich freu mich auf Samstag.

Freitag, 10. August 2007 und Samstag, 11. August 2007

Wir haben einen Jungen auf der General Ward, der sich vor einiger Zeit den Oberschenkel gebrochen hat. Darauf hin hat man ihm sowas wie einen Haken in das Schienbein gesetzt und daran eine Tüte mit Reis oder Sand befestigt. Diese war bis Freitag über sein Bett gehängt, so, dass sein Bein immer gestreckt war.
Der Junge liegt dort seit dem 17.7 und guckt uns tagein und tagaus zu. Familie hab ich noch keine gesehen.
Am Freitag wurde dieses Gewicht nun endlich entfernt. Man kann sich vorstellen, wie ein Knie weh tut, wenn es über drei Wochen lang immer gestreckt wurde. Ich kann es mir jetzt sehr gut vorstellen, aber ich habe auch immer noch einen schreienden und weinend 12 jährigen Jungen vor mir. Leider kann ich ihn überhaupt nicht verstehen, da er sehr wenig englisch und ich noch weniger Suaheli verstehe. Allerdings lächelt er eigentlich immer, wenn ich ihn angucke, was ich doch schon mal als positives Zeichen empfinde.
Im Gegensatz dazu mag ich einen der Ärzte überhaupt nicht. Kann auch daran liegen, dass ich das Wort „Mzungu“ also Europäer überhaupt nicht mag.
Irgendwie denkt man ja immer in Europa bzw. Deutschland würden viele Unterschiede gemacht zwischen schwarz und weiß. Ja… denkt man. Hier ist es ein bisschen krasser.
Natürlich ist der „weiße“ Mann reicht. Das ist hier ganz klar. Na ja, in Relation gesehen… 90 000 Shilling sind hier das Monatseinkommen eines Arztes. Das ist etwas weniger als 90$ (sehr grob umgerechnet). In die Richtung kommt doch bei uns ein 18 jähriger mit seinem Taschengeld.
Wenn man hier etwas bei einem Händler kauft, dann richtet sich der Preis nach der Hautfarbe. Das ist halt einfach so, das muss man akzeptieren und wirklich viel bezahlen wir hier für Gemüse und Obst auch nicht. Für alles andere natürlich sehr viel mehr, weil vieles importiert wird. Damian, unser Guide, hat uns heute erzählt, dass sich hier die Preise erst extrem geändert haben seit der neue Präsident (seit zwei Jahren) an der Macht ist. Letztes Jahr kostete der Eintritt in den Arusha National Park 20$ dieses Jahr 35.
Das hat natürlich nichts mit schwarz/weiß zu tun, aber ist auch ganz interessant zu wissen. Es zeigt zumindest, warum ich fast doppelt so viel für die Unterkunft zahlen soll wie meine Vorgängerin hier.
Um wieder die Kurve zu besagtem Arzt zu bekommen: Er benutzt das Wort Mzungu sehr oft. Und es hat immer ein sehr kritischen bis verachtenden Unterton.
Das er mich am Freitag beim Händedrücken am Handgelenk packte und sagte „Strong like the german empire“ lasse ich jetzt einfach unkommentiert. Darauf gehe ich gar nicht ein.
Es hat am Freitag sehr geregnet. Er guckt aus dem Fenster guckt mich an: „Mzungu weather.“ Ich sage ich gehe am Samstag auf Safari, er sagt „Ah, Mzungu Safari.“
Hallo? Gucke ich im Sommer aus dem Fenster, sehe die Sonne und sage: „Oh, das ist aber ein afrikanisches Wetter.“
Nein. Also… können wir es bitte hier auch lassen?!
Das Emma (hab ich schon erwähnt, dass ich sie immer falsch geschrieben habe, weil sie Eeema genannt wird?) mit mir nur in ein Wort Sätzen spricht, daran bin ich ja schon fast gewöhnt. Aber wenn sie auf eine Dose mit Desinfektionstüchern zeigt und „finished“ sagt, kann ich daraus noch nicht erkennen, dass sie damit meint, dass sie leer ist und ich neue holen soll. Ich traue mich halt immer nicht, sie zu verbessern. Es soll ja nur helfend gemeint sein, aber ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es dann nicht belehrend rüberkommt. Und da dann noch die sprachlichen Probleme dazu komme… da lasse ich es lieber. Aber ich lerne. Das Mädchen ist ja auch sehr nett, sehr fordernd, aber nett. Jetzt hat sie ja Jules Tasche und ich hoffe, sie fragt mich nicht mehr nach Geschenken.
Es sind Kleinigkeiten die hier ein bisschen auf die Nerven gehen. Ansonsten denke ich schon, dass ich Fortschritte mache.
Irritierend war, als Jaana und ich auf dem Rückweg vom Krankenhaus waren und von hinten jemand meinen Namen sagte. Oder zumindest so ähnlich. Es war wieder einmal Helen.
Ich kannte denjenigen nicht. Er kannte aber mich.
Er stellte sich als „Hassan“ vor, was mir schon bekannt vorkam, ich aber nicht einordnen konnte. Erst als er sagte, er hätte sich mal vor dem Amsterdam Shop vorgestellt und ich wäre dort mit einem „Guy“ gewesen ging mir ein Licht auf.
Ich hab ihm meine Hand gegeben, er nannte seinen Namen, ich meinen und dann war er wieder weg. Er konnte sich aber trotzdem an meinen Namen erinnern, dass ich mich erst nicht an ihn erinnern konnte schien ihm egal gewesen zu sein. Insgesamt eine sehr witzige Begegnung.
Jaana und ich machten uns übrigens einen sehr gemütlichen Nachmittag/Abend mit Guacamole (Ja Kathrin hier esse ich freiwillig zermatschte Avocado) und Wein, während die anderen im Marangu Hotel waren.
Samstag ging es schon sehr früh los. Um 5 Uhr war allgemeines Wecken, was sehr leise ausfiel, da Meike und Linda ja weiterschlafen konnten. Ich aß schnell ein Butterbrot um fertig zu sein, bevor Damian um 5:30 Uhr uns abholen kommen sollte. Leider war er schon um 5:10 Uhr da, was wir alle nicht so wirklich erwartet hatten.
Na ja, aber lieber so, als zu spät.
Unser Wachmann*, der zu aller Überraschung mal nicht schlief, sah zwar etwas skeptisch drein aber ließ uns dann doch fahren.
Völlig übermüdet ging es also auf den Weg gen Arusha National Park.
Die Fahrt war lang. Knapp zwei Stunden dauert es bis nach Arusha von Marangu aus. Wie die Strecke mit dem Dalla-Dalla aussieht möchte ich mir eigentlich gar nicht ausmalen. (Andreas, ich hoffe wir sehen uns trotzdem mal ) Sehr interessant waren die Brände am Horizont, mit denen Farmer ihre Felder niederbrannten, was einen guten Dünger abgeben sollte, wie Simon mir erklärte. Ich hatte bei der Größe eher das Gefühl die verbrennen auch noch die Felder links und rechts, wenn sie schon einmal dabei waren.
Außerdem gibt es hier recht viele Straßensperren. Der einzige Weg um wenigstens ein bisschen Kontrolle auf die Straßen zu bringen, denn Verfolgungsjagten kann man vergessen. Selbst der schäbigste Dalla-Dalla ist hier schneller als die Polizeiautos. Außerdem um Diebe abzuschrecken ihr Diebesgut einfach so über die Straßen zu transportieren, denn die Straße ist schon eine Hauptverkehrsstraße. Von Himo einem kleinen Dorf ist übertrieben, einer Anzahl von Häusern und Hütten zwischen Marangu und Moshi sind es nur etwa 2.5 KM bis zur kenianischen Grenze und die Straße führt direkt dort hin.
Gegen 7:30 Uhr ging es dann in den National Park, der übrigens grüner war, als wir alle gedacht hatten. Er liegt direkt vor dem Mount Meru, dem zweit höchsten Berg Tansanias. Dreimal dürft ihr raten, welcher der höchste ist. Dementsprechend grün ist es. Das erste was wir bei den Toilettenhäuschen sahen war eine Giraffe. Meine Güte, sind das schöne Tiere. Kurze Zeit später sahen wir dann in einer kleinen, grünen Ebene Zebras und Büffel.
Das wir kaum 10 Minuten später im Wald zwei Elefanten beim Fressen zu sehen durften war schon beeindruckend. Elefanten in freier Wildbahn. Kein Zaun, kein gar nichts. Wenn sie kommen, dann kommen sie halt. Diese haben uns kaum beachtet und Damian gab später zu, dass das so nicht geplant gewesen war. Er hatte uns zwar Elefanten versprochen, jedoch nicht gewusst, ob das tatsächlich so einfach war.
Jaana und ich hatten damit aber schon unser Tagesziel erreicht. Elefanten angucken.
Danach ging es quasi in den Dschungel. Ich hab so ein dichtes Dickicht noch nie gesehen und so etwas von schön. Allerlei Tiere kreuzten unseren Weg. Weitere Giraffen, Pumbas (Warzenschweine), Streifentiere (Zebras), ein Tier, dass einem deutschen Reh sehr ähnlich sah, Paviane und andere kleine Affen und ähm hatte ich schon die Giraffen, von denen es wirklich eine Menge gab.
Definitive Highlights waren zum einen eine weite Ebene auf der sehr viele Giraffen, Zebras, Warzenschweine und Büffel weideten und wir von oben auf sie herab schauen konnten, dann die Giraffen, die keine fünf Meter von uns grasten bzw. zwei immer Hintern an Hintern standen und sich gegenseitig an den Hals geschlagen haben.
Simon: „Is it a game or are they fighting?“ (Ist es ein Spiel oder kämpfen sie?)
Damian: Hahahaha SAAAIIMOOOOON.
Alle: *Schulerzuck*
Bina: Or do they love each other? (Oder lieben sie sich)
Damian: Yes.
Auf einmal war klar, warum Damian so gelacht hatte. Aber es gibt hier einfach ein paar Tabuthemen, in die wir einfach gerne tappen.
Sex, HIV und die Toilette um nur drei zu nennen.
Ein weiteres Highlight die Hippos (Flusspferde) von denen wir am Anfang dachten es wären Steine. Wir wussten ja aber auch nicht, dass der See dort schon in einen Fluss übergegangen war.
Gefahren sind wir übrigens mit einem kleinen Kleinbus, dessen Dach man so hochklappen konnte, dass wir stehen und herausgucken konnten es aber trotzdem schützend über uns war.
Was wir eigentlich nicht erwähnen wollten war wie kalt es war. Es war wirklich eisig. Um mal einen Eindruck zu bekommen: Ich hatte ein T-Shirt an, darüber eine Strickjacke (ist nicht gestrickt aber wie nennt man die Oberteile mit Reißverschluss vorne, die nicht gestrickt sind?) und darüber noch einen Pulli mit Kapuze. Und mir war trotzdem kalt. Am Nachmittag kam dann die Sonne raus und es hat sich doch noch ein wenig aufgewärmt. Das versprochene Frühstück mit Früchten gab es übrigens erst gegen halb 1 Uhr Mittag. Dafür dann aber reichlich. Und um halb 3 Uhr gab es dann noch einmal richtig lecker essen. Buffet und Simons Gesicht war einfach nur klasse, als er wissen wollte was für ein Fisch das vor ihm wäre und er ihn mir nichts dir nichts auf dem Teller hatte. Allerdings wurde komplett mitgeschrieben, was wir uns nahmen. Es gab also keinen Festpreis. Egal, Damian würde eh zahlen. Allerdings traute sich so auch keiner von uns Nachzunehmen da wir nicht unverschämt werden wollten.
Im Auto gab es eine kleine Diskussion um das Trinkgeld für Damian und seine beiden Mitstreiter (den Fahrer und einen Mann, von dem wir gar nichts wissen was er eigentlich für eine Funktion hatte außer im Auto zu sitzen). Bina und ich hatten verstanden, dass wir jedem 10$ geben sollten. Das wären dann 30$ die jeder von uns noch an Trinkgeld vergeben würde. Uns definitiv zu viel. Allerdings hatten wir Simon einfach falsch verstanden. Er wollte, dass wir insgesamt jeder 10$ gaben. Das kam schon viel eher hin.
Der Tag war wunderschön und wir haben eine Menge Tiere in freier Wildbahn gesehen, die wir vorher noch nie so gesehen haben.
Mal abgesehen davon, dass es mein erstes Mal in irgendeinem National Park war.
Ach ja, seit heute Abend haben wir kein Back- und Grillteil mehr. Der Stecker ist durchgebrannt und stinkt. Memo an uns selbst: Beim nächsten Stromausfall Stecker ziehen, da er sich so nicht entfernen lässt und sicher eben doch sicher ist, obwohl die Steckdose ausgestellt ist.

*Da ich schon mehrmals in eMails darauf angesprochen wurde: Ja, hier ist es nicht ganz ungefährlich. Mal abgesehen von den Straßen, die Lebensgefährlich sind ist die Kriminalität nicht ganz niedrig.
Wir haben vor jedem Fenster und vor jeder Tür Gitter. Um die Terrassen auch, so das man im Prinzip nicht ins Haus kann. Dass das nicht stimmt durften Juliane und Linda schon feststellen. Jemand hat es geschafft mit langen Stangen ihre Taschen aus dem Zimmer heraus zu klauen obwohl sie im Haus waren. Wir schließen darum alles Wertvolle in unsere Schränke. Sicher ist sicher. Und eigentlich macht ja auch nur die Gelegenheit Diebe.
Außerdem haben wir nachts einen Wachmann, der allerdings manchmal so laut schnarcht, dass Simon davon wach wird. Ansonsten hustet er viel und leuchtet gerne mit seiner Taschenlampen ins die Fenster. Oder erschreckt kleine Mädchen wie mich, die im Dunkeln auf der Terrasse sitzen und ihn nicht kommen sehen.


Montag, 13. August 2007

Gesammelte Erfahrungen I

1) Wenn man beim Zwiebelschälen einen Schluck Wasser im Mund hat, dann tränen die Augen nicht.
2) Wenn jemand zu dir sagt „Hello, my name is Endless.“ Ist das kein Witz.
3) „Jambo“ ist eine Touristenbegrüßung.
4) Unterwäsche muss selbst gewaschen werden. Socken waschen ist sehr anstrengend. Weiße Socken sind nicht zu empfehlen.
5) Afrikanische Hasen pinkeln mehr als europäische.
6) Sprich mit einem Afrikaner nicht über deinen Toilettengang.
7) Afrikaner benutzen kein Toilettenpapier. Dafür süße, kleine Wasserhähne die neben jedem „Loch“ angebracht sind um wenigstens eine nasse Hand zu haben.
8) Vor jedem Essen werden sich hier die Hände gewaschen (sehr gut siehe No. 7) und gebetet. Bei uns im Haus nicht.
9) Afrika ist nicht gleichbedeutend mit Sommer, Sonne und Hitze.
10) Nur weil etwas „Trockenzeit“ heißt, muss es nicht trocken sein. Hier ist jetzt Winter.
11) Kochbananen schmecken wie Kartoffeln und „Babybananen“ sind hier ganz normale Bananen, nur halt kleiner. Reis gibt es übrigens nicht nur in Japan täglich.
12) Afrikaner haben größere Kiefer als Europäer. (Behaupten Simon, Jaana und Bina)
13) NIEMAND stirbt hier offiziell an HIV bzw. AIDS.
14) Afrikanische Schokolade schmeckt nicht. Gummibärchen übrigens auch nicht.
15) Coca Cola light auch nicht. Die ist einfach viel, viel, viel zu süß. (Heinz Tomaten Ketchup schmeckt hier auch anders… komisch ist das.)
16) Gin ist hier einfach nur starker Konyagi (35%).
17) „Weiße“ bezahlen fast immer und fast überall mehr als „schwarze“.
18) Nur weil dein Handy sagt du hast Empfang bedeutet das nicht, dass du tatsächlich Empfang hast.
19) „Vodacom“ kann nicht von allen deutschen Netzten SMS empfangen.
20) „Tigo“ kann gar nichts.

Dienstag, 14. August 2007

Was für ein komischer Tag. Ich bin heute Nacht um 4:30 Uhr aufgewacht, da mein Magen rumorte. Irgendwie hatte ich da noch die Hoffnung, dass es vielleicht besser werden würde. Beim Frühstück hoffte ich das immer noch und auch den Vormittag über.
Leider sind wir auf der General Ward mittlerweile viel zu viele, da heute auch noch eine neue (afrikanische) Schwesternschülerin angekommen ist.
Mir macht das nichts aus, ich verkrümel mich dann halt immer. Gestern bin ich in der Augenklinik gelandet und heute auf der Delivery Station. Also auf der Geburten Station. Mama Moshi hat mich super lieb aufgenommen und hat mir alles gezeigt. Sie war sogar so lieb und hat mir angeboten, dass ich bei einer Geburt dabei sein könne, wenn ich das wollte.
Und wie ich das wollte.
Es war sehr interessant, auch wenn die gute Frau knapp 2 Stunden in den Wehen lag, bevor es „richtig“ los ging. Meiner Meinung nach ja eigentlich recht kurz, aber nun gut. Afrikaner und ihr Zeitgefühl. Mich hätte es auch nicht gewundert, wenn sie gesagt hätten, das Baby kommt heute Nacht und dann immer noch von einer schnellen Geburt geredet hätten.
Meinem Magen ging es immer noch nicht besser, sondern eher im Gegenteil, das wurde immer schlimmer. Immer mehr Gegrummel. Jaana ging es auch nicht ganz so gut, woraus wir schlossen, dass es wohl irgendwas im Essen gewesen sein muss, das wir nicht vertragen hatten.
Die Geburt wollte ich mir aber trotzdem angucken. Keine gute Idee, wie sich im Nachhinein herausstelle. Ich bin zwar nicht umgekippt, gut ging es mir aber auch nicht.
Trotzdem fand ich es super interessant auch wenn mir die arme Frau sehr leid tat, da sie ein wohl recht großes Baby zur Welt gebracht hat und einen Dammriss hatte. Hallelujah, das sieht genauso fies aus, wie es sich anhört.
Danach bin ich dann allerdings nach Hause gegangen, weil mir immer öfter schwindlig wurde und ich mittlerweile keine leichten sondern doch recht starke Magenkrämpfe hatte. Fragt mich nicht, wie ich es nach Hause geschafft hab… keine Ahnung.
Bis 15 Uhr war ich dann außer Gefecht gesetzt und hab auf dem Sofa geschlafen (mein Bett war mir zu weich).
Danach war zwar mein Kopf immer noch sehr matschig und mir war immer wieder recht schwindlig, wenn ich aufstand, aber immerhin war mein Magen-Darm-Trakt ruhig.
Jetzt geht es mir Kopf- und Fiebertablett sei Dank recht gut und ich kann sogar schreiben. Ob ich Morgen zur Arbeit gehe oder doch lieber hier bleibe entscheide ich spontan morgen früh, wenn die Tabletten wieder nachgelassen haben.
Ich hoffe das Beste. Allerdings wirft das mal wieder alle meine Pläne über den Haufen. Eigentlich hatte ich vorgehabt Morgen nach der Arbeit ins Internet zu gehen. Tja, kann ich ja wohl jetzt vergessen, da ich noch gar nicht alle eMails fertig hab. Und einfach so… das ist mir zu teuer.
Donnerstag hat Bina Geburtstag, da ist es also auch schlecht. Na ja, wird dann wohl Freitag werden oder wenn ich am Samstag nach Moshi fahre (wenn Maike mitfährt, alleine trau ich mich ja noch nicht so ganz) dann halt dort. Schade, ich wäre gerne schon früher gegangen. Ich hoffe auf Freitag.
Mein Führerschein feiert heute übrigens seinen ersten Geburtstag! Kaum zu glauben, dass das auch schon wieder ein Jahr her ist.

Mittwoch, 15. August 2007

Ein freier Tag. Wenn auch krankheitsbedingt. Durch meinen immer noch rumorenden Magen konnte ich leider auch nicht länger als die anderen schlafen, wahrscheinlich eher noch weniger.
Dafür konnte ich mich den ganzen Tag ausruhen und endlich mal gar nichts tun nicht einmal essen. Nur Tee trinken.
Nepumuks „Stall“ musste wieder sauber gemacht werden, wobei ich leider entdeckte, dass der kleine dadurch, dass er eigentlich ständig im Nassen steht (sein Wäschekorb kann nur mit Bananenblättern ausgefüllt werden und Hallelujah, der hat wirklich mal ein Blasenproblem obwohl er KEIN Wasser von uns bekommt) und am Hinterbein eine kleine offene Stelle hat. Wenn das Morgen nicht besser ist werde ich wohl Bepanten oder ähnliches drauf schmieren. Der arme kleine Hase.
Bina hat mir von Mtoni dann allerdings „Streu“ mitgebracht, was eigentlich als Kraftfutter gedacht ist. Aber hey, man nimmt was man kriegen kann. Und solange Nepu nicht im Nassen steht ist mir auch egal, dass das Zeug wirklich abartig riecht.
Am Abend haben wir dann noch Binas Geburtstagskuchen gebacken. Da wir hier natürlich nicht alles bekommen haben wir einfach Muffins kleingebröselt, Pudding drüber dadrüber eine Schicht Bananen und dann Kuvertüre. „Marangu Bananen Torte“
Hört sich soweit ganz gut an. Allerdings stinkt das Puddingpulver abartig, so dass man sich nicht wirklich vorstellen kann, dass das was wird (Es ist außerdem eher Vanillesoße Pulver) und wird sehr leicht kumpig. Was dann leider auch im Kuchen zu merken ist.
Außerdem solle man wohl, wenn man Kuvertüre schmilzt nicht unbedingt Vanillearoma dazugeben. Wir wissen nicht welche, aber es gibt eine chemische Reaktion, die das ganze sofort in eine Art Teig verwandelt und da kann auch kein Sonnenblumenöl helfen (wir haben nur gesalzene Margarine oder Olivenöl als Alternativen). Im Endeffekt hat das Ganze nach der Füllung von Prinzen-Rollen Keksen geschmeckt. Also gar nicht mal schlecht.
Der Kuchen schaut auch gut aus. Wir wissen nur noch nicht wie er schmeckt. Aber das werden wir wohl spätestens Morgen beim Frühstück wissen.
Ach ja: Kleine Überraschung heute beim Abendbrot. Jaana hatte eigelegten Fisch gekauft. Stücke in Tomatensoße. Soweit so gut. Leider war er nicht ausgenommen. Kleiner Exkurs in Fischanatomie heute Abend also. Sehr interessant.

Donnerstag 16. August 2007 und Freitag, 17. August 2007

Es gibt einen neuen Arzt, der sechs Wochen aus Dar es Salam nach Marangu kommt. Er hält im Moment die Visite, was ich sehr gut finde. Im Gegensatz zu den anderen Ärzten nimmt er sich sehr viel Zeit für die Patienten und kümmert sich dabei auch noch gut um mich, in dem er mir alles ganz genau erklärt. Ich verstehe meistens zwar nur die Hälfte, aber das was ich verstehe hilft mir schon viel weiter.
Die Großmutter von einem Arzt kam ins Krankenhaus. Sie hatte unter anderem Wassereinlagerungen im Bauch. Sensationelle 15 Liter wurden aus ihrem Bauchraum abgelassen.
Abgesehen davon, hab ich mich heute zum ersten Mal richtig erschreckt, als ich nach einer Spritze greifen wollte um sie wegzubringen und der neue Arzt sofort meine Hand weggeschlagen hat mit den Worten „Do ALWAYS wear gloves“ „Trage IMMER Handschuhe“ Ja, sollte ich eigentlich machen. Kaum drei Wochen hier und schon werd ich nachlässig, obwohl… Die Nadel war abgedeckt mit einem Schutz, theoretisch hätte also erst der Schutz abfallen ich dumm stolper usw. müssen…
Unser Geburtstagskuchen hat übrigens super geschmeckt. Wider Erwarten.
Die Geburtstagsfeier war spitze. Wir hatten etwa 15 Gäste, fast alle aus dem Krankenhaus und nicht alle eingeladen. Trotzdem war es super witzig. Coaster fing irgendwann an deutsche Fußballclubs aufzuzählen und uns zu erzählen, dass er in der tanzanischen U21 Fußballnationalmannschaft gespielt hätte.
Man muss ihm allerdings lassen, dass er die deutschen Clubs besser herausbekam als wir die tansanischen, da die doch sehr komisch für uns waren. Simba ist ja zum Beispiel der Löwe und wenn Police gegen Prison spielt ist das deren ernst und kein Spaß. Die haben ihre Clubs tatsächlich so genannt.
Ema hatte wieder zu viel Konyagi getrunken. Um genau zu sein etwa eine Flasche zu viel und fing dann irgendwann an vom Sofa zu rutschen. Er verabschiedete sich mit den Worten „My upper stoamach“ jaja, wer’s glaubt.
Ein kleiner Wermutstropfen waren unsere Kili Besteiger.
Damian, der Guide, sagte ihnen, dass das ganze 108 US$ pro Tag kostet. Das wären dann knapp 650, er hatte nur leider Probleme mit der Aussprache und meine 180US$. Damit kommen sie auf knapp 1008US$, was ein bisschen mehr als verabredet ist. Und das zwei Tage vor dem Start. Simon hat mittlerweile gesagt, dass er auf keinen Fall mitgehen wird bei dem Preis. Seine Anzahlung bekommt er nur leider auch nicht wieder. Jaana und Bina haben sich nach sehr langem Überlegen und Hin und Her denken dazu entschlossen es zu tun.
Ich kann jedem nur raten: Wenn ihr auf Safari gehen wollt, tut es in Kenia oder sonst wo. Lasst es in Tansania, wenn es nicht gerade die Serengeti sein soll. Es ist hier schweineteuer. Anders kann man es schon gar nicht mehr ausdrücken.
Freitagmorgen war es dann ein bisschen schwerer als sonst aus den Federn zu kommen, allerdings haben wir es sogar pünktlich zum Morning Prayer geschafft.
Ich habe jetzt angefangen die englischen Namen der Menschlichen Anatomie zu lernen bzw. diese überhaupt zu lernen. Leider gibt es hier ja nur englische und norwegische Bücher. Tja, muss ich mich trotzdem irgendwie durchwurschteln.
Wie Murphy sagen würde: Wird schon schiefgehen.

Sonntag, 19. August 2007
Sonntagmorgen kurz nach 7 Uhr morgens. Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und die Menschen hier haben natürlich nichts anderes zu tun, als genau vor meinem Fenster das Unkraut zu entfernen.
Egal, ich kann hier sowieso nie lange schlafen. Spätestens um 9 Uhr ist sense. Entweder, weil ich so oder so aufwache, oder weil die anderen wach sind und unser Haus ist so hellhörig, dass ich dann automatisch auch wach bin.
Was mich ein bisschen verwundert ist, dass ich morgens nicht müde bin, wie zu Hause zum Beispiel. Hier ist man dann halt einfach wach und geht dann etwas früher ins Bett.
Maike und ich hatten uns für heute vorgenommen zu einem der Wasserfälle zu gehen. Die anderen hatten uns geraten zum Kibo Hotel zu gehen, dass keine fünf Minuten Weg weg ist und dort Bariki zu fragen, ob er einen Guide für uns wüsste. Bariki ist ein Freund von Linda und wusste natürlich jemanden für uns. Dank Bariki mussten wir nicht einmal den Eintritt von 3000 TSH bezahlen, sondern nur dem Guide am Ende 10US$ in die Hand drücken.
Der Weg zum Wasserfall war fast schöner, als der Wasserfall an sich. Der Guide führte uns durch Berg und Tal und durch die tiefsten Wälder. Wir haben Zitronen-, Mango-, Papaya Avocado- und Kaffebäume bzw. Sträucher gesehen. Der Wasserfall ist in ein Chagga-Museum eingebaut, das aber eher lachhaft ist. Man erfährt nicht so wirklich viel über die Kultur der Chagga. Da erfährt man wahrscheinlich viel mehr drüber, wenn man einen Einheimischen fragen würde. Der Wasserfall ist etwa 5 Meter hoch und unten ist das Wasser in etwa Knöcheltief. Oben am Abgrund steht eine Frau, die laut einer Chagga Legende dort stand um sich umzubringen, da sie Ehebruch begangen hatte und schwanger geworden war. Ehebrecher, die auf frischer Tat ertappt wurde, wurden bei den Chagga früher aufeinander gelegt und aufgespießt. Es war also klar, dass die Frau Angst hatte. Sie wollte sich am Wasserfall in die Tiefe stürzen und hatte gerade etwas Angst bekommen und wollte gehen als sie hinter sich einen Leoparden sah, und einen unbedachten Schritt nach hinten machte. Tja, das war’s dann mit der Frau.
Später saßen Maike und ich noch etwas im Kibo Hotel, haben mit Käse überbackene Pommes gefuttert und Milchshake getrunken. Wir haben es uns quasi gut gehen lassen und dabei eine nette Bekanntschaft mit einer Engländerin gemacht, die einige Zeit am Lake Viktoria gelebt hat.
Sie hat dort eine „Medical research“ gemacht, wenn wir das richtig verstanden haben. Also Medikamente an Einheimischen getestet um es mal plump auszudrücken.
Sie war der festen Überzeugung Würmer zu haben und hat sich wahnsinnig über das warme Wasser hier gefreut, dass es in den Dörfern in denen sie gelebt hatte meist nicht gab.
Gut, nun wasche ich grad wieder, bzw. lasse meine Wäsche einweichen. Ich hab entschieden, dass ich grundsätzlich solange ich hier wohne nur noch meine Unterwäsche und Socken selbst wasche, da der Rest bei mir einfach nicht sauber wird. Ich kann machen was ich will, die Flecken gehen nicht raus. Hab ich meine Wäsche dann aber ausversehen mal abgegeben, dann kommt sie immer sehr sauber wieder.
Außerdem vermisse ich meine kleine Taschenlampe, was ich sehr ärgerlich finde. Das letzte Mal hab ich sie unter meinem Kopfkissen gesehen, wo sie eigentlich abends immer ist, weil ich keine Nachttischlampe habe. Gestern war sie nicht mehr da. Ich warte jetzt erst einmal ab, bevor ich Bibi Stella frage, ob eine ihrer Mädchen sie „gesehen“ hat.
Ich mag nicht daran glauben, dass eine von ihnen sie mitgenommen hat. Ärgerlich ist es trotzdem.
Hoffentlich taucht sie wieder auf.
Ach übrigens hab ich beschlossen den Beipackzettel einer recht bekannten Wund- und Heilsalbe umzuschreiben: Bitte nicht bei Hasen anwenden. Schließt zwar die Wunden verursacht aber Haarausfall.
Nepumuks Pfoten sind zwar gut verheilt, dafür hat er dort jetzt keine Haare mehr.

Montag, 20. August 2007

Eigentlich wäre heute ein ganz normaler Tag gewesen. Es hatte die ganze Nacht durchgeregnet und wir hatten prompt zum Frühstück keinen Strom. Kein geröstetes Brot und auch keinen Tee. Macht das Frühstück irgendwie langweilig.
Maike dachte, sie trickst den Regen aus, in dem sie Flip Flops anzieht, was sich allerdings als Fehler herausstellte, da die Flip Flops bei jedem Schritt hinten quatschten und sie am Ende zwar keinen Dreck an den Füßen, dafür aber um so mehr an der Hose und den Waden hatte.
Im Krankenhaus erwartete uns dafür aber eine kleine Überraschung. Helen sagte, dass Maike schon heute nach Moshi fahren würde, um ihre Spenden auszulösen und mit anderen Spenden Medizin zu kaufen. Und da ich ja sowieso nichts Besseres zu tun hatte bin ich halt mitgefahren.
Aber halt. So schnell geht das dann doch nicht. Man muss ja immer bedenken: African Time.
Hier geht halt alles sehr viel langsamer. Außerdem war ja auch noch regen, was wir schon beim Morning Prayer gemerkt haben, wo wir zum ersten Mal mehr weiße als schwarze waren.
Statt um 9 Uhr kamen wir erst um 10 Uhr los, zusammen mit Simon und Linda, die in Moshi auch einiges zu erledigen hatten.
Ohne irgendeinen Schein von der Bank kann man nicht 1000 € von TC in Bargeld bzw. TSH wechseln. Zumindest in keinen Wechselstuben.
Das war unsere erste Feststellung. Also sind wir in die Bank gegangen und dort geblieben. Für sagenhafte 2 Stunden. Anstehen, falsches Formular, wieder anstehen, warten, anstehen.
Ich kam mir ein wenig vor wie in Asterix und Obelix.
Als wir das Geld, dann endlich hatten ging es weiter ins ELCT, der Diözese, oder wie auch immer das heißt. Dort sind wir auf den Mann getroffen, der mich am ersten Tag in Tansania rumgefahren hat. Er ist auch für Maikes Spenden zuständig.
Ich weiß nicht genau, ob es gut ist, dass ich jetzt alles schreibe, ohne noch einmal darüber geschlafen zu haben, aber Hallelujah.
Die Spenden, die Maike mitbringt sind fast alles Spenden für die Dental Unit. Also Zahnarztbedarf. 11 Boxen insgesamt.
Sie hat ein recht viel Geld bezahlt um alles hier her zu bringen und hat von vorneherein gesagt, dass sich darum gekümmert werden muss, da es einen Weg gibt, das ganz unentgeltlich als Spenden ins Land zu bekommen.
Leider hat sich niemand darum gekümmert.
Jetzt muss bzw. soll sie 20% Steuern des Wertes der Boxen bezahlen. Das wäre eine Menge, da sie Spenden im Wert von mehreren tausend Euro mitbringt.
Von diesem netten Herrn und der Chefin des Krankenhauses wurden die Kisten aber mal komplett auf 108 Dollar geschätzt.
Maike kommt dieser Wert jetzt natürlich zu gute, aber insgesamt ist es schon eine Frechheit. Dazu kommen dann natürlich auch noch die Gebühren für’s rumstehen im Flughafen, auf die Maike schon vor zwei Wochen hingewiesen hat.
Als Maike meinte, sie könnte das nicht alles bezahlen bekam sie den Satz „Willst du denn nicht dieses bisschen für das Krankenhaus bezahlen?“
Dieses bisschen sind fast 100 Euro. Nicht gerade wenig für eine Studentin, vor allem, wenn es eigentlich um Spenden geht.
Mich hat es ein bisschen geschockt, zu sehen wie selbstverständlich und undankbar hier mit den Spenden umgegangen wird. Anstatt Danke zu sagen und dann das kleinere Übel zu bezahlen wird selbst hier noch um jeden Pfennig gefuchst und als ziemlich undankbar hingestellt, wenn man nicht einmal mehr die Gebühren bezahlen will.
Der Mann konnte sich allerdings noch daran erinnern, dass er für mich ja ein Resident Permit beantragen sollte.
Die ist wohl nächste Woche bereit. Ich solle ihm dann einfach meinen Pass und 120 US$ vorbei bringen, dann hätte ich innerhalb von 3 Tagen alles.
Tut mir leid, aber: NEIN.
Wenn ich hier eins absolut nur über meine Leiche aus der Hand gebe, dann meinen Pass. Niemals. Auf gar keinen Fall.
So ungefähr hab ich ihm das auch gesagt, woraufhin er meinte, ich könne ihm dann auch nur die 120 US$ geben und dann mit meinem Pass kommen.
Auf die Frage, wo hin das Geld denn gehe: In sein Office. Was die damit machen: Es zum Immigration Office bringen.
Mal ganz ehrlich. 120 US$ sind nicht gerade wenig Geld. Ich werde ganz bestimmt eher selbst zum IO marschieren, als dass ich ihm mein Geld gebe.
Das hat er dann auch eingesehen und jetzt mal gucken… irgendwann nächste Woche halt.
Simon hat vorgeschlagen, ich solle doch einfach nach Kenia ausreisen, aber mein Visum geht nur bis zum 24 Oktober, das heißt, ich müsste spätestens am 24. 1 das Land verlassen haben. Mein Rückflug geht aber erst am 6.02.
Nach dem ELCT (Heißt übrigens: Evangelic Lutheran Church Tanzania) ging es dann weiter zum MSD (Medical Store Department) um Medizin zu kaufen.
African Time. Wir hatten dort 5 Stunden zuvor zwei Frauen raus gelassen, die sich um alles kümmern sollten. Trotzdem saßen wir dort über eine Stunde fest, da sie es nicht einmal geschafft hatten die Rechnung zu schreiben. Da sie aber auch nicht alle Medikamente bekommen hatten, mussten wir ja danach sowieso noch einmal nach Moshi rein fahren.
Zwischendurch konnten wir ja auch noch eine Gasflasche abgeben, die neu befüllt um am besten auch noch repariert werden musste. Irgendwie strömte bei jeder Benutzung nicht nur aus der vorgesehenen Öffnung Gas aus.
Danach noch einmal eine Stunde warten auf den nächsten Medical Shop. Hatte ich schon erwähnt, dass es mittlerweile nach 16 Uhr war und Maike und ich noch absolut nichts gegessen hatten? Mir reichte es und ich guckte mich etwas um, Zeit genug hatten wir ja sowieso, und bekam auf der anderen Straßenseite nicht mehr ganz taufrische Bananen.
Immerhin besser als nichts.
Um kurz nach 17 Uhr machten wir und eine beträchtliche
Anzahl von Kartons uns auf den Weg nach Marangu, wo wir dann schließlich auch um 18 Uhr ankamen.
Den krönenden Abschluss bot uns Ima (ja, nicht Ema, wie ich vorhergeschrieben hab, es ist abgeleitet von Immanuel, nicht wie ich dachte von Emmanuel und bitte nicht verwechseln mit Emma, der Schwesternschülerin). Am Markt waren mehr Menschen auf einem Haufen als ich hier jemals gesehen hatte. Mittendrin Ima, ein paar Polizisten und der Krankenhaus Pick Up.
Die Road Taxes waren nicht bezahlt worden und Ima von der Polizei angehalten worden. Nichts schlimmes bis jetzt, nur hat er dann leider den Polizisten ziemlich übel beschimpft, woraufhin die beschlossen den Pick Up mitzunehmen.
Das Ima der Sohn der Krankenhaus Cheffin ist, macht die Sache auch nicht besser. Der Pick Up wurde mitgenommen, Ima ist wütend abgehauen und Maike und ich machten uns im Dämmerlicht auf den Weg nach Hause. Ein toller Tag.
Aber ein toller Abschluss: Simon und Linda haben super lecker Fleisch gebraten. Außerdem hat Bibi Stella in Aussicht gestellt, dass der Fernseher angeschlossen wird. Angesichts ihrer Sattelitenschüssel können wir davon ausgehen, dass wir englisches Fernsehen empfangen werden.
Ich werd hier auf keinen Fall wieder ausziehen
Simon hat grad erzählt, dass wir am Samstag Morgen um kurz vor 11 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,2 hatten. Ich glaub, da saß ich im Dalla-Dalla. Kein Wunder, dass ich da nichts mitbekommen habe.
Er wird uns übrigens etwas früher verlassen und schon am 12. September nach Hause fliegen. Auch wenn es etwa vier Monate zu spät ist und noch etwa 5 Monte zu früh: Glückwunsch an den werdenden „Baba“.

Dienstag, 21. August 2007

Frau: „Habari Yaku?“
Ellen: „Nzuri“
Frau: „What’s your name?“
Ellen: „Ellen“
Frau: „Ah, Helen. Nice name.“
Ellen: „No, Ellen.“
Frau: „Yes, Helen.“
Ellen: „Without H. Ellen.“
Frau: „Ah… Elena!“
Ich geb’s auf.

Heute habe ich gelernt, wie man testet, ob jemand wirklich tot ist. Ich komme mir manchmal mehr wie in einem Hospitz vor, als in einem Krankenhaus. Wenn hier jemand stirbt, dann ist das halt so und da wird dann auch nichts gegen unternommen. Jedenfalls nicht auf der General Ward.
Übrigens wird man hier nicht etwa darauf vorbereitet oder so. Ich kam gerade vom Essen als es hieß: „Hey Ellen. Schön das du wieder da bist. Komm mal her, testen ob sie hier wirklich tot ist.“
Ansonsten geht mir ein Doktor ziemlich auf die Nerven. Der, der immer vom German Empire erzählt.
Doktor: „Do you miss your boyfriend?“ (Vermisst du deinen freund?)
Ellen: „I don’t have one in germany.“ (Ich habe keinen.)
Doktor: „Oh you miss him? *Knutschgeräusche mach*“ (Oh, vermisst du ihn?)
Ellen: „But I miss my mother and my family“ (Aber ich vermisse meine Mutter und meine Familie)
Doktor: „And you cry like a baby“ (Und du heulst wie ein Baby.)
Dann hat er irgendwas davon erzählt, dass ich wie ein Baby gestillt werden müsste, was ich in dem Moment nicht verstanden hab. Abgesehen davon bemitleidet er sich immer selbst, dass er in so einem armen Land wohnt und Geräte hat, die (O-Ton) noch „aus Hitlers Zeiten stammen.“
Ich macht mir nichts draus. Immerhin hat dieser Doktor ja auch Jule gesagt: „Jedes Mal, wenn ich dich sehe wirst du dicker.“
Ich habe Nepumuk Kohl zum Fressen gegeben, worauf hin Maike meinte, ich solle aufpassen, weil er davon Blähungen bekommen würde und die aber nicht loswerden würde und sterben könnte.
Simon wetzt schon die Messer…
Heute vor genau vier Wochen bin ich losgeflogen. Eigentlich verging die Zeit doch schneller als ich dachte.

Mittwoch, 22. August 2007

Jaana ist heute schon vom Kilimanjaro zurück. Sie ist Höhenkrank geworden und musste deshalb leider schon früher umkehren.
Ansonsten: Langweilig. Mehr kann ich gar nicht sagen. Langweilig, regen, langweilig, regen, langweilig. So langweilig, dass ich eine Stunde eher gegangen bin und ganz matschig geworden bin.
Da der Strom in den letzten Tagen extrem oft ausgefallen ist hat Bibi uns jetzt den Gasherd angeschlossen. Jetzt können wir uns auch Wasser ohne Strom warm machen.

Samstag, 25. August 2007 und Sonntag, 26. August 2007

Keine Nachricht ist eine gute Nachricht, daher werd ich Donnerstag und Freitag einfach nicht schreiben. Passiert ist nicht viel.
Bina ist wieder hier und es gibt kleinere Reiberrein zwischen uns allen. Lagerkoller, würd ich fast sagen, da wir hier schon sehr eng aufeinander hocken.
Das Wetter ist sehr viel besser in den letzten Tagen. Wir können sogar in der Sonne liegen in der Hoffnung ein bisschen braun zu werden.
Am Samstag waren wir auf einer Hochzeit eingeladen.
Um 14 Uhr sollten wir am Krankenhaus sein, da es dann mit dem Krankenhausbus losgehen sollte.
Wir, als brave Europäer waren natürlich schon um kurz nach 1 Uhr da. Allerdings eher aus Eigennutz, da wir noch etwas Essen wollten.
Bina traf es auf den Kopf. Es war eine afrikanische Hochzeit. Keiner wusste wo, wann oder wer heiratete.
Irgendwann bekamen wir dann doch noch raus, dass der Bräutigam Hillary hieß und konnten die Karte schreiben.
Simon und ich hatten grob geschätzt, dass in den Krankenhausbus 12 Personen passen würden. Im Endeffekt waren wir 18. Als es dann endlich mal losging.
Offiziell sollte die Hochzeit in der Kirche um 14:30 Uhr losgehen. Zu der Zeit dachten wir noch nicht einmal ans losfahren.
Nach einer sehr gequetschten Fahrt kamen wir dann aber doch noch genau für den Auszug in der Kirche an.
Afrikanische Hochzeiten unterscheiden sich in zwei Dingen sehr von Deutschen/Europäischen.
1. Es wird sehr viel mehr getanzt.
2. Eine Kapelle belgeitet das Brautpaar den GANZEN Tag (und glaubt mir, die waren nicht leise)
Nachdem man für das Paar getanzt hatte, sie im Auto eingesperrt hatte, in Moshi heiraten übrigens immer zwei Paare gleichzeitig, und ich gleich mal auf die nächste Hochzeit im Dezember eingeladen worden war ging es irgendwann weiter. Im Konvoy fuhren wir etwa eine Stunde durch Moshi, bis wir an einem Hotel ankamen, an dem erst einmal Fotos gemacht wurden.
In der Zwischenzeit diskutierten wir, ob es unhöflich wäre oder nicht schnell ein Bier zu trinken. Wir entschieden uns dagegen und mussten mehr als schnell unser Bier trinken. Das einzige eiskalte an diesem Abend, um das mal anzumerken.
Die eigentliche Hochzeit fand auf dem Gelände eines Polizei College statt. Ich weiß nicht mehr viel, nur das ich verdammten hunger hatte und sehnsüchtig auf das Buffet gewartet habe. Hier gehen die Menschen nur einmal zum Buffet. Allerdings wird einem der Teller auch so vollgeschaufelt, dass es gar nicht nötig ist noch einmal zu gehen.
Ich weiß jetzt eins: Es gibt drei Sachen, vor denen ich mich beim Essen ekel:
1. Innereien
2. Zunge
3. Schnecken
Nummer 1 hatte ich auf dem Tisch. Obwohl, kann man ein Stück vom Magen wahlweise Darm, wir sind uns nicht ganz sicher zu Nummer 1 zählen?
Bina und Simon fanden’s lecker, mir hat sich fast der Magen umgedreht.
Später mussten auch wir unser Geschenk tanzend übergeben…
Ein ganz besonders Erlebnis waren die Toiletten, die wie immer nur aus Löchern bestanden. Das ist ja in so weit nichts Neues. Neu war, dass man spitze durch die Tür gucken kann, was die Frauen auch gemacht hat. Ich fühlte mich ein wenig unwohl und musste die ganze Rückfahrt verdammt dringend auf die Toilette.
Der Sonntag dagegen war sehr entspannt. Eigentlich waren wir eingeladen, aber das hat sich auf Dienstag verschoben (ist nicht mehr die Original Einladung, aber egal.) Da auch das Wetter mitspielte machten wir uns alle einen sau-faulen Tag. Außerdem wurde beschlossen, dass wir nächstes Wochenende alle zusammen nach Arusha fahren und dort das Wochenende verbringen.





Montag, 27. August 2007

Eine beschissene Nacht. Ich hab ab 3:30 Uhr wachgelegen, da irgend so ein fieses Buschbaby an unserem Gitter hochgeklettert ist. Seit Linda mir erzählt hat, dass hier schon eingebrochen wurde sehe ich ja manchmal Gespenster, aber das heute Nacht war wirklich fies.
Wie das wohl wird, wenn ich hier erst einmal alleine bin?
Ansonsten: Heute bin ich einfach mal früher gegangen, weil ich zum Markt musste. Ging nicht anders. Am Markt konnten wir dann wieder den Kili sehen. Ich kann mich immer noch nicht an diesen riesigen Berg gewöhnen. Jedesmal, wenn ich ihn sehe verschlägt es mir den Atem.
Das Wetter war heute so gut, dass ich mir ein bisschen die Nase beim Sonnenbaden verbrannt hab und das obwohl ich eingecremt war. Bina ist sich sicher, das ist die Trockenzeit. Leider dachte sie das vor einigen Wochen schon mal und dann hat es eine Woche lang geregnet.
Linda bringt mir ab jetzt jeden Tag „The Guardian“ ein Zeitung mit, damit ich die US-Open wenigstens so verfolgen kann - heute stand noch nicht viel Besonderes drin. Ich weiß jetzt, dass Maria Sharapova ein rotes Kleid tragen wird, aber sonst?!
Simon hat erzählt, dass ab Morgen die Norwegerin Tone und ein „neuer“ Deutscher, der im Mutter Ursula Haus wohnen wird, da sind. Schön, mal gucken, wie lange der bleibt. Vielleicht bleibt er mir ja als Verstärkung, wenn die anderen schon wieder fahren.
Ich glaube im Moment merkt man meinen Berichten an, dass ich nicht unbedingt oft zum Schreiben komme. Ich bemühe mich trotzdem immer auf dem neuesten Stand zu bleiben
Eigentlich ist es ja nur ein gutes Zeichen, dass ich mich endlich eingelebt habe.

Dienstag, 28. August 2007

African Time.
Ich erinnere mich an zahlreiche Double-Sneak Abende an denen ich die einzige war, die pünktlich vor dem Kino stand.
Verabredet war, dass wir um 1 Uhr mittags abgeholt werden sollten. Das änderte sich schon am Morgen in 5 Uhr. Kurz bevor wir uns um 14 Uhr verkrümelten hießt es dann plötzlich „Punkt 4 Uhr“.
Wir als pflichtbewusste (haha) Deutsche waren natürlich um kurz nach 4 Uhr am Krankenhaus.
Sogar Dr. Mafole dessen Bekannte wir ja schließlich besuchen wollten war auch pünktlich da. Der einzige, der fehlte war unser Fahrer.
Gegen 6 Uhr kam er dann endlich an. Er hatte noch ein Bier getrunken und fand dabei noch nicht einmal etwas Komisches.
Wir waren ziemlich genervt und dachten uns wahrscheinlich alle unseren Teil. Ziemlich gedrängt ging es dann über Stock und Stein eine ganze Weile lang in eine Richtung. Im Grunde hatten wir gar keine Ahnung, wo wir überhaupt hinfuhren, wir fuhren einfach.
Als wir das Anwesen auf dem wir landeten zum ersten Mal sahen wussten wir ehrlich gesagt nicht, ob wir unser Gastgeschenk (Zahnbürsten und Haribotütchen) nicht lieber im Auto lassen sollte.
Das Anwesen war einfach nur groß.
Total groß und weitläufig und da sie einige Jahre lang in den USA gelebt hat ziemlich westlich eingerichtet. Außerdem hatte sie total viele Schweine und hat uns als Begrüßung allen erst einmal ein paar Knochen mit Ziegenfleisch vom Grill und ein Bier in die Hand gedrückt. So sind wir dann im Gänsemarsch über ihr Anwesen gewandert. Ich will im Nachhinein gar nicht wissen, wie das Aussah. Aber die Ziege hat verdammt lecker geschmeckt. Und das Essen, das wir danach dann noch bekommen haben und in einer traditionellen Chagga-Hütte (hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Indianertippie nur sehr viel stabiler) gegessen haben war fast noch besser.
In der Chagga-Hütte hat sie uns dann ihre Geschichte erzählt, wie ihr Vater, der später Berater des Präsidenten von Tansania wurde in die USA gegangen ist und sie später nachgeholt hat und sie nun in Tansania lebt um den Menschen hier zu helfen. Um mal die Kurzform zu erzählen.
Außer ihrem Haus in Marangu hat sie übrigens noch eins in Tanga, in Moshi und Dar es Salaam. Ihr könnt euch ja mal ausrechnen, wie gut es dieser Familie gehen muss.
Sie hat uns eingeladen mal nach Tanga zu kommen und uns anzugucken, wie sie dort arbeitet, denn als Sozialarbeiterin arbeitet sie mit den ärmsten der Armen zusammen.
Bina und ich und eventuell Jaana werden das wohl annehmen und übernächstes Wochenende nach Tanga fahren.
Schon komisch, dass es mich dann in genau die Region verschlägt, von der ich am Anfang versprochen habe, dass ich sie meiden werden.
Später fanden wir uns noch in einem Pub wieder, der na ja, ein paar Bretter rundherum und ein Wellblechdach. Die Toilette ist verdammt groß und nennt sich Wald. Ich war sehr müde und das hat man mir glaube ich auch angesehen und gemerkt. Auf alle Fälle hat es mir zwei Tütchen Konyagi eingebracht, die ich erst einmal trinken sollte, damit es mir besser ginge.
Ende vom Lied: Wir waren alle nicht mehr ganz nüchtern und um halb 12 zu Hause.

Mittwoch, 29. August 2007

Erstaunlich viele Mzungus heute im Krankenhaus.

1. Ein Mädchen, von dem wir dachten, sie hätten sich mit Andrea(s) vertan, die sich dann aber als christliche (Pastorin?) Amerikanerin herausstellte
2. Eddie, der junge Schwede, der im Krankenhaus war, weil er Magen Probleme hatte und es ihm wirklich sehr schlecht ging.
3. Maria Eddies Freundin
4. Andreas, der tatsächlich Andreas ist.
5. Eine Horde Holländer, die das Krankenhaus unter die Lupe genommen haben und ich gleich mal ins Fettnäpfchen getreten bin (ich habe nur ehrlich auf eine Frage geantwortet auf die die „Chefin“ nicht ehrlich geantwortet hat)
6. Eine weitere Schwedin, die in der Dental Unit war.

Andreas bleibt übrigens bis zum 8.10 und macht einen netten Eindruck. Er hat erzählt, dass Morgen oder die Tage noch zwei andere Deutsche nach Marangu kommen, die hier ihr Freiwilliges Ökologischen (?) Jahr verbringen.
Mir wären einige andere Länder ja auch ganz lieb. Wie wär’s mit einem netten, gutaussehenden, 21 jährigem Spanier aus Manacor? Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen.
Übrigens: VAMOS RAFA, Ich erfahre ja eh erst Morgen ob „mein Schatz“ wie Simon ihn liebevoller Weise nennt gewonnen hat.
Ach ja: Ich glaube es geht vor ran. Die Putzfrau hat gesagt, sie liebt mich.

Donnerstag, 30. August 2007

Olé, Olé, Olé, ich habe den ersten Kaiserschnitt hier überlebt. Die Mutter und das Kind übrigens auch. Entgegen meines Erwartens und zur Belustigung aller ist mir erst zum Schluss, als alles gelaufen war und die Haut wieder zugenäht wurde schlecht geworden.


Freitag, 31. August 2007



Man mag es kaum glauben, wie sauber und ordentlich ein Krankenhaus sein kann. Die Dentisten unter uns sollten heute mit ihrem Chef sich das Krankenhaus in Horuma angucken, da sich in Marangu immer sehr viele Studenten bewerben und in Horuma gar keine. Da ich sowieso mal wieder nichts Besseres zu tun hatte hab ich mich den anderen einfach angeschlossen.
Nach einer recht langen, aber im Vergleich zu Dienstag, wo wir fast dieselbe Strecke gefahren sind, recht kurzen Fahrt kamen wir in Horuma an und gar nicht mehr aus dem Stauen heraus.
Das Krankenhaus war sehr viel größer als das in Marangu, was klar ist, da es ein Krankenhaus für die ganze Region ist. Außerdem ist es ein Katholisches und na ja, die haben ja bekanntermaßen und offensichtlich mehr Geld.
Uns wurde das ganze Krankenhaus gezeigt und schließlich auch, wo die Studenten wohnen würden. Also. Das Krankenhaus ist um Längen besser, als das in Marangu, aber meine Unterkunft ist (natürlich) sehr viel schön
Wie immer, wenn man irgendwo anders ist gibt es natürlich auch etwas zu Essen. Wir, die alle auf Ndizi (Kochbananen) eingestellt waren wurden ein bisschen überrascht. Wie schon beim Anblick des Krankenhauses bekamen wir auch beim Anblick des Essens die Münder gar nicht wieder zu. Mal abgesehen zum Essen.
Es gab (gute) Pommes und dazu Fisch oder Hühnchen, Melone und Mangold oder etwas Ähnliches. Und von allem mehr als genug.
Den Nachmittag haben wir wie eigentlich jeden Freitag im Marangu Hotel verbracht. Immerhin war es Maikes letzter Tag in Marangu.

Samstag, 01. September 2007 und Sonntag, 02. September 2007

Erkenntnis: Arusha ist eine große, laute, dreckige, anstrengende Stadt und trotzdem möchte ich dieses Wochenende in Arusha nicht missen.
Erst einmal die Guten Sachen:
Wir sind am Samstag früh aufgebrochen und sind mit Maike nach Moshi gefahren, wo sich unsere Wege dann getrennt haben. Während Maike um 10 Uhr mit dem Scandinavian Express nach Dar es Salaam gefahren ist haben Bina, Simon, Jaana, Linda und ich uns in einen kleinen Kleinbus gezwängt und sind nach Arusha gefahren.
Ich weiß nicht, wie es mit den andern war, aber ich war erst einmal ein wenig erschlagen, als wir in Arusha ankamen. Wir hatten uns zwar vorher ein paar Unterkünfte rausgesucht, aber irgendwie… naja, so das wahre waren die nicht. Eine haben wir uns nach zahllosem Verlaufen und angezicke angeguckt, aber wir zogen es vor, in das Hotel des Cousins des Chefs der Zahnmedizinstudenten zu gehen.
Dort bezahlten wir zwar 18 TSH pro Doppelzimmer statt wie in dem Gästehaus 12 aber dafür hatten wir ein sicheres Gefühl und es war sauber und wir hatten Frühstück und einen Balkon.
Einziges Manko: Es waren nur zwei Doppelzimmer für 5 Personen da, so dass am Ende Linda, Jaana und Bina in einem und Simon und ich in einem Zimmer landeten.
Nachdem wir unsere Sachen auf unsere Zimmer verteilt hatten stürzten wir uns sogleich wieder in das Getümmel. Wir schafften es bis zum Busbahnhof und ein wenig weiter, bis wir völlig ausgehungert vor einem Restaurant stehen blieben und bemerkten, dass wir quasi im Kreis gelaufen sind, was aber gar nichts machte.
Memo an mich selbst: Niemals in Arusha Pizza bestellen.
Ich bekam mein Essen als Simon und Bina schon beim Kaffee waren. Ihr könnt mir glauben, es ist keine Freude zu Essen, während alle anderen schon fertig sind. Obwohl ich das nicht Essen, während alle anderen Essen sehr viel unangenehmer fand.
Danach liefen wir wieder mehr oder weniger planlos in die Stadt, wobei wir diesmal aber ein Ziel hatten: Clock Tower, wo uns Ephraim, ein Patient der anderen, abholen wollte. Er hatte uns für den Abend zu sich und seiner Familie eingeladen.
Zu erst einmal hieß es allerdings wieder warten, denn wir waren zwar um 15 Uhr am Treffpunkt aber Ephraim nicht. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie nervig es ist, wenn man, sobald man stehen bleibt angesprochen wird ob man nicht dies oder das kaufen möchte, oder sich etwas angucken möchte oder, oder, oder.
Wir hatten jedenfalls keine ruhige Minute während wir warteten. Und meine „Süddeutsche Zeitung“ von Dienstag war ich auch ganz schnell wieder los. Die macht wohl jetzt jemand anderen glücklich.
Schließlich kam Ephraim dann aber doch noch und führte uns zu einem Massai Markt. Dazu sollte man wohl einmal anmerken, dass es in und um Arusha herum sehr viele Massai gibt. Das sind diese typischen Afrikaner, die manche von euch vielleicht vor Augen haben. Sie sind groß, haben in traditioneller Tracht noch diesen rot karierten Decken umgeworfen (als Rock und als „Jacke“) und mache haben noch Speere in der Hand. Der Markt war ganz eindeutig für Touristen angelegt und nur dafür da, dass Touristen möglichst viel kaufen. Haben wir beherzigt und gut zugeschlafen. Ich habe mir zwei Bilder gekauft (Bobby, du wirst so eine schöne afrikanisch angehauchte Wohnung oder was auch immer in Göttingen bekommen muahahaha). Ich hab sogar richtig gut gehandelt. Am Anfang solle ich 14 000 TSH für ein Bild bezahlen und im Endeffekt habe ich 15 000 TSH für zwei bezahlt.
Man muss halt nur stur bleiben und sich zwischendurch durch Früchte ordentlich erschrecken lassen, die auf das Blechdach fallen.
Danach ging es noch in ein Café und dann zurück ins Hotel, wo uns Ephraim um kurz nach halb 7 Uhr abholen wollte.
Arusha hat anscheinend relativ viele muslimische Einwohner, denn überall standen wieder diese großen Türme, von denen ich immer den Namen vergesse aus denen die Gebete „gesungen“ werden. Als wir auf unserem Balkon saßen und die Gebete gesungen worden und die Sonne am Untergehen war, hat mich alles schon sehr an Jerusalem erinnert. Nur, dass die Stadt Jerusalem um weiten schöner ist. Tut mir leid, ist aber so.
Statt Ephraim holte uns sein Sohn Jonathan ab. 24 Jahre alt und hat 3 Jahre lang in den USA gelebt. Es war so angenehm mit einem Afrikaner zu sprechen, der kaum einen Akzent hat.
Der Abend war super. Ephraim und seine Frau waren so nett und haben ein so tolles Essen gezaubert. Die beiden haben einige Zeit in der Schweiz gelebt, und uns viel erzählt, wie es für sie war usw. Wir haben gar nicht gemerkt, wie die Zeit verflog, bis es halb 12 Uhr war und wir nach Hause wollten.
Daraus wurde aber nichts, denn als wir Jonathan auf ein Bier einladen wollten brachte er uns ins „Massai Camp“. Eine Disko/Bar in der anscheinend die etwas reichere Schicht von Arusha verkehrt und viele nicht Afrikaner.
Es war einfach ein schöner Abend, den wir später auf dem Balkon ausklingen ließen.
Sonntag begann recht früh und mit einem etwas gewöhnungsbedürftigen Frühstück. Danach haben wir quasi dort weitergemacht, wo wir am Vortag aufgehört haben und uns weiter die Stadt und den Markt angeguckt, bevor wir dann nach Moshi zurück gefahren sind.
In Moshi gab es für mich dann den nervlichen Zusammenbruch. Ich weiß nicht, ob es an der großen Stadt lag, an der Anstrengung oder ob ich einfach viel zu überfordert war, auf alle Fälle ging bei mir nichts mehr. Ich hab Jaana, die leider zur falschen Zeit dann auch noch das falsche gesagt hat ganz schön angeschnauzt (wegen Klopapier tz…) und bin dann quasi einfach weggerannt. Bis wir zu Hause waren hatte ich immer wieder feuchte Augen und wünschte mich ganz, ganz weit weg. Nach Hause.
In Marangu bin ich von dem Zimmer mit Linda jetzt in ein größeres Zimmer mit eigenem Bad umgezogen und hab ein wenig mit den anderen gesprochen.
Natürlich möchte ich hier bleiben, so lange es geht. Ich würde selbst das Gefühl haben „versagt“ zu haben, wenn ich früher nach Hause fahren würde. Ich fühle mich ja auch wohl hier, es ist nicht, dass ich mich hier nicht einleben kann oder alle Menschen schrecklich zu mir sind, eher im Gegenteil. Aber im Moment habe ich leider eine Phase erwischt in der ich nur möglichst schnell nach Hause will.
Ich denke, ich darf auch nicht vergessen, dass ich „erst“ 20 bin und noch nie länger als 2 Monate von zu Hause weg war. Mal abgesehen davon, dass ich noch nie so lange in einer anderen Kultur gelebt habe.
Ich habe lange mit meinen Eltern telefoniert und wollte im Grunde sowieso nur den Satz „Wenn du nach Hause willst, dann komm.“ Hören. Den habe ich gehört und es ging mir besser. Das mein Vater mich mit Tennis abgelenkt hat, war natürlich noch besser.
Um 10 Uhr fiel ich ins Bett und hab nicht einmal mehr die lauten Kinderstimmen auf unserer Terrasse gehört.



Montag, 3. September 2007

Das Heimweh wird noch nicht so wirklich besser und ich habe das Gefühl, dass ich wieder ganz von vorne anfange.
Ich höre 20 Mal am Tag „Unwell“ von Matchbox Twenty abgewechselt von den Toten Hosen und ihrem „Steh auf“ und finde mich damit ab, dass ich im Moment am Boden liege und erst mal wieder aufstehen muss.
Auch das werde ich irgendwie schaffen.
Heute war ich in Moshi, diesmal nicht mit dem Krankenhaus, sondern aus Eigennutz, da ich Geld tauschen musste und einkaufen wollte.
Zwischendurch war ich noch im Internet, einem neuen Café, das mich begeistert, da es so schnell ist.
Anstrengend ist es trotzdem. Vor allem das Einkaufen auf dem Markt, wo ich für ein Kilo Passionsfrucht plötzlich nicht mehr 1500 TSH sondern 2000 TSH zahlen muss – sowas blödes, wenn die nicht so lecker schmecken würden, dann würde ich es lassen.
Später ruft Simon mich an. Das ELCT hat sich im Krankenhaus gemeldet, ich muss morgen samt Pass und 120 US$ zum Imigration Office und mein Visum verlängern lassen.
Jetzt schreibe ich fleißig, damit ich morgen gleich nochmal eMails abschicken kann.
Im Übrigen bin ich stolz auf mich, weil ich in Moshi alleine Einkaufen und zumindest alleine zurück gefahren bin. Ha, geht doch alles, wenn man will.

Dienstag, 04. September 2007

Gesammelte Erfahrungen II

1. Wenn man zu lange in Abgasen sitzt, dann wird das innere der Nase schwarz. Die Nase ist also ein super Filter.
2. Chagga sind sehr, sehr Geld liebende Menschen.
3. Heimweh ist scheiße.
4. Es gibt wie bei Kartoffeln auch bei Kochbananen verschiedene Sorten.
5. Die Süßkartoffel ist keine richtige Kartoffel, sondern nennt sich nur so um mich zu verwirren.
6. Feilschen will gelernt sein. Man darf einfach nicht locker lassen, allerdings sollte man wissen wo man erfolgt haben kann (Touristenmärkte) und wo nicht (Lebensmittelmarkt).
7. Internet heißt nicht gleich Internet in Tansania. Es gibt auch hier schnelle Verbindungen, man muss nur wissen wo.
8. Hier leben viele Inder. Auch sehr auf Geld bedachte Menschen.
9. Afrikaner sind definitiv NICHT schwarz, weil sie zu lange neben dem Feuer gesessen haben. (Führt sich zurück auf ein deutsches Kind)
10. Menschen kommunizieren über ihren Kanga (Kleidungsstück). Es steht ein Spruch darauf, der je nach Laune ausgewählt wird.
11. Heißes Wasser gibt es hier auch, wenn der Boiler aus ist. Dafür gibt es in Arusha kein warmes Wasser, wenn man das Licht nicht anmacht.
12. Sobald man den Duschkopf höher als 1 Meter hoch hält gibt es gar kein Wasser mehr.
13. Menschen die als Babys Penaten auf den Popo geschmiert bekommen haben, haben später keine Probleme mit Haaren am Allerwertesten. Bestes Beispiel: Nepumuk.
14. Bananen: Stopfen; Linsen und Trockenmilch: Blähen; Datteln und Kaffee: Treiben; Pflaumen: Sollten treiben, unser Marmeladenmus tut es nicht.
15. Selbst afrikanische Lampen leben nach der African-Time und brauchen bis zu 30 Minuten um anzugehen.
16. Afrikanische „Master of the Ceremony“ (die Menschen, die die Hochzeit moderieren) sind schwul. (Asante Sana)
17. Will eine afrikanische Frau gleichzeitig ein Kind auf dem Rücken und etwas auf dem Kopf transportieren bietet es sich an erst das Kind auf dem Rücken festzuschnallen.
18. Auf afrikanische Männer lernen Dinge auf dem Kopf zu transportieren.
19. Nein, wenn Mädchen pupsen riecht es nicht nach Rosen (bewiesen von vier Mädchen, die sich ein Badezimmer teilen).
20. Selbst der krankeste Kranke im Krankenhaus muss mit „Nzuri“ (gut) auf „Habari yaku“ (wie geht es dir?) antworten.

Ich habe genau eine halbe Stunde gebraucht um mein Geld zu bezahlen und eine Quittung zu bekommen. Meinen Stempel mit dem Aufdruck „Ellen darf ein halbes Jahr im Land bleiben“ bekomme ich dann nächsten Montag. Seltsame Organisation ist das hier.

Mittwoch, 5. September 2007

Things to do:
1. Auf eine neue Station versetzt werden. (Den Mann dessen Name ich vergessen habe fragen)
2. Urlaub (Den Mann dessen Name ich vergessen habe fragen)
3. Hellen das Geld bezahlen, damit sie Mama und Co abholen.
Nummer 1 und 2 gestalteten sich recht schwierig, da der Mann dessen Name ich vergessen habe nicht da war. Leider habe ich Doktor Mafole nicht ganz verstanden. Es könnte sein, dass er in drei Tagen oder drei Monaten wieder da ist.
Nummer 3 stellte sich als unmöglich heraus, da Hellen erst Morgen wieder im Krankenhaus ist.
Dafür hab ich nachdem ich von Doktor Mafole an eine Frau verwiesen wurde, die mich wiederum an Doktor Lauwo (von dem ich immer noch nicht weiß, wie er geschrieben wird) verwiesen hat. Da ich die Idee hatte, dass ich ja in der nächsten Zeit in der Dental Unit zu „arbeiten“ oder besser gesagt zuzugucken hat mich Doktor Lauwo dann an Doktor Mamuya „abgeschoben“, der das entscheiden sollte. Für den war es kein Problem und somit bin ich ab jetzt dort zu finden.
Ich finde es sehr praktisch, denn im Moment sind ja die anderen verbleibenden Deutsche noch da, die mir vieles auf Deutsch erklären können.
Bina hat mir gleich heute Nachmittag die erste „Stunde“ gegeben. Ich weiß jetzt was ein Approximal Kontakt ist und was die Incisivi (Schneidezähne), Canii (Eckzähne), Prämolaren (Kleine Backenzähne) und Molaren (Backenzähne) sind.
Tja und wenn mein Zahnarzt in Zukunft sagt 1 8 ist noch nicht da, dann weiß ich, dass im ersten Quadranten (Links oben) der achte Zahn, quasi der Weisheitszahn noch nicht da ist.
Ich sag’s euch: Ich lern hier was für’s Leben.
Heimweh ist wieder übrigens wieder verschwunden und ich hab nicht mehr das Dringende Bedürfnis mich in ein Flugzeug Richtung Heimat zu setzten.
Viele Grüße übrigens an Christian(o), der mich mit seiner Frage: „Hast du auch niemanden, der für dich zuständig ist?“ schon aufgemuntert hat.
Different Country, Same Shit.
Ansante Sana.

Donnerstag, 6. September 2007

Die Arbeit in der Dental Unit ist anstrengend, da durch, dass man die ganze Zeit steht und doch immer konzentriert sein muss (kenne ich aus den letzten Monat(en) nicht) aber sehr nett.
Heute bin ich zum ersten Mal auf Tone, die Norwegerin, getroffen. Sie macht einen sehr netten ersten Eindruck und hat mir erzählt, dass Morgen 3 Norweger anreisen, die hier 3 Monate lang auf den Stationen arbeiten sollen.
Ich bin ja mal gespannt.
Ich weiß mal wieder nicht viel mehr, als dass es zwei Mädchen und ein Junge sind. Der „Junge“ ist 26. Wenn ich Tone richtig verstanden habe. Ich hab allerdings auch verstanden, dass sie zu Hause einen kranken Esel hat…
Vielleicht stellt sich ja irgendwann noch mal heraus, was davon so richtig ist.
Mal gucken. Wahrscheinlich weiß mal wieder niemand so richtig Bescheid und die drei kommen nicht aus Norwegen, sondern aus Usbekistan oder sonst wo her.
Wundern würde mich ja nichts mehr.
Ich bin übrigens schon jetzt zu ihrem 50ten Geburtstag eigeladen, der am 8. Januar ist und zu dem hier 52 Norweger anreisen werden.
Der Junge mit dem Oberschenkelbruch, der zum Schluss sowieso nur noch „mein Freund“ genannt wurde, ist entlassen worden. Leider war ich zu der Zeit gerade in Moshi. Schade eigentlich, denn ich hätte gerne gesehen, ob er wirklich wieder laufen kann oder ob sie ihn rausgetragen hat.
Fragen macht keinen Sinn. Emma versteht mich so oder so nicht. Auf die Frage „Wann“ sie ihn denn entlassen haben hat sie immer nur „Nach Hause“ geantwortet.
Ach ja, Kommunikation ist schon was schönes.

Freitag, 7. September 2007

Gespräche auf dem Weg zur Arbeit:
Bina: Gestern sind wir über den Sportplatz gegangen und da hat uns jemand gesagt, wie schön wir sind. […] Das sagt dir in Deutschland höchstens dein Freund.
Jaana: Nicht mal der. Da musst du schon Geburtstag haben.
Wir haben schon manchmal komische Gespräche auf dem Weg bis zum Krankenhaus und da unser „Gate“schlüssel gerade Urlaub auf Sansibar macht müssen wir einen etwas anderen Weg mitten durch die Chamba gehen.
Der ist sehr viel steiler als der Weg, den wir normalerweise gehen und ich bettle regelmäßig um ein Sauerstoffzelt. Vor allem, wenn ich mit Simon unterwegs bin.
Heute hatten wir atemberaubende 3 Patienten, was uns einen (fast) freien Vormittag eingebracht hat. Irgendwie hat sich aber doch allen in die Länge gezogen, weil Jaana und Bina ihre Kleider vom Schneider bekommen und noch auf Ephraim gewartet haben.
Simon und ich sind dann irgendwann ins Marangu Hotel aufgebrochen. Leider hatten wir beide keine Sonnencreme mit und ich Trottel saß viel zu lange in der Sonne. Hier ist verdammt noch mal Winter und ich hab einen Sonnenbrand.
Es sieht ganz lustig aus… so richtig schmutzig braun/rot und mein Hals ist am schönsten, weil ich ja mein Armband mittlerweile als Kette trage (Vorsichtsmaßnahme, als ich auf der General Ward gearbeitet hab) und die Sonne nur drum herum gebräunt hat.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass das rote langsam braun wird und nicht gleich wieder verschwindet.

Samstag, 8. September 2007

Jesus hates corruption – the police loves it Part I

Was ich an diesem Tag gelernt habe: Ein Pass ist dazu da, um bei sich geführt zu werden.
Wie üblich auf dem Weg nach Moshi wurde unser Dalla-Dalla heute von der Polizei angehalten. Passiert immer mal wieder – an sich nichts Ungewöhnliches.
Allerdings wurden wir heute von einer ziemlich netten (Ich halte ein Schild mit Aufschrift „Ironie“ hoch) Polizistin nach unseren Pässen gefragt.
Jaana hatte ihren dabei, Bina eine Kopie (ohne Kopie ihres Visums), Simon immerhin den Beleg, dass er das Visum bezahlt hat und ich nichts. Nicht einmal mein ID-Card (Personalausweis).
Auf die Frage „Was soll ich denn jetzt tun?“ haben wir uns dumm gestellt und die offene Aufforderung ihr Geld zu geben einfach mal überhört.
Hallo? „Jesus hates corruption. Join him.“ (Jesus hasst Korruption. Schließ dich ihm an.) steht hier quasi über jeder Toilette. Daran halte ich mich, solange ich nicht anders aus der Sache raus komme.
Ende vom Lied: Sie sagte, dass sie uns am Montag im Marangu Hospital besuchen wird und wir durften weiterfahren.
Mal gucken, ich glaube nicht daran. Meinen Pass werde ich ab jetzt trotzdem bei mir tragen.
Ansonsten waren es heute zwei eMails die mich aufgemuntert haben.
Die eine kam von Lara, die nicht weit von hier ebenfalls in einem Krankenhaus arbeitet und die andere von Christian.
Lara hat dieselbe Überlegung wie ich und wird schon im November wieder nach Deutschland reisen. Ich bin sehr beruhigt, dass nicht nur ich Probleme habe mich in einer fremden Kultur zu Recht zu finden und manchmal ans aufgeben denke.
Christian ist im Moment in Japan und ich nehme mir jetzt einfach die Freiheit ihn hier zu Zitieren (Da mir das Telefonat nach Japan zu teuer ist hoffe ich einfach, dass das okay ist). Vielleicht wissen ja dann einige, warum ich die eMail ganz toll fand (auch wenn ich auf keinen Fall will, dass er das wirklich ernst meint.)
„Und nun zu dir: wieso willst du frueher nachhause? du hast ein tolles Haus, in dem du wohnst mit 1 aservice. und du hast Leute um dich herum die mit dir zeit verbringen, das fehlt mir hier beinahe voellig. also die Japaner sagen gambate oder so, dass heisst KAEMPFE. ich sag dir kaempfe wir schaffen das zusammen und wenn du frueher nachhause faehrst, fahr ich auch frueher nachhause ganz einfache Sache. und dann muessen wir auch zusammen Sylvester feiern
Er hat Recht. Ich habe hier wirklich sehr, sehr viel Glück gehabt. Wenn ich mir vorstelle, dass ich hier alleine gewesen wäre. Ich wäre wohl schon lange wieder in Deutschland.
Auch wenn ich es ihnen nicht sage (jeder der mich kennt weiß, wie super ich meine Gefühle aufschreiben kann und wie stumm ich bin, wenn es darum geht über meine eigenen Gefühle zu sprechen; schöner Gruß an meine Mutter) Asante Sana an Juliane, Jaana, Bina, Simon und Maike.

Sonntag, 9. September 2007

Wasser ist Leben.
Wasser braucht man um nicht zu verdursten, um Tiere zu wässern, um zu kochen, um sich zu waschen, um seine Haare zu waschen, die Toilette zu spülen, um abzuwaschen, um Tee zu kochen, um das Haus zu putzen, und für vieles, vieles mehr.
Vielleicht seid ihr so findig und wisst schon jetzt, worauf ich hinaus will.
Richtig. Anscheinend sind die Wassertanks über unseren Häusern kaputt, denn fließendes Wasser haben wir im Moment nicht im Haus. Nicht einmal für die Toilette, was sehr unangenehm ist.
[Nachtrag 20:30 Uhr] ENDLICH ist das Wasser wieder da.



Montag, 10. September 2007

Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und wenn ich auch noch Fieber bekomme kann ich mich einliefern lassen.
Nein, so schlimm ist es natürlich nicht, aber ich fühle mich schon etwas zermatscht.
Abenteuer Aufenthaltsgenehmigung ging heute weiter: Mr. Kimaro hatte mir ja gesagt, dass ich heute in Moshi erscheinen sollte. Leider hatte er dabei anscheinend vergessen, dass er in Dar es Salaam ist. Tolle Wurst. War ich also umsonst in Moshi. Obwohl umsonst auch nicht, da ich im Internet mit Flo, Marike und Anders gechattet habe. Vielen Dank, dass wenigstens die drei online waren. Ansonsten wäre ich da wohl etwas gefrustet rausgegangen.

Dienstag, 11. September 2007 (Ein sehr passendes Datum.)

Jesus hates corruption – the police loves it Part II

„Ende vom Lied: Sie sagte, dass sie uns am Montag im Marangu Hospital besuchen wird und wir durften weiterfahren.
Mal gucken, ich glaube nicht daran.“ (Siehe: Samstag, 8. September 2007)
Manchmal ist der Glaube eben doch nicht alles. Der Morgen fing, zugegebenermaßen etwas langweilig an, da wir keine Patienten hatten und Joseph schon die ganze Dental Unit geputzt hatte.
Auf die Worte: „Hört auch zu arbeiten, die Polizei ist draußen.“ von Simon haben wir am Anfang noch mit einem Lächeln reagiert.
Die Polizei war allerdings tatsächlich wegen uns da und während Bina, Simon und ich unsere Pässe vorzeigen gehen mussten hat sich Jaana in der Dental Unit versteckt, da sie ihren Pass gar nicht dabei hatte.
Bis zu dem Satz „Where is your working permission“ (Wo ist eure Arbeitserlaubnis) war alles noch Pillepalle. Dann allerdings ging es los – denn wir standen natürlich in unserer Krankenhauskleidung vor ihr und auch unsere Beteuerung, dass wir ja Studenten wären, die nur zuschauen würden half nicht. Die Studenten im KCMC hätten alle eine Arbeitserlaubnis, also bräuchten wir die auch.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich Glück hatte. Ich konnte ihr erklären, dass ich meine schon bezahlt hätte und einfach nur noch den Stempel bräuchte. Das ich meine Quittung zu Hause liegen hatte stellte dabei dann auch kein Beinbruch mehr da.
Mittlerweile standen auch die Oberärzte sowie die Chefin mit im Raum und versuchten irgendwas für uns zu tun.
Die Polizistin war allerdings der Meinung, wir oder besser Simon und Bina müssten 400 US$ pro Nase bezahlen und dürften erst dann weitermachen. Sehr ironisch, da Simon ja heute Nacht abfliegt.
Nachdem die Doktoren sehr deutlich gesagt haben, dass das wohl niemand bezahlen kann hieß es dann auf einmal nur noch 100US$.
Doktor Mamuya und Doktor Lauwo brachten uns vor die Tür um mit uns das ganze zu diskutieren. Ich machte einen kleinen Abstecher zu Tone um ihr zu sagen, dass das wohl ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ihre Studenten wäre jetzt hier vorbeizulaufen.
Um es mal kurz zu machen: Simon und Bina haben tatsächlich die geforderten 100 US$ bezahlt. Das sie dafür allerdings eine Working Permission bekommen halte ich für Wunschträume, denn sie haben nicht einmal eine Quittung bekommen. Das Geld wandert anscheinend direkt in die Tasche der Polizistin. Korruption hautnah.
Später haben wir eine ganze Weile mit Tone und ihren drei norwegischen Studenten vor der Kantine gesessen und sie hat uns eine Menge von dem erzählt, was sie hier schon erlebt hat.
Sie war zwar auch der Meinung, dass man es nicht hätte bezahlen sollen die Alternative wäre aber nur noch die Polizeistation in Moshi gewesen, wo es dann garantiert richtig Ärger gegeben hätte.
Denn dort hätte man ebenfalls bezahlen müssen und wäre eben solange im Gefängnis gewesen.
Ganz so krass wollten die beiden ihre Zeit hier nicht beenden.
Mein Resümee, das ich aus diesem Tag schließe ist, dass ich Korruption hasse. Wobei, dafür hätte ich wahrscheinlich noch nicht einmal diesen Tag gebraucht. Es ist nur so, dass einem hier immer wieder vorgelebt wird, wie man es am Besten nicht machen sollte.
Beispiel: Wenn du mit einem ausländischen Kennzeichen in einen National Park willst, dann bezahlst du 130US$, mit einem einheimischen nur 30 US$. Man kann sich allerdings nicht einfach ein Auto mieten. Nein, dafür brauch man dann wiederum einen Fahrer bzw. einen Guide, den man ja sowieso braucht, da man sonst nicht in den National Park kommt.
Die Geschichte heute setzt dem ganzen nur die Krone auf. Man lernt leider sehr schnell das, trotz übermäßigem Gottglaube, sich hier noch jeder selbst der nächste ist.
Tansania ist ein Land, das ich sehr faszinierend, neu und aufregend finde. Es gibt ebensoviele nette und freundliche Menschen wie es eben auch diese weniger freundlichen Menschen gibt, die nur auf ihren Vorteil aus sind.
Trotzdem kann ich nach den 7 Wochen, die ich jetzt hier bin sagen: Es ist kein Land in dem ich dauerhaft wohnen wollen würde. Am Donnerstag oder Freitag werde ich zusammen mit Tone zu dem Immigration Office gehen um wenigstens noch meinen Stempel zu bekommen.
Ich bin gespannt, wie oft ich noch nach Moshi rennen werde.

Mittwoch, 12. September 2007

Der König hat das Land verlassen, Linda ist auf dem Weg nach Dar es Salaam das Haus leert sich so langsam.
Momentan verdränge ich den Gedanken, dass ich hier ab nächster Woche ganz alleine bin. Ohne jegliche Deutsche Unterstützung.
Kaum zu glauben, wie sehr ich mich in den vergangenen 7 Wochen an die Menschen um mich herum gewöhnt habe und wie sehr sie mir fehlen bzw. fehlen werden.
Ich war heute zum ersten Mal ganz alleine im Krankenhaus. Allerdings hat sich Doktor Mamuya so lieb um mich gekümmert und mir alles erklärt, dass ich das eigentlich gar nicht mitbekommen habe das ich alleine war. Ich denke, dass das eine sehr interessante Zeit in der Dental Unit werden könnte. Jedenfalls interessanter als die General Ward, wo sich die norwegische Fraktion jetzt herumtreibt.
Linn, Karoline und öh… jetzt wird’s schwierig Ørjan (? Im Krankenhaus von allen der einfachhalthalber Jan genannt) sind alle drei super lieb.
Das Internet hat heute mal wieder gestreikt und ich werde wohl nicht noch einmal in Marangu ins Internet gehen. Das nervt ja sowas von…


Freitag, 14. September 2007

Tja, um mal mit den Worten zu sprechen, die ich auch Jonathan gesagt habe: Unser Ausflug nach Tanga ist leider krank geworden.
Florence hat Malaria und dementsprechend werden Bina und ich nicht nach Tanga fahren. Irgendwann werde ich das bestimmt nachholen. Wäre mal eine Herausforderung das alleine durchzuziehen.
Dafür hat Jonathan (siehe: Wochenendeausflug nach Arusha) geschrieben und gefragt ob wir schon etwas vorhätten am Wochenende. Siehe da, das hatte sich ja gerade erledigt. So: Karibu Jonathan.
Ansonsten: Langweilig…
Vor allem in der Dental Unit, wo in letzter Zeit irgendwie die Patienten ausgehen. Trotzdem ist es natürlich immer noch besser als in der General Ward, schon alleine von den Leuten die dort arbeiten.
Linn, Karoline und Ørjan bringen die General Ward auf Trapp und bemerken dabei erstaunlicher (oder eben auch nicht) Weise die gleichen Dinge wie ich.
Emma kann gar nichts, Medikamente werden einfach so verteilt und die Ärzte haben eine Handschrift die nicht einmal sie selbst lesen können.
Das Krankenhaus feiert demnächst 100 Jähriges Jubiläum. 1904-2007, wie es zunächst auf einer der Karten stand.
Hand hoch, wer hat den Fehler gefunden?
Im Krankenhaus wird jedenfalls alles darauf getrimmt. Überall werden Blumenbeete angelegt und die Geländert abgeschliffen und gestrichen, genau wie die Wände.
Medikamente oder anderes für die Patienten wichtiges zu kaufen, eventuell auch eine neue Gasfalsche für das Dental Lab. Da die so sehr leckt, dass man das Gas schon davor riecht, gerät dabei leider in den Hintergrund.
Manchmal werden hier schon komische Prioritäten gesetzt.

Samstag, 15. September 2007

In der uns allen bekannten Reihe „Wohin verschlägt es uns heute“ heute: Himo.
Bina und Jaana haben auf dem Weg von Arusha zurück eine Frau kennengelernt, die schon mal in Deutschland gewesen ist und spontan sie zu sich nach Hause in Himo eingeladen hatte.
Da wir ja am Wochenende sowieso nicht besseres zu tun hatten, nachdem Florence abgesagt hatte und Jonathan mich heute Morgen geweckt hatte um mir zu sagen, dass er doch nicht kommt, waren wir heute also in Himo.
Himo liegt auf dem Weg zwischen Marangu und Moshi und ist ungefähr 2.5 Km von der kenianischen Grenze entfernt.
Wir waren zum Mittagessen eingeladen und was kann man sagen, außer: Es war super lecker und wir sind quasi gemästet worden.
Leider hab ich Kopfschmerzen bekommen und hatte natürlich keine Kopfschmerztabletten dabei.
Jonathan hat sich zwischendurch noch einmal gemeldet, da er ganz vergessen hatte, dass wenn er nächstes Wochenende auftauchen würde, Jaana und Bina ja gar nicht mehr da wäre.
Er hat Jaana erzählt, dass er nächstes Jahr eventuell nach Deutschland kommt. Nach Hamburg oder Hannover.
Den Abend haben wir ruhig angehen lassen und endlich „Chocolat“ zu Ende geguckt, wobei zwischendurch meine Mama angerufen hat.
Ein paar Dinge beunruhigen mich.
- Die Stiftung und ihre Reaktion darauf, wenn ich früher nach Hause möchte
- Mein kleiner Bruder
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich gerade keine Lust habe das ganze Ausführlich zu erörtern, aber ich werd es wohl demnächst mal tun.
Während Bina ihr Tagebuch weitergeschrieben hat, haben Jaana und ich „tyttö sinä olet tähti“ geguckt um 10 Uhr hieß es dann endlich: Schlafen gehen.
Die Jugend hier kennt allerdings genauso keine Nachtruhe wie in Deutschland. Um 0.58 Uhr bekam ich die SMS „Gnight“ von Jonathan um 1.00 Uhr rief er an.
Keine Ahnung, was er wollte, außer verwundert zu fragen, warum ich denn schon schliefe und festzustellen, dass Arusha doch viel größer als Moshi wäre. Dann brach die Verbindung zusammen. Ich bin ja mal gespannt was das noch gibt.





Sonntag, 16. September 2007

Es regnet. Ich will nach Hause. (Ja, ich bemitleide mich zu Recht.)

„Es ist schwer, seinen Weg nicht zu verlier‘n,
und bei den Regeln und Gesetzen hier
ohne Verrat ein Leben zu führ‘n,
das man selber noch respektiert.

Auch wenn die Zeichen gerade alle gegen dich steh‘n
und niemand auf dich wetten will,
du brauchst hier keinem irgendeinen Beweis zu bringen,
es sei denn es ist für dich selbst!

Nur keine Panik, so schlimm wird es nicht!
Mehr als deinen Kopf reißt man dir nicht weg!
Komm und sieh nach vorn!

Halt durch, auch wenn du allein bist!
Halt durch, schmeiß jetzt nicht alles hin!
Halt durch, und irgendwann wirst du verstehen,
dass es jedem einmal so geht.“

[Die Toten Hosen – Steh auf]

Montag, 17. September 2007

Dieses Reisetagebuch habe angefangen zu schreiben, weil ich schon immer ein Mensch war, der seine Gefühle besser aufschreiben als über sie reden konnte.
Dieses Reisetagebuch hilft mir dabei die Eindrücke, Erfahrungen, Ängste und alles was ich sonst hier erlebe zu verarbeiten.
In diesem Reisetagebuch schreibe ich offen und ehrlich über meine Gefühle und Gedanken ohne etwas zu verschweigen oder zu beschönigen.
Es ist ein Platz um mir Luft zu machen und all die schönen und weniger schönen Momente mit anderen Menschen zu teilen.
Niemand hat das Recht über dieses Reisetagebuch und seinen Inhalt zu urteilen.
Niemand hat das Recht mich anhand dieses Reisetagebuches zu verurteilen.

Wenn es eine Eigenschaft an mir gibt, die mich schon immer in Schwierigkeiten gebracht hat, dann die, dass ich meine Klappe einfach nicht halten kann und immer das letzte Wort haben will.
Fragt mal meine Eltern, wie harmonisch es bei uns zu Hause hätte ablaufen können, hätte ich nicht diese liebenswerte Eigenschaft.
Eine Eigenschaft, die ich dagegen sehr schätze ist es ehrlich zu sein und zu seinen Gedanken, Handlungen und moralischen Grundsätzen zu stehen.
Eventuell kann sich der findige Leser schon jetzt zusammen reimen, dass diese beiden Eigenschaften zusammen mit der Neigung sich mitteilen zu müssen nicht unbedingt die günstigste Kombination ist.
Ich habe heute ein paar Dinge (aus Deutschland) gehört, die mich sehr verletzt haben und mich darüber haben nachdenken lassen diesmal den leichten Weg zu gehen. Einen Weg, an dessen Ende ich anstatt bis zu den Knien nur bis zu den Knöcheln in Scheiße stehe.
Einen schönen Gruß nach Braunschweig, ab sofort werde ich mehr darauf achten, was ich hier schreibe und wohl nur noch eine „Zensierte“ Version an andere Menschen weiterleiten.
Es ist hier schwer genug, im muss es mir nicht unnötig schwerer machen oder von Menschen die mich kaum kennen schwerer machen lassen.
Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe.


„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.
Manche treten dich, manche lieben dich, manche geben sich für dich auf.
Manche segnen dich, setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust.“

[Xavier Naidoo – Dieser Weg]


Dienstag, 18. September 2007

Heute lasse ich die Bilder sprechen:




Donnerstag, 20. September 2007

Der letzte Tag von Bina und Jaana in Marangu. Am Abend feiern wir Abschied mit Danny, Doktor Mamuya, Pokea, Mrosso (genannt „Das Pferdchen“), Evans und Joseph. Die Stimmung taut erst so richtig auf, als Doktor Mamuya und Joseph weg sind, was ich mir nicht richtig erklären kann. Trotzdem freut es mich.
Da wir nicht wirklich etwas zu Mittag gegessen haben und den Abend über nur Erdnüsse gefuttert haben machen Bina, Jaana und ich uns tatsächlich nachdem alle weg sind noch Kartoffeln und Guarcamole.
Sehr lecker.

Freitag, 21. September 2007

Tja, nun sind sie weg. Ich bin mit Bina und Jaana morgens nach Moshi gefahren um sie zu verabschieden und um im Immigration Office endlich meinen Stempel zu bekommen.
Verabschiedet habe ich mich recht schnell, da mir das ganze doch recht nahe ging. Die letzten Tage mit Jaana und Bina alleine im Haus waren wahrscheinlich die ruhigsten Tage bisher aber auch mit die schönsten.
Kaum zu glauben, dass ich ab jetzt alleine sein soll.
Erfreulicher dagegen ist, dass ich tatsächlich meinen Stempel im Pass habe. Und da ja nicht alles glatt gehen kann: Das Visum geht bis zum 1.02.08. Mein offizieller Rückflug geht am 6.02.08. Wunderbar nicht?
Ich liebe tansanische Behörden.
Ansonsten habe ich schon mal ein bisschen war eingekauft, ansonsten hätte ich am Abend wahrscheinlich nichts mehr zum Essen gehabt.
Der Abend war dann eine Geschichte für sich. Das Haus ist zu groß für eine Person alleine und ich zu ängstlich.
Glücklicherweise gibt es Konyagi und einen guten Film, so dass ich einen möglichen Einbrecher am Ende wahrscheinlich sogar dazu aufgefordert hätte mit zugucken.

Samstag, 22. September 2007

Ich glaube, ich war noch nie so lange in Moshi wie heute.
Einkaufen, Internet. So lange war es ja noch normal und da ich hier sowieso nicht länger als 9 Uhr schlafen kann (ab dann sind draußen die Menschen zu laut, denn wenn sie hier eins gut können, dann sich laut unterhalten) war ich schon recht früh in Moshi.
Mittlerweile kann ich sogar Dalla-Dalla fahren recht gut alleine. Natürlich ist es immer noch eine recht langweilige und nervige Angelegenheit, denn wer sitzt schon gerne über eine Stunde mit gekrümmtem Rücken zwischen 30 schwitzenden Afrikanern?
Frisch, fromm, fröhlich, frei kam ich dann aber in Moshi an und erledigte die paar Einkäufe, die ich noch zu machen hatte. Milch, Cornflakes und super wichtig: Toilettenpapier.
Ich habe extra meinen Rucksack mitgenommen, da man sich sonst sicher sein kann, die freundlichen Lacher, die man von den Afrikanern zugeworfen werden sind keine Sympathie, sondern einfach nur Freude darüber, dass wieder einmal ein Europäer mit seinem Toilettenpapier durch die Gegend stratzt.
Das Internet ist ein voller Erfolg. Mirko ist endlich mal online und Jaqueline erzählt mir ein bisschen von ihrer Zeit in England. Meine Bilder kann ich auch ohne Probleme hochladen und dann ruft auch noch Mama an, die ein paar Dinge wissen will.
Ist doch perfekt.
Um 12 Uhr treffe ich mich mit Lara. Lara ist die Großnichte von Frau P. und lebt im Moment in einem Krankenhaus auf der anderen Seite von Moshi als ich. Wir schaffen es tatsächlich von 12 Uhr bis 15.30 Uhr zu quatschen und dabei verschiedene Lokalitäten auszuprobieren. In einer steht ganz groß „Check the menu before you pay“ (Überprüfe die Karte, bevor du zahlst.) Wir bezahlen jeder eine Sprite, die tatsächlich 1000 TSH kosten soll. Nicht wirklich viel, immer noch unter einem Euro, aber für hier und für die Lokalität in der außer uns nur Afrikaner saßen schon recht viel. Was macht der findige Europäer also? Na klar, checkt die Karte. Und was soll ich sagen? 350 TSH.
Manchmal sollte man eben wirklich machen, was einem geraten wird.
Später gehe ich noch mit Lara und ihren Mitbewohnern (einer Deutschen und drei Dänen) etwas essen. Was es doch für gute Restaurants in Moshi gibt. Ich fürchte bloß, dass ich das Indisch-Italienische nicht noch einmal wieder finde… so ganz weiß ich nämlich nicht, wo das war. Aber na ja, probieren geht über studieren.
Langsam wird das hier zu meinem Motto.

Sonntag, 23. September 2007

Ich hatte gerade Besuch.
Irgendwie war der nicht eingeplant, denn ich saß auf dem Sofa als auf einmal eine Horde Kanadier durch’s Haus trampelten, sich alles ansah und mich so fragten, was ich hier mache.
Tja, was nicht alles so vorkommt, ne?
Bibi Stella war gerade hier und hat mir erzählt, dass ich wahrscheinlich bald wieder Gesellschaft bekomme. Drei kanadische Studenten werden für einige Zeit hier einziehen. Sie ist sich noch nicht sicher, ob sie sie wirklich mit in dieses Haus stecken wird, immerhin sind sie alle drei männlich…

Montag, 24. September 2007

Heute hab ich gelernt, dass ich auch ohne die anderen zu recht komme. Die Nacht war nicht so super, weil mich um 4 Uhr wieder irgendwas aufgeweckt hat, was gegen unsere Gitter geknallt ist, aber na ja, auch das überleb ich noch.
Den Nachmittag hab ich mit Linn, Karoline und Ørjan verbracht, was wirklich nett war.
Bis jetzt war ich also ganz alleine und ab morgen hab ich genau 6 neue Mitbewohner… meine Mutter, meine Tante und meine Großtante und außerdem kommen die drei Kanadier doch schon Morgen. Mal gucken wie lange die bleiben und vor allem wo. In diesem Haus ist nur noch ein Zimmer frei, auch wenn es mir nichts ausmachen würde, wenn sie hier einziehen würden.
Dann würde ich wenigstens meinen Vater zufrieden stellen und mein Englisch ein wenig aufbessern.
Mal gucken was Morgen so bringt.
Und bei allem was hier angeschwemmt wird: Warum denn bitte ausgerechnet Kanadier???

Freitag, 28. September 2007

Im Moment komme ich nicht viel zum Schreiben, wie man eventuell merkt. Meine Mutter, meine Großtante und meine Tante sind zu Besuch hier in Tansania.
Weihnachten wurde für mich übrigens schon einmal vorgezogen: Fettes Merci an meinen großen kleinen Bruder für das Buch! (Ich glaub, das hab ich schon durch bevor Mama wieder fährt, das ist ja so spannend! Kathi Z.: Kauf dir „Eclipse“ bloß in Englisch, das ist viel cooler als Deutsch… Allerdings hat Jake schon jetzt mehr Sympathie bei mir als Eddie… schade eigentlich)
Okay, back to the roots: Ich freu mich unheimlich über meine Familie hier. Man glaubt gar nicht, wie gut ich mit meiner Mutter auskommen kann. Allerdings ist es sehr, sehr, sehr, sehr anstrengend sie alle hier zu haben. Und das nicht nur, weil wir den ganzen Tag unterwegs sind und ich nebenbei auch noch Arbeite.
Übrigens nehme ich alles, was ich über die Kanadier gesagt hab zurück. Es sind nur zwei Kanadier (einer davon hat eine Schweizer Mutter… an alle die meine Affinität in Hinsicht der Schweiz kennen: Wie cool ist das denn bitte???) und ein Tansanier.
Rick (30 irgendwas), wenn ich das richtig verstanden habe, Rainer (22) mit schweizer Wurzeln und Denis (28) der Mensch aus Tansania.
Alle drei scheinen super nett zu sein und ich freu mich auf ein bisschen Gesellschaft hier, wenn meine Familie wieder weg ist.
Immerhin bleiben die drei für ein Jahr.
Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Papa bekommt seinen Willen und ich verbessere mein Englisch (ich bin bis jetzt hier auch zurecht gekommen, so schlimm kann es eigentlich nicht sein) rutsche allerdings sehr ins amerikanische ab, was mich ein bisschen ankotzt. Egal… die nächsten zwei Monate wird’s dann sowieso kanadisch.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Ähm ja, Schande über mein Haupt, ich schreibe wirklich wenig.
Dabei erlebe ich so viel.
Zum Beispiel einen Dalla Dalla mit Achsenbruch wahlweise auch mit gerissenem Kupplungsseil. Ich bin ja kein Mechaniker, aber geknallt hat es vorne und gewechselt haben sie den Reifen hinten…. Muss ich erwähnen, dass wir mit einem anderen Dalla Dalla weiter gefahren sind?
Oder einen anderen Dalla Dalla, der uns einfach irgendwo absetzt, so dass wir mit einem zweiten weiterfahren müssen. Im Stehen versteht sich.
Heute waren wir im Arusha National Park, wo ich ja am 11.08 schon einmal war. Diesmal hatten wir besseres Wetter und einen Wagen, bei dem das Dach immer mal wieder einen Durchhänger hatte.
Insgesamt fand ich es sehr gut, da ich mich diesmal auf’s schöne Bilder anstatt von viele Bilder machen konzentrieren konnte.
Abgesehen davon fand ich, dass Bariki sehr viel besser als Guide war, als Damian damals.
Bibi Stella verwirrt mich wieder, in dem sie meint, dass statt den Kanadiern ja noch ein paar andere Deutsche kommen. Nix da. Hier in das Haus kommen die Kanadier. Basta Pasta. Ach ja, ich liebe die Menschen hier… die sind immer so schön „ehrlich“. Ich saß im Dalla Dalla bei meiner Mutter auf dem Schoß. Was sagt ein Mann zu mir: „Hahaha. Elephant sitting on rabbit.“ Ansante Sana.
Nix da. Hier in das Haus kommen die Kanadier. Basta Pasta. Ach ja, ich liebe die Menschen hier… die sind immer so schön „ehrlich“. Ich saß im Dalla Dalla bei meiner Mutter auf dem Schoß. Was sagt ein Mann zu mir: „Hahaha. Elephant sitting on rabbit.“ Ansante Sana.

Donnertag, 4. Oktober 2007

Das Kreuz mit dem Ramadan

Mein Reiseführer (eigentlich gehört er meiner Tante, aber egal) sagt:
1. Der Glaube in Tansania ist sehr wichtig.
2. Die Religionszugehörigkeit verteilt sich wie folgt: Etwa 43 % der Gesamtbevölkerung sind Christen, 38 % Moslems, 1% Hinduistischem Glauben und 18 % Anhänger traditioneller Religionen.
Erstens würde ich ohne zu zögern Unterschreiben. Zu zweitens: Ich wette die gesamten 38 % Moslems wohnen haben sich in Arusha nieder gelassen.
Eigentlich ist Arusha eine schöne Stadt. Eigentlich ist das Hotel in dem wir untergekommen sind auch ein recht schönes Hotel (und gehört nebenbei gesagt dem Cousin des Zahnarztes aus dem Marangu Hospital). Wenn man die geflickten Moskitonetze und das etwas gewöhnungsbedürftige Badezimmer, das man nicht abschließen kann, außen vorlässt.
Eigentlich haben auch die Minarette, von denen fünfmal am Tag ein Moslem für etwa 10 Minuten seine wunderschöne Stimme erklingen lässt, ihren ganz eigenen Charme.
Eigentlich. Außer, man gerät in den Ramadan.
Man, in diesem Fall vier Frauen, kommt also völlig abgekämpft nach 3 Stunden Dalla – Dalla bzw. Kleinbus fahrt, einem Nachmittag voller Verhandlungen auf dem Maasai-Market und einem leckeren Abendessen ins Hotel. Man will nur noch ein kühles Bier, eine Dusche und ein wenig Ruhe zum Schlafen. Immerhin ist es ja schon 20:40 Uhr.
Zum Glück gibt es auch in den muslimischen Vierteln von Arusha einige kleine Läden mit einer erstaunlich guten Auswahl an alkoholischen Getränken. Das Bier lässt sich also verwirklichen, kalt bleibt ein Wunschtraum.
Sobald man seine Angst vor dem uraltem Boiler, der in Deutschland sicherlich Seltenheitswert hätte, verloren hat lässt sich sogar die Dusche verwirklichen. Nicht ohne nebenbei noch das gesamte Badezimmer einmal mit zu waschen, aber immerhin ist man und das Badezimmer hinterher frisch, sauber und nass.
Die gesungenen Gebete aus dem, nein, leider kein Minarett, sondern nur ein ordinärer Lautsprecher auf dem Dach nebenan, lässt sich am Anfang noch gut ignorieren, da man ja davon ausgeht, dass es sowieso nach 10 höchstens 15 Minuten wieder vorbei ist.
Nach einer halben Stunde ist man etwas verwirrt.
Nach einer drei viertel Stunde fragt man sich, warum es denn heute so lange dauert, aber man beruhigt sich: Vielleicht hat der Mann (es ist eindeutig ein Mann, auch wenn er sicherlich nie aus dem Stimmbruch gekommen ist) einfach Spaß am Singen. Sein Husten zwischendurch irritiert zwar, aber man soll ja auch schon Pferde kotzen gesehen haben.
Nach einer Stunde kommt einem der Gedanke: Es ist Ramadan!
Man, als normaler Deutscher, aufgewachsen auf dem Dorf kennt gerade noch den Namen Ramadan. Aber natürlich akzeptiert man die Gebräuche der Moslems, auch wenn man sie nicht kennt und nicht versteht und schaut nur kurz genervt auf die Uhr. Kurz vor halb 10.
Es wird bestimmt nicht mehr lange dauern.
Der Tag war hart und man fällt ins Bett. Das löchrige Moskitonetz wird ausgebreitet und weil die Luft noch nicht schlecht genug ist hilft man mit einer ordentlichen Ladung Autan nach.
Um 22 Uhr kommt einem der Gedanke, dass das Gesinge beim Einschlafen schon ein bisschen hinderlich sein könnte, aber so lange kann es ja eigentlich gar nicht mehr gehen.
Man, in diesem Fall ich, lässt sich von seiner Mutter sogar ein paar Ohrenstöpsel aus Wachs (?) andrehen, mit denen man sich die Ohren vollstopft und ab nun den Singsang nur noch gedämpft hört dafür aber das Gefühl hat das Ohr wäre zu.
Kein Schlucken hilft, aber da muss man durch, wenn man schlafen will. Außerdem wird es ja bestimmt nicht mehr lange dauern.
Dies glaubt man bis 2 Uhr nachts.
Dann ist tatsächlich Schluss.
Man kann es gar nicht glauben und versucht die Ohrstöpsel aus den Ohren zu puhlen. Nach dem dritten Anlauf klappt es.
Ruhe.
Denkt man. Dann realisiert man, dass das Geräusch kein Stühle verrücken im unteren Teil des Hotels ist, sondern von der Person neben einem kommt.
Was soll’s. Ohrenstöpsel also wieder in die Ohren und darauf warten, dass die lieben muslimischen Mitbürger um 5 Uhr ihre letzte Mahlzeit bis zum Sonnenuntergang bei dem melodischen Gesang ihres Vorbeters einnehmen.
An Schlaf ist sowieso nicht zu denken.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Die Sache mit dem Dalla-Dalla fahren.
– Eine Gebrauchsanweisung –

Ich denke die korrekte Bezeichnung für mich hier wäre Voluteer. Eine Freiwillige also. Als solche verdiene ich nicht viel Geld, lebe nicht im Überfluss und habe natürlich kein eignes Auto.
Natürlich nicht. Welche 20 jährige, Rechtsverkehr und an die Straßenverkehrsordnung gewöhnte Deutsche würde hier schon freiwillig fahren wollen?
Nun steht man als solche aber schnell vor dem Problem: Wie bewege ich mich von A nach B und möglicherweise auch noch nach C?
Eine mögliche Antwort: Laufen.
Für alle, die wie ich geschätzte 40 KM nach Moshi auch zu weit zum Laufen finden gibt es noch eine zweite Möglichkeit: Dalla-Dalla’s.
Was genau alles unter die Bezeichnung Dalla-Dalla fällt ist hier manchmal nicht ganz klar. Im Normalfall sind es Kleinbusse von Toyota (die ihrem Slogan „Nichts ist unmöglich“ hier alle Ehre machen), bei deren Anblick ein deutscher TÜV Mitarbeiter wahrscheinlich in Ohnmacht fallen würde.
Es passiert nicht selten, dass man während der Fahrt durch den Boden einen guten Blick auf die Straße hat oder einem die Wandverkleidung entgegen kommt, wenn man sich daran festhalten will.
Von den Sprüngen in den Scheiben, die selbst den Scheibendoktor vor ernsthafte Probleme stellen würden und den Otto-Normal-Verbraucher denken lässt: „Wow, der Fahrer muss gute Augen haben, wenn er durch die Sprünge noch etwas sieht.“
Das Abenteuer Dalla-Dalla beginnt schon, bevor man überhaupt eingestiegen ist.
Oftmals wird man kurz vor dem Dalla-Dalla am Arm gepackt, angeschrien: „TOWN?“ und ohne die Antwort wahrzunehmen in den nächsten Dalla-Dalla verfrachtet. Dann läuft der Mann sofort wieder los und schreit in unglaublichem Tempo (wenn man sich in Moshi befindet und nach Kilema fahren möchte): „MaranguMtoniKilemaEEEO!“ Und wedelt dabei wichtig mit der Hand.
Am sinnvollsten wählt man dabei den vollsten Dalla-Dalla, denn dieser Fährt, wenn man Glück hat, als nächstes los.
Am klügsten ist es den leersten Dalla-Dalla zu wählen, denn in diesem kann man sich seinen Sitzplatz noch selbst aussuchen.
Dann heißt es warten. Warten, bis auf jedem Sitz zwei Menschen sitzen, auf jedem zweiten Mensch auch noch ein Kind alle Freiräume mit stehenden Menschen aufgefüllt und alle Einkäufe, Hühner, Ziegen, Maissäcke, Einrichtungsgegenstände und und und verstaut sind.
Ich zweifel nie mehr an dem Toyota Slogan, nachdem ich gesehen habe, wie viel in diesen kleinen Kofferraum reinpasst.
Der beste Platz in einem Dalla-Dalla ist zweifelslos vorne neben dem Fahrer, auch wenn man doch etwas schwindelfrei sein muss und keine Angst vor dem Überholen haben darf, auch wenn auf der Gegenfahrbahn ein riesiger LKW in bedrohliche Nähe kommt.
Sein Fahrgeld gibt man, sobald die anderen Menschen im Dalla-Dalla auch anfangen dem Schreihals von vorhin ihr Geld zu geben. Dieser unterbricht sich immer wieder um seinen gesamten Oberkörper aus dem Fenster zu lehnen und nach weiteren Fahrgästen, die dann nur noch die Möglichkeit haben sich außen an dem Dalla-Dalla zu krallen, zu schreien.
Natürlich macht man beim Übergeben des Geldes einen besonders abgeklärten Gesichtsausdruck, denn man weiß ja, dass man noch Wechselgeld zurück bekommt. Wenn man in Deutscher Manier einfach nur das Geld gibt und dann wieder wegguckt und dabei aussieht als ginge einen das ganze nichts an bekommt man sein Geld auf keinen Fall wieder.
Während der Fahr gehen einem viele Dinge durch den Kopf zum Beispiel: „Oh mein Gott sind hier viele Menschen… uh… irgendwer stinkt hier…. Anscheinend der Mann neben mir…. Ich, jetzt hebt er auch noch seinen…. Aaaaaah Autooooooooo….phu… Glück gehabt…. Oha, Polizei Kontrolle. Wehe, sie kontrollieren mich noch einmal…. Uuuuuh die andere Seite stinkt auch…. Bloß das Fenster auf…. Toll LKW vor uns…. Fenster lieber wieder zu…. Kann man an Abgasen sterben? ….. Oh Mein Gott, ich werde so oder so sterben, wenn er nicht gleich wieder links fährt…. Das Knacken hört sich aber nicht gesund…. Aaaaah was macht die Ziege auf der Straße….. Gut, sie war schnell genug…. Hübsches Haus…. Wenn er nicht gleich aufhört zu hupen, dann hup ich ihm was… der arme Fahrradfahrer…. Oh. Ein Hund. Anscheinend ist er nicht schnell genug gewesen. … warum guckt mich der Mann mir gegenüber so komisch an… ja, ich bin weiß, da kann ich nicht gegen machen…. Oh nein. Schnell MP3 Player an, sonst will er mit mir reden… ja, das ist ein MP3-Player, auch noch nie gesehen, huh? Ups, das war gemein…. Wie komm ich hier am Ende bloß wieder raus… ob die Menschen mir Platz machen oder ob ich wieder über 5 Menschen steigen muss und mir dabei vorkomme als wenn ich den Kili besteige? Bestimmt sind sie dann alle ausgestiegen… was? Noch ein Passagier? Meint er nicht, dass 38 in einem 10 Mann-Bus genug sind? Na gut, anscheinend passt es immer noch… oh, wir sind schon in Himo. Jetzt geht es bergauf. Hoffentlich macht der Bus das mit…. Hm, er wird immer langsamer, ein neuer Fahrgast? Nein… nur die Strecke hoch…. Noch ein bisschen laaaa…. Uff, das war mal wieder einer dieser Speeddingsda…. Wenn er noch einmal so über die Bodenwelle fährt, dann knallt mein Kopf gegen die Scheibe…. …oh nein, schon der nächste… gut, er fährt langsam… aaaah. Endlich, Marangu. Danke lieber Gott, dass ich noch lebe.“
Dalla-Dalla fahren macht Spaß, man sollte nur ein paar Dinge beachten:
1. Nicht jeder Dalla-Dalla, der gut aussieht ist es auch. Rein nach dem Motto: Nicht alles was glänzt ist Gold.
2. Man sollte sich frühzeitig einen guten Platz sichern. Ganz vorne oder ganz hinten.
3. Es passen mindestens vier Personen in jede Reihe.
4. Das Geld möglichst abgezählt geben.
5. VORHER nachfragen, wohin der Dalla-Dalla fährt. Möglichst zwei oder dreimal. Sonst landet man ausversehen in Kenia.
6. Pannen sind normal.
7. Beten, beten, beten.

Viel Glück.

Dienstag, 9. Oktober 2007

„… don’t let him bite your tongue!“

Kann man einen ganzen Tag packen? Ähm, ja. Frau kann.
Eigentlich haben wir den ganzen Tag nichts anderes gemacht als gepackt, bzw. Mama, Kathrin und Marlis haben gepackt und ich die erste Staffel von „Emergency Room“ geguckt.
Ich weiß, es hört sich gemein an, aber Pokea hatte nicht viel Zeit, weswegen es keine lange Abschiedsszene gab (Gott, ich bin so schlecht im Tschüss sagen). Dank einer Ausnahme durfte ich noch mit vor bis zu den Schaltern und ihnen wenigstens noch ein bisschen helfen.
Dann hieß es Tschüss Mama, Tschüss Kathrin, Tschüss Marlis. Seh euch bald wieder.
Die Rückfahrt war… sehr lustig. Karoline hatte befürchtet, dass ich traurig sein könnte und war darum mitgekommen.
Pokea spielt sich ein bisschen als großer Bruder auf und sagt, ich soll mir jetzt schon mal ein großes Schild an meine Tür kleben auf dem „HAPANA“ (Nein) steht. Ansonsten dürfen die Jungs an ihn löhnen. 10-20 Kühe. Wenn das man nichts ist.
Abgesehen davon rät er uns niemals hier jemandem einen Zungenkuss zu geben. Das ist gefährlicher als man denkt. Derjenige könnte dir ja auf die Zunge beißen und schwups. Schneller als du gucken kannst hast du AIDS.
Soll schon mindestens einmal vorgekommen sein.
Was lernen wir daraus? In der Disco einen Typen aussuchen (Wir sollen doch unbedingt mal einen Afrikanischen Mann „testen“ bevor wir entscheiden wen wir heiraten), dann Pokea zeigen, wenn er sagt er ist „clean“ dann ab zum Bluttest und ins Bett.
So einfach ist das hier.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Back to the roots.

Here I go again. Ab jetzt bin ich wohl wieder auf der General Ward und nenn‘ mich jetzt ganz offiziell „Nurse Assistant“.
Im Moment ist Linn als Krankenschwester mit auf der General Ward und wir verbringen mehr Zeit damit zu überlegen, was wir machen könnten, als das wir wirklich etwas machen.
Wir haben nun unser IITSP gestartet. (International Important Top Secret Projekt) so top secret, dass wir nicht einmal selbst wissen, worum es eigentlich geht.
Aber wir haben ja Zeit.
Und hey, ich versteigere meine kleinen Brüder für ein Land in dem nicht alle zwei Stunden entweder der Strom ausfällt oder das Wasser ausgeht.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Eine kanadischtansanischdeutscheundeinwenigschweizerische WG….

Darf ich vorstellen, meine neue WG:

Denis: 28, seines Zeichens Tansanier und (bis jetzt) ungeschlagener UNO (oder um es mit seinen Worten zu sagen: Youknow) König.

Rick: der Ruhepol der WG. Er ist ein begnadeter Koch, Maler und Schreiber. Ich frage mich langsam ehrlich, ob es etwas gibt, was er nicht kann. Mal abgesehen von spätem und vor allem leisem Aufstehen.

Rainer: Der 22 jährige Kanadier, mit der schweizer Mutter und dem spanischem malaysischem Aussehen. Wenn er gerade mal nicht wie ein Irrer, hyperaktiv durch’s Haus läuft, dann erfreut er uns alle mit seinem Gitarrenspiel und lautem Gesang. Oder er zeigt Denis und mir die Vorzüge von kanadischer Musik.

…und ich natürlich.

Meine Pläne für das Wochenende.

a) Ein Wochenende auf Florence herrlicher Farm mit muslimischer Hochzeit.
b) Ein Geburtstag in Moshi zu dem mich Rick eingeladen hat.
c) In die Kirche gehen und meine Betreuerin treffen.

Einmal dürft ihr raten für was ich mich entschieden habe, bzw. was für mich entschieden wurde.
Asante Sana.

Freitag, 12. Oktober 2007

Work? Was’n das?

Linn und Karoline scheinen sich eine „Food poisoning“ zugezogen zu haben. Anscheinend haben bei das Essen bei einer „Send Off Party“ nicht vertragen zu haben.
Karoline ist trotzdem ganz tapfer im Krankenhaus erschienen, auch wenn sie zwischendurch immer mal wieder verschwunden ist.
Pole Sana.
Neben stupide rumsitzen, Tupfer falten und rote statt braune Haut bekommen haben wir auch noch lustige, kleine Kindergartenstühle mit Namensschildern auf den Stationen verteilt.
Viel bleibt nicht zu sagen außer: Anders, Daniel… Eure Stühle sind schon hier!

Samstag, 13. Oktober 2007

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Dieser Spruch, der übrigens auch das Motto meines Aufenthalts sein könnte passte heute mal wieder wunderbar.
Nachdem Denis gestern Abend in Moshi verbracht hat hatten wir einen sehr ruhigen Abend.
Rainer hat uns mit seinem Gitarrenspiel und Gesang erfreut während Rick für uns gekocht hat und ich den beiden ganz fleißig zugeguckt hab.
Wir haben den Film „Duplex“ geguckt und sind alle früh ins Bett gegangen.
Zum Glück.
Denn ausschlafen ist nicht. Erstens hab ich die Nacht sowieso durch gehustet und zweitens … warum müssen hier immer Frühaufsteher einziehen????
Verdammt.
Zu heute: Eigentlich wollte ich nach Moshi um ins Internet zu gehen. Tja, eventuell sollte ich Moslem werden. Dann hätte ich gewusst, dass heute Ende des Ramadan ist und natürlich (fast) jeder Internet Laden zu hat. Murphy lässt grüßen, der fünfte Laden hatte dann endlich auf.
Außerdem bin ich heute Abend doch nicht alleine, denn Rick ist hier. Während Rainer und Denis mit nach Moshi gefahren sind, war ihm der Tag zu anstrengend. Macht wohl das Alter. Ich dachte ja Denis hätte mich verscheißert, als er sagte, dass Rick vierzig-irgendwas wäre.
Nun ja. Ich hab ihn noch nicht gefragt, aber er ist tatsächlich 43+unbekannt.
Die Kanadier müssen irgendwas in ihrem Wasser haben…
Na gut. Ich bekomme heute wieder was gekocht und darf mir nachher Mr. Bean angucken. Ist das Leben nicht wunderbar?




Montag, 15. Oktober 2007

Heirat? Kinder? NEIN?!

Im Krankenhaus gibt es eine Privat Ward. Da sich dort hin allerdings kaum Privatpatienten verirren benutzen Ørjan, Karoline, Linn und ich ein Zimmer meist als Umkleideraum. Gibt ja mehr als genug davon. Ebenso Badezimmer.
Heute hat jemand in dem Badezimmer nebenan geduscht. So weit so schön, ich freu mich ja immer, wenn hier jemand Körperhygiene betreibt…. Aber musste er so scheußlich singen?
Der Abend heute war nett. Erst ins Kibo-Hotel essen, was wie immer eine sehr, sehr langwierige Aktion war, allerdings hab ich gelernt/gehört, dass nicht einmal ein Stromausfall Rainer vom Essen abhalten kann.
Kaum zu glauben, was dieser Junge alles in sich hinein schaufelt.
Später haben wir uns dann „The Butterfly Effect“ zusammen angeguckt, zusammen mit einem Freund von Denis, der bis Freitag hier bei uns ist.
Der Freund ist ein bisschen… sagen wir: Forsch.
Nein, ich habe keine Kinder.
Nein, ich bin nicht verheiratet.
Nein, da ist niemand „besonderes“, wegen dem ich schon früher nach Hause möchte.
Nein, auch wenn ich lange ins Feuer starre heißt das nicht, dass ich an einen Jungen aus Deutschland denke.
Nein, ich plane im Moment nicht schwanger zu werden.
Ähm. NEIN. Danke, ich will nicht weder heiraten, noch mit dir nach Dar ziehen oder Kinder mit dir kriegen.
Nein, nicht solange du nicht während des Films dein Handy ausmacht oder zumindest zum telefonieren raus gehst.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Die kleinen Dinge im Leben

Manchmal sind es die kleinen Dinge, an denen es scheitert.
Man schreibt also die „10 Reminders of Hygiene“ und hofft, dass sie allen verständlich sind.
Dumm nur, wenn die Nummer 10 sagt: „Never unse neighbours cup“ und keine der Schwestern und keiner der Pfleger weiß, was Cup heißt.

Zeit, für ein bisschen Statistik:

84 Tage bin ich nun schon in Afrika.
55 PC-Seiten ist mein Reisetagebuch bis jetzt lang.
12 verschiedene Personen haben bis jetzt bei Bibi Stella mit mir gewohnt.
9 davon sind nicht mit mir verwandt.
2 verschiedene Bereiche des Krankenhauses waren schon mein Arbeitsplatz.
8 Stunden „arbeite“ ich täglich.
5 Wazungus arbeiten im Moment im Krankenhaus.
3 davon sind auf dem Weg hoch zum Kibo.
17 Stunden am Tag vermisse ich meine Familie und Freunde. Die restlichen 7 schlafe ich

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Weil ich ein Määähääädchen bin



Vorteile Nachteile
1. Du darfst die Wäsche zuerst durchwühlen. 1. Du musst die Wäsche zuerst durchwühlen und hast dadurch einen guten Einblick in die Unterwäsche deiner Mitbewohner.
2. Auf dich wird aufgepasst. 2. Auf dich wird aufgepasst. Immer und überall.
3. Du hast dein eigenes Badezimmer. 3. Dir wird nicht viel zugetraut.
4. Niemand regt sich auf, wenn du am Längsten im Bad brauchst. 4. Du sollst immer verheiratet werden
5. Dein Teddy ist „cute“ und nicht kindisch. 5. Du bist die Einzige, die weiß wie man eine Tür leise schließt und dass man sie schließt, wenn man auf die Toilette geht.
6. Dein Hase wird nicht geschlachtet, weil du als Mädchen zu sensibel bist als dein Haustier zu essen. 6. Kaffee und Bier sind für dich keine Grundnahrungsmittel und über Soccer, Hockey und Icehockey kannst du dich nicht einen ganzen Abend unterhalten.
7. Niemand erwartet von dir, dass du dich mit PC’s, TV’S oder Steckdosen auskennst. 7.Niemand glaubt dir, dass du dich mit PC’s, TV’S oder Steckdosen auskennst.
8. Es ist okay, dass „Braveheart“, „Eine Wie Keine“ und „Girls United“ zu deiner DVD Sammlung gehören. 8.Du musst und willst deine Unterwäsche selbst waschen.
9. Du darfst auch ohne offensichtlichen Grund schlechte Laune haben. 9.Du hast ohne offensichtlichen Grund schlechte Laune.

Und schließlich mein Lieblingsgrund:
Man erzählt dir, dass es kein Wasser gibt, weil du dafür im Haushalt ja schließlich zuständig bist. Dementsprechend weißt du, dass die Wäscheboxen mit Wasser gefüllt sind und du würdest auch nie auf die Idee kommen deine Klamotten dort hineinzuschauen hineinzuwerfen.
Pole Sana Rainer.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Häppie Börthdäi


Samstag und Sonntag, 20 + 21. Oktober 2007

Was Moshi, Rugby und Kanadier gemeinsam haben

Ausschlafen, Einkaufen, Internet und mich dann überraschen lassen. So sah der Plan aus.
Solange es hier allerdings Kinder, Hunde, Hühner und eine Kuh gibt sehe ich für das Ausschlafen wirklich schwarz.
Der Rest hat allerdings sehr gut geklappt. So gut sogar, dass ich zwischendurch Rick getroffen habe, der mir gleich erzählt hat, wo das „Kilimanjaro Backpacker Inn“ ist, in dem er auch ein Zimmer für mich reserviert hat.
Immerhin wollten die Jungs mir am Abend die Stadt zeigen.
Am Nachmittag konnte ich den verpassten Schlaf vom Morgen nachholen, bis Rick dann die Geburtstagstorte von Rainer abholen sollte.
Tja, sie sah gut aus und wir haben uns kringelig gelacht über das „Happy 16th Birthday Rainer.“ Und nein, Rainer wird schon 22, er wird nur gerne von Rick damit geärgert, dass ihn mal jemand mit den Worten „Und hier haben wir den sehr jungen Rainer…. Er ist wahrscheinlich so etwa 15.“ Vorgestellt hat.
Der Abend? Ja, was kann ich darüber sagen?
Zuerst einmal ging es zum Essen mit einer Horde Kanadier und einem britischem Inder, der das deutsche Essen liebt.
Das Essen war gut und ich wurde zwischen Chris und Rainer sehr gut unterhalten. Bis auf: „Siehst du, schon wieder eine Nation, die euch nicht mag.“ Danke Chris und Danke Rainer, dass wenigstens die Kanadier „uns Deutsche“ mögen…
Das mit dem Kuchen hat nicht so geklappt, wir hatten ihn vorher abgegeben, aber leider mussten die Kellner niemand anderen als Rainer fragen, wann sie ihn denn servieren sollen.
Der stand ein wenig auf dem Schlauch, fand es am Ende aber doch recht witzig.
Danach ging es in eine Open-Air-Bar, in der es normalerweise Live Musik gibt, doch da ja gerade das Endspiel der Rugby Weltmeisterschaft im Gange war, gab es die leider nicht.
Stattdessen gab es eine Menge betrunkener Engländer und ein paar glückliche Südafrikaner.
Bin ich eigentlich die einzige, die vorher noch nie ein Rugby Spiel gesehen hat und die die Outfits dieser doch sehr muskulösen Männer ein wenig … komisch findet?
Irgendwie war es dann aber doch ganz witzig, da Jenny, eine Kanadierin, die seit 5 Jahren in England studiert mir die Regeln wenigstens in den Grundzügen erklärt hat. Gegen 2 Uhr ging es dann weiter in „Pub Alberto“ und darüber sag ich lieber nichts außer: Ich hasse Diskos.
Nach einer witzigen Taxifahrt, du willst nie von deinem Taxifahrer während der Fahrt die Worte „And where are we going?“ hören, landete ich schließlich wieder im Backpackers.
Bilanz: Zwei Stunden geschlafen, zu viel getrunken und so schnell nicht wieder Pub Alberto.

Montag, 22. Oktober 2007

Gelangweilt? Wir doch nicht…

Es gibt Grund zum Feiern. Ich bin HIV-Negativ. Bis auf die Minuten, die ich auf das Ergebnis gewartet habe war der Tag allerdings ziemlich langweilig.
Da das auf den Abend auch zutraf haben Denis, Rainer und ich Rick genervt, der allerdings nicht viel zu sagen hatte außer: „Go and play in the traffic.“
Wir haben lange gesucht, aber keinen gefunden.
Ach ja, englisch ist ja so heimtückisch. Nach ein paar Bier kann dann aus „Sit down“ schon mal „Shit down“ werden.
….ist nicht mir passiert.



Dienstag, 23. Oktober 2007

Mzungu. Mehrzahl Wazungu

1 x Amerika
2 x Schweden
5 x Norwegen
11 x Deutschland  Bilanz an Wazungu im Krankenhaus heute.

Außerdem ereignete sich folgender Dialog:

Ellen: Hallo.
Frau: Hello. How are you?
Ellen: I’m fine. Where do you come from?
Frau: Germany.
Ellen: Na dann: Herzlich Willkommen hier.
Frau: Oh, dein Deutsch ist aber gut.

… wollen wir es hoffen. Ansonsten hab ich die letzten 20 Jahre wohl geschlafen. Aber zur Erklärung: Die Frau dachte, ich wäre aus Norwegen.

Und was für ein schöner Abend, wenn du deinem tansanischem Mitbewohner erklären musst, warum die meisten Deutschen Hitler nicht unbedingt mögen, was er nicht versteht, da er den Plan mit Deutschland als Weltmacht gar nicht so schlecht findet.
Aber immerhin bekomme ich seit einigen Tagen neben dem üblichen „Good Night“ und „Lala Salama“ ein sehr schweizerisches „Gut Nacht“ zu hören.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Game Over

Okay. Es hat Spaß hier gemacht, es war anstrengend hier, ich hatte eine Menge Heimweh und jetzt würde ich gerne nach Hause.
Und kann nicht.
Game Over. Ich geb auf. Ich kann nicht mehr.
Meine Eltern haben heute versucht meinen Flug umzubuchen, aber alles was sie erreichen konnten ist der 5.12.2007.
Ich bin jetzt mehr oder weniger genau 3 Monate hier und ich werde einen weiteren überleben (müssen), aber ich will einfach nicht mehr.
Ich will nach Hause. Ich will einfach nur nach Hause…

Freitag, 26. Oktober 2007

???

Ich hab nur eine Englische Bibel griffbereit, deswegen muss es jetzt auch mal so gehen:

Laughter may hide sadness.
(Proverbs 14.13)

Ist nicht mein bester Tag hier gewesen. Nach gestern wäre ich am liebsten überhaupt nicht aufgestanden.
Der Tag wurde allerdings besser, als er gestartet hat.
Egi und Klaus sind angekommen, zwei Deutsche vom Bodensee. Er ist Gynäkologe und sie ist Physiotherapeutin und sie werden ebenfalls im Krankenhaus arbeiten.
Tja, hab ich hier wenigstens wieder Deutsche Verstärkung, was ich im Moment dringend brauchte.
Ansonsten geht es auf und ab und ich hab immerhin schon einen Schritt in Sachen akzeptieren gemacht, in dem ich mir einen Kalender gebastelt hab in dem ich genau 41 Tage ab kreuzen kann.

Samstag, 27. Oktober 2007

Karibo!

„Das Wochenende wird (hoffentlich) ruhig, ich muss dringend etwas schlaf nachholen.“ So stand es am Samstagmorgen in meiner Ellen-Afrika-News-Rundmail # 12.
So war es vorgesehen. Aber hey? Was hab ich gesagt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Egi und Klaus hatten mich gebeten ihnen Moshi zu zeigen. Da ich sowieso eigentlich nur Marmelade und ein Internet Cafe brauchte, kein Problem.
Schön, wenn ich von Nutzen bin und mich selbst dabei ablenke.
Als wir um 9 Uhr allerdings losmarschieren wollten trafen wir erst einmal auf Pokea, der Klaus abholen sollte, da es im Krankenhaus einen Notfall Kaiserschnitt gab.
Tja, also hieß es, Moshi erst einmal verschieben und ab ins Krankenhaus. Egi und Klaus in den OP und ich in Doktor Lauwos Büro und dort ins Internet.
Ein bisschen tat es mir leid, da ich sonst meistens mit meinem Vater noch ein paar eMails wechselte, der aber erst 2 Stunden später mit mir rechnete. Schade.
Nach der erfolgreichen Operation ging es dann aber tatsächlich nach Moshi, wo ich den beiden die Einkaufsmöglichkeiten und den Markt zeigte.
Da ich mich als Guide anscheinend recht gut machte wurde ich zum Essen eingeladen und genoss es einfach mal wieder Deutsch zu reden.
„Zu Hause“ liefen mir für etwa 5 Minuten Rick und Denis über den Weg, die eigentlich schon halb auf dem Weg nach Moshi waren.
Da ich dachte, dass Rainer sich garantiert auch nicht lumpen lässt nach Moshi zu fahren wird das wohl ein sehr ruhiger Abend.
Na ja, weit gefehlt.
Rainer plante den Abend in Marangu zu verbringen und hatte Verstärkung mitgebracht.
Also saß ich, ehe ich mich versehen konnte mit 5 anderen Personen am Tisch und aß. Natürlich erst nachdem wir die Küche heillos verwüstet hatten und alle möglichen und unmöglichen (man muss ja alles mal ausprobiert haben, also auch wie die Schotten Schokoriegel in Teig zu verpacken und zu frittieren, mit 1.5 KG gebratenem Fleisch, einem riesigem Haufen Chapatti, verschiedenen Salaten, Emrans auf dem Gasherd flambierten Auberginen und selbstgemachten Pommes) leckeren Sachen gekocht hatten und bestaunten den Berg an Essen.
Erwähnenswert ist übrigens, dass wir sechs Personen am Tisch waren, die allesamt verschiedene Pässe haben.
Aaron hat einen amerikanischen, Rainer seinen kanadischen und schweizer (der Angeber braucht gleich zwei…), Roy einen tansanischen, Tom einen irischen, obwohl er in England lebt, Emran einen britischen, obwohl seine Familie aus Indien stammt und jetzt in Moshi wohnt und ich meinen deutschen.
Der Abend gestaltete sich lustig, da die Jungs eine I-Pod-Battle machten, was sich in etwa so gestaltete: Möglichst noch bevor ein Lied zu Ende war hastete der Nächste zum Fernseher stöpselte den I-Pod ab warf ihm dem Besitzer in den Schoß und stöpselte seinen an. Und das bis 2 Uhr nachts.
Zwischendurch ließen es sich aber auch Rainer und Aaron nicht nehmen ihre Gitarren auszupacken und selbst zu spielen und zu singen.
Respekt. Ich hab selten jemanden getroffen, der so gut spielen und vor allem frei singen kann wie Aaron.
Woraus der Lieder macht ist schon erstaunlich.
Als Roy auf dem großen Sofa schlief, Tom es sich mit seinen 1.93 m auf dem zweier Sofa gemütlich gemacht hatte (Ich verstehe immer noch nicht, wie er dort schlafen konnte) und Rainer immer wieder einschlief ging es dann langsam aber sicher dem Ende zu.
Vor allem, da ich mir wirklich den Allerwertesten ab fror, als ich mit Emran kurz draußen war. Erstaunlich, wie kalt und regnerisch es hier in der letzten Zeit ist… wobei kalt.. ne? T-Shirt am Tag und ab 20 Uhr dann Pulli.
Fazit: Nette Menschen, gutes Essen und ein schöner Abend, außerdem weiß ich jetzt, dass ich mein V im englischen immer ein bisschen wie ein W ausspreche, womit man Menschen unheimlich amüsieren kann.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Das Kind im Mann
oder:
Der wahrscheinlich größte Abenteuerspielplatz der Welt

Der Morgen fing so an, wie der Abend aufgehört hat.
Aufräumen, erneut Kochen (wir haben sagenhafte 19 Eier verbraten) und Gitarre spielen bzw. zu hören.
Eigentlich sollte es zu den Wasserfällen hier in der Nähe gehen, allerdings regnete es Bindfäden, so dass am Vormittag nichts daraus wurde.
Nachdem es endlich mal für 20 Minuten aufgehört hatte zu regnen nahmen wir das als ein gutes Zeichen und wanderten auf gut Glück drauf los.
Roy wusste den Weg zum dritten Wasserfall, bei dem auch ich noch nicht war. 15 Minuten, einige tiefe und rutschige Stufen und 2000 TSH ärmer später waren wir angekommen.
Der Wasserfall war wie alle hier wunderschön, aber das Beste daran war, dass das Wasser tatsächlich so tief war, dass man richtig schwimmen konnte und die Sonne sich auch blicken ließ.
Habt ihr euch schon einmal Gedanken darum gemacht, wie unterschiedlich Frauen und Männer die Welt sehen?
Frauen schauen sich Felsen an und denken sich: Oh, die Blumen die dort auf diesem großen Felsen wachsen sind aber schön, was das wohl für eine Art ist? Die Sonne scheint aber auch wunderschön darauf. Ui, da sind ein paar Menschen. Ganz schön hoch…
Männer denken: Oh. Felsen. Runterspringen.
Zur Erklärung: Der Wasserfall fällt in ein rundes Becken, das von Felsen eingerahmt ist. Diese Felsen stehen fast frei und man kann sie über einen kleinen Umweg sehr gut erreichen.
Um es kurz zu machen: Aaron und Rainer waren tatsächlich so verrückt die 10 Meter hinunter zu springen. Beim zweiten Felsen, der fast doppelt so hoch war, haben sie deutlich länger gezögert, es aber trotzdem auch gemacht.
Rainer hat dort den Boden berührt und einen recht fiesen Kratzer am Rücken, ansonsten haben sie es wohl beide gut überstanden.
Na ja und weil man natürlich nicht den Weg zurück gehen kann, den Man(n) gekommen ist überlegt man sich natürlich folgendes:
Fluss. Fluss trifft auf Straße. Folglich muss man nur Fluss folgen um zur Straße zu kommen.
Wie gut, dass die Flussbetten hier wirklich fiele Steine haben, man könnte fast sagen, es sind mehr Steine um die ein bisschen Wasser fließt, als das es wirklich ein normales Flussbett ist. Es sind nicht nur diese kleinen Steine, die man ab und zu aus Deutschland kennt. Nein, hier liegen ganze Felsbrocken im Wasser und da die Uferböschung nicht zu begehen war sind wir dann dem Flusslauf im Fluss gefolgt.
Tom und ich hatten recht schnell nasse Füße, da wir beide zwei Mal ausgerutscht sind, aber es hat unheimlich Spaß gemacht.
Nach einiger Zeit hieß es dann doch noch: Böschung rauf, Böschung wieder runter. Von Stein zu Stein springen, es geht nicht weiter, also die Böschung wieder rauf und wieder runter zum Fluss.
Irgendwann ging es dann tatsächlich nicht weiter und wir mussten die Böschung ganz hinauf. War wahrscheinlich die beste Idee, die wir an diesem Tag hatten, da wir recht schnell auf die Straße trafen, die wir gesucht hatten. Natürlich erst, nachdem wir über das Grundstück von ein paar sehr erstaunten Einheimischen getrampelt waren.
Im Regen sind wir 6 dann einheitlich eingesaut und durchnässt zurück gelaufen.
Muss ein recht erstaunliches Bild gewesen sein… wie sich bestimmt jeder vorstellen kann.
Ach ja, wir haben übrigens das (fast) unmögliche geschafft und sämtliche Teller benutzt, die wir im Haus haben. Und glaubt mir, wenn ich sage dass das nicht wenige sind. Immerhin haben wir hier einen eigenen Raum für Geschirr.



Montag, 29. Oktober 2007

Gesammelte Erfahrungen
Teil III

1. Ugali (Maisbrei) schmeckt nach gar nichts.
2. Glückwunsch- usw. Karten bekommt man vorgeschrieben, so dass man nur noch seinen Namen darunter setzten muss.
3. Afrikanisches Toilettenpapier kann man auch als Schmirgelpapier benutzen.
4. In Afrika geht alles langsamer nur lesen, dass geht hier irgendwie schneller (siehe Jaana und der Stapel Bücher neben ihr).
5. Beten vor der Dalla-Dalla fahrt macht durchaus Sinn
6. Auch Bus-, Taxi- und sonstige Autofahrer trinken hier „One (Konyagi) for the Road“.
7. Korruption gibt es nicht nur in Hollywood-Mafia-Filmen.
8. Für den Fahrer herrscht Anschnallpflicht für seine 18 Mitfahrer nicht.
9. Kauft man in Moshi auf dem Markt Erdnüsse muss man auf alles gefasst sein. Auch auf Fische in der Tüte.
10. Es gibt Mais und es gibt Mais. Mit „Kochmais“ kann man kein Popcorn machen.
11. Familie ist manchmal sehr anstrengend. Aber es ist sehr schön sie zu haben.
12. Arusha während des Ramadans ist nicht zu empfehlen. Außer, man kann sehr gut bei Lärm (ein-)schlafen.
13. Auch in den größeren groß Dalla-Dallas gibt es Fahrscheine. Oder zumindest den Beleg, dass man bezahlt hat, während es den bei der Polizei nur sehr selten gibt.
14. Die einzige Verkehrsregel hier ist, dass es keine gibt.
15. Wenn man die Musik einer tansanischen Hochzeit hört ist man automatisch eingeladen.
16. Rick ist alt.
17. Termine werden hier selten bis gar nicht eingehalten. Heute…Morgen… was macht das für einen Unterschied?
18. Daumen werden beim anzeigen von Zahlen nicht beachtet.
19. Fußgänger haben hier keine Rechte.
20. Handeln ist ein Volkssport.
Dienstag, 30. Oktober 2007

Schoolscreening

[Schoolscreening, das: Kinder einer bestimmten Schule werden auf Krankheiten und Erscheinungsbild hin untersucht; die Ergebnisse werden für die Eltern festgehalten]
Mal etwas neues. Ein Schoolscreening. Eine unserer Krankenschwestern hilft regelmäßig bei den Schoolscreenings, die hier in der Region gemacht werden. Sie hatte Agnetha (Egi) gefragt, ob sie gerne mitkommen würde, was wiederum mich auf den Plan gebracht hat.
Das Schoolscreening war, ja? Irgendwo außerhalb von Moshi. Wo genau… ich hab keine Ahnung. Aber ich hab ja sowieso selten eine Ahnung, wo ich mich gerade befinde.
Außer mir waren noch zwei schwedische Krankenschwesterstudenten aus Machame dabei. Eigentlich hatte ich gehofft, dass auch Lara dabei ist, aber die packt, da sie Morgen Richtung Sansibar aufbricht.
Viel Spaß dort, aber ich drifte ab.
Ehrlich gesagt muss man ja mal sagen, dass ich keine blassen Schimmer von Medizin habe. Wie soll man mich also bei einem Schoolscreening am Besten einsetzten?
Klar, man gibt mir etwas, womit ich den Kindern in die Ohren leuchten kann und sagt mir:
„Guck einfach, ob irgendetwas falsch aussieht.“
„Und woran sehe ich ob es falsch aussieht?“
„Das siehst du dann schon… guck einfach ob es rot ist.“
ROT? Wie soll man denn bei einer braunen Hautfarbe sehen ob etwas ROT ist???
Ich glaube ich war gar nicht schlecht und ich habe noch nie so viel Ohrenschmalz auf einem Haufen gesehen.
Immer wenn es zu schlimm aussah hab ich dem Kind ein bisschen Ohrentropfen in die Ohren geträufelt und ein bisschen Watte hinterher geschoben. Mehr konnte ich leider auch nicht machen.
350 Kinder haben wir insgesamt „gescreened“ und haben dafür in etwa vier Stunden gebraucht.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich euch jetzt zwei Stunden voraus bin? Fühlt sich komisch an.
Mein Abkreuz-Kalender zeigt 37 ungekreuzte Tage, wenn man diesen mitzählt.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Huch…

Rollstuhlfahren ist anstrengend und gefährlich.
Jedenfalls in unserem Krankenhaus.
Manchmal lerne ich wirklich erst durch Learning by doing.
Rampen runter ohne richtige Bremse am Rollstuhl ist riskant. Rampe hoch noch gefährlicher. Ich hab nicht damit gerechnet, dass der Rollstuhl ja rückwärts wieder runterfährt, wenn man die Arme mal kurz ausruht.

Alltag ist, wenn du dich nicht mehr darüber wunderst, dass einer deiner Mitbewohner halbnackt durch das Haus wandert und nach heißem Wasser schreit, während die beiden anderen lautstark darüber diskutieren, ob „schnelltrocknende Unterhosen“ soft, gay oder völlig normal sind.




Donnerstag, 1. November 2007

Such a waste

Ørjan räumt im Moment einen Raum im Krankenhaus auf, von dem nur die wenigsten wussten, dass es ihn überhaupt gibt.
Es ist der Raum, in den quasi alle Spenden gewandert sind, die hier so eingehen. Und dann dort verstauben.
Kaum zu glauben, was man dort alles findet.
Wir beschweren uns immer, dass es kaum funktionierende Blutdruckmessgeräte gibt und dort gibt es gleich drei funktionierende elektronische.
Von einem ganzen Ultraschallgerät und jeder Menge künstliche Darmausgänge mal ganz zu schweigen.
Wir haben heute zusammen eine Menge abgelaufene AIDS Medikamente vernichtet, die man einfach nicht mehr benutzen konnten.
Ich hab keine Ahnung, wie viele Tabletten und wie viele Liter Medizin wir weggeschmissen haben und irgendwie tut es mir leid. Irgendwer hat dafür bezahlt (selbst wenn es Überschuss der Fabriken war) und hat sie nach Marangu gebracht und wir schmeißen sie nun weg.
Tolle Wurst.
Abgesehen davon wird hier jetzt ein RehazentrumSchrägstrichHospitz gebaut. Fragt mich nicht, was es genau sein soll. Ich weiß, dass es etwa 100 extra Betten fassen soll und ich muss mir ehrlich die Frage stellen: Ist das nicht zum Fenster herausgeworfenes Geld?
Eine der Grundideen war es, dem Krankenhaus so zu einem Schwerpunkt zu verhelfen. Klasse Idee.
Aber wie macht man das ohne Patienten?
Nicht zu vergessen, dass das Jubiläum auch einfach ein wenig verschoben wurde, da man mit der Grundsteinlegung auf den Präsidenten warten will.
Ich bin gespannt, ob ich es noch miterleben werde.

Heute gab es auf der General Ward eine recht unschöne Szene. Eine Frau war nun vier Wochen hier, ihr kann nicht geholfen werden, da sie schwere psychische Probleme hat.
Also soll sie nach Hause.
El Problemo: Die Familie will sie nicht und will auch nicht die Krankenhausrechnung begleichen.
Doktor Simba der Böse, wie er sich selbst betitelt, hat den Ehemann der Frau heute allerdings nicht eher gehen lassen eher er seine Frau nicht mitgenommen hat.
Die arme hatte ganz offensichtlich höllische Angst vor ihrem Mann und wurde trotzdem aus dem Krankenhaus „geworfen“.
Doktor Simba der Böse hat heute übrigens seinen bisherigen Rekord (seit September, also seit ich ihn kenne) gebrochen mit einer Visite von sage und schreibe 3 Stunden für 24 Patienten.

Montag, 5. November 2007

Genau ein Monat

Das Wochenende war so ruhig, dass es eigentlich mal wirklich gar nichts zu berichten gibt.
Na ja, außer: Moshi und Schuhe kaufen. Das verträgt sich nicht. Jedenfalls, wenn man nicht Schuhgröße 44 + hat und nicht auf Schuhe steht, die schon fünf vorherige Besitzer hatten.
Na ja, ich bin weiterhin auf der Suche und solange hoffe ich einfach, dass es nicht regnet.
Meine Nacht war heute um 4:50 Uhr zu Ende.
Irgendwie war unser Grundstück voller Leben und als irgendwer anfing an den Gittern unserer Terrasse zu spielen war für mich die Nacht vorbei. Vor lauter Angst hätte ich mich am liebsten unter der Bettdecke verkrochen und wär nie wieder herausgekommen.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich es bereut habe das Angebot von Agnetha und Klaus abgelehnt zu haben, die Vorgeschlagen haben einfach bei ihnen im Haus zu schlafen, wenn mir mein Haus zu einsam ist.
Hätte ich es mal gemacht…
Na ja, es kommt bestimmt ein nächstes Mal, wenn ich alleine im Haus bin.
Ach ja: Heute in einem Monat um diese Uhrzeit (17:48 Uhr) bin ich schon zu Hause. Schön.

Donnerstag, 8. November 2007

Was man alles wird

Morgens halb 10 in Tansania. Da wird man zum Insekten Jäger, zur Sprechstundenhilfe, zum Laufboten, zur Krankenschwester, zur Kindertrösterin, zur Handlangerin und vielem mehr.
Man merkt, dass es hier Sommer wird, die Temperaturen steigen unaufhörlich. Brauchte ich am Anfang sogar noch einen Schlafsack unter meiner Decke so ist mir nun sogar die dünne Decke schon zu viel.
Mal abgesehen davon, dass ich in letzter Zeit sowieso sehr schlecht schlafe, weil fast jede Nacht an unserem Gitter geruckelt wird.
Ich gehe stark davon aus, dass es nur ein paar Tiere (Buschbabys?) sind, aber Angst hab ich trotzdem.
Diese Nacht werd ich das Angebot wohl annehmen und im anderen Haus verbringen, da meine Mitbewohner allesamt in Moshi-Town sind.

Freitag, 9. November 2007

Sommer, Sonne, …

Total number of patiens: 17
Total number of patiens in the general ward: 6; in the afternoon: 5
Ja, es war heute wirklich unglaublich wenig los.
Wenn man mal davon absieht, dass Doktor Mafole einem 3 Monate altem Baby, unter lokal Anästhesie wohlbemerkt, einen überflüssigen sechsten Finger abgesäbelt amputiert hat.
Hallelujah.
Ansonsten: So stelle ich mir Afrika vor. Hier wird es immer heißer, was ich zwar bei der Arbeit nervig finde, sonst aber super. Im Moment sitze ich im Kibo-Hotel, esse Eis und lasse es mir gutgehen.
Heißt ja nicht umsonst in fast jeder eMail die ich bekomme ich soll die restlichen Tage genießen.
(19:46) Klasse, Rick ist zu Hause und Denis wird wohl im Laufe des Abends noch eintrudeln und mich dann leider noch einmal wach machen, da er keinen Schlüssel hat und ich garantiert nicht mit offener Tür schlafe. Aber immerhin: Ich kann in meinem eigenen Bett schlafen.
Rick hat ein paar DVD’s gekauft, nachdem wir nun seine und meine durchhaben. Unter anderem: „Planet Earth“ von BBC Video. Worum es geht? Nun ja, unsere Erde.
Im Moment gucke ich mir „Caves“ (Höhlen) an und was darin so lebt. Ich befürchte, dass ich noch einiges vorhabe.
Es gibt insgesamt 4 DVD’s… Wünscht mir viel Spaß.

Sonntag, 11. November 2007

Ellen kämpft mit dem Wasser

Manchmal frag ich mich selbst, wie ich hier überleben kann, ohne bleibende Schäden wohlgemerkt. Gestern bin ich beinahe überfahren worden, weil Fahrer und ich leider beide in jeweils nur eine (die freie) Richtung gesehen haben.
Heute Morgen hab ich mich beinahe mit kochendem Wasser verbrüht, da ich waschen wollte und das Wasser auf dem Herd kochen musste um es dann ins Badezimmer zu schleppen.
Ende der Aktion: Endlich wird die Küche mal wieder aufgewischt…
Abgesehen davon haben wir schon wieder kein Wasser und diesmal meine ich so richtig gar kein Wasser. Draußen steht noch eine Tonne und dann ist Ende im Gelände.
Schon blöd. Ich musste nämlich schon eigentlich meine Hose waschen, da ich die Morgen brauche und meine Haare und ich sind ein wenig verschwitzt, da es nicht einmal mehr nachts richtig abkühlt und ich regelmäßig klatschnass aufwache.
Na gut, mittlerweile bin ich geduscht (das Badezimmer auch) und die Wäsche trocknet.
Wasser haben wir immer noch keins.
Mir gehen jetzt wirklich langsam die Bücher zum Lesen aus… aber wenigstens hab ich entdeckt, dass ich im Kibo-Hotel welche leihen kann.
Die Auswahl ist begrenzt, aber hey, immerhin etwas.
Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass mein Bein aussieht als wäre ich einmal mit einem Reibeisen drüber gegangen?
Die Straßen sind hier im Moment super rutschig, da es lange nicht geregnet hat und die Steine vor allem auf abschüssigen Straßen recht rutschig sind.
Na ja, Ende der Geschichte: Ein ausgeratschtes Bein.
Pole Sana an alle, die jetzt im kalten Deutschland sitzen. Ich leg mich jetzt in die Sonne.

Montag, 12. November 2007

Business as usual

Du bist angekommen, wenn du dich darüber freust bei gleich zwei Operationen dabei sein zu können und dir dabei nicht mehr schlecht wird, du dich auf dem Heimweg nicht darüber wunderst, dass 10 Kinder gleichzeitig nach deiner Hand greifen und nach Schokolade und Stiften schreien natürlich erzählst du der netten Frau, die dich nach einer „short story“ über dich fragt eine.
Ich fange an, mich über die Tage, die ich noch hier habe (24, wer es genau wissen will) zu freuen und genieße sie. Na gut, ich genieße sie, bis auf die Nächte (ja, ich weiß ich steigere mich da in etwas hinein, aber mittlerweile wache ich von jedem kleinen Geräusch auf) und die Zeit nach dem Aufstehen, wenn ich den vorherigen Tag abkreuzte und feststelle, dass es ja doch noch eine Weile ist, bis ich zu Hause bin.

Dienstag, 13. November 2007

An Tagen wie diesem…

…wünsche ich mir nichts mehr, als wie ein Bär Winterschlaf machen zu können. Eine Höhle suchen und schlafen und im nächsten Frühling wieder aufwachen.
Die Tatsache, dass hier gerade Frühling ist wird aus gegebenen Anlass gekonnt ignoriert.
Der Tod hat für mich, auch hier, noch keine große Rolle gespielt. Klar, Menschen sterben, allerdings hab ich es [aus Selbstschutz] meistens so eingerichtet, dass ich es im Grunde nur mitbekommen habe, weil wieder ein Bett leer war.
Heute Nacht gab es einen Notkaiserschnitt und heute Morgen war die Mutter tot. Heute Mittag ist dann auch das Kind gestorben.
So traurig es auch ist, dass das kleine nicht einmal einen Tag auf dieser Erde hatte, tröste ich mich damit, dass es jetzt mit seiner Mutter irgendwo im Himmel sitzt und es sich gut gehen lässt.
Na ja, und ich hab wahrscheinlich unseren „Kühlmann“/Pathologen/Leichen-ins-Kühlhaus-bringer (Ich muss ihn unbedingt mal nach seiner Berufsbezeichnung fragen) ein wenig durcheinander gebracht, weil er überhaupt nicht verstehen konnte, wieso ich das kleine Kind bei seiner Mutter im Kühlfach sehen wollte und nicht in einem, wo noch mehr Platz war.
Für die, die es interessiert: Hier gibt es drei von diesen Typischen ausziehbaren Kühlfächer und wenn es viele Tote gibt, dann werden sie halt doppelt belegt.
Die Mutter lag bereits mit einer alten Frau in einem Fach und in einem anderen in dem „nur“ (im Sinne von „eins/1“) ein sehr verhungertes Kind lag.
Nach 10 Minuten Diskussion war der Kühlmann verwirrt und ich hatte meinen Willen. Das Kind war bei seiner Mutter.
Abgesehen davon gab es wieder zwei spannende Operationen, denen ich beiwohnen durfte. Diesmal eine Sterilisation (Tut mir leid, ich erinnere mich an den richtigen Namen nicht) und einen Kaiserschnitt, bei dem Linn sogar assentieren durfte.
Etwas, dass in Norwegen so nicht möglich ist.
Apropos Norwegen.
Ich hätte ein Spiel einführen sollen: Wie vielen Norwegern begegne ich heute.
Heute waren es 13.
5 davon arbeiten fest im Krankenhaus die anderen 8 waren mal wieder einfach so da. Und da sage noch einmal jemand, in dieser Region würde es viele Deutsche geben. Ich sag euch: Das ist gar nichts gegen die Norweger hier.
Im Grunde ist es ja auch nichts Schlimmes.
Allerdings ist es so: Kommen mehr als drei Norweger zusammen, dann verfallen sie automatisch ins norwegische, was ich (leider) nicht verstehe. Was wiederum für mich natürlich sehr langweilig ist. Jeder der schon mal in einem Land war, in dem er die Sprache sowieso nicht verstanden hat und dann auch noch in ein Gespräch involviert ist, dass er überhaupt nicht versteht weiß, was ich meine. Das ist schwierig und langweilig zugleich.
Vielleicht hätte ich statt Suaheli doch Norwegisch lernen sollen…

Donnerstag, 15. November 2007

Krank

Nach einer wirklich mal alles anderen als guten Nacht meldet sich Ellen zum Dienst zurück.
Na ja, vielleicht noch nicht ganz.
Rick ist ausgezogen, er hat in Kilema ein kleines Zimmer gefunden und muss somit den Weg von über einer ¾ Stunde nach und von Kilema täglich nicht mehr bewältigen, allerdings hat er wohl seine Bakterien oder was auch immer hier gelassen.
Eigentlich ist es recht unwahrscheinlich, dass ich mich bei Rick angesteckt habe, andererseits habe ich nichts gegessen, was nicht auch andere gegessen haben. Außer ein wenig Tomatenmark, von dem es allerdings auch fraglich ist, ob das schlecht werden kann.
Vor allem, wenn man es gerade erst zwei Tage zuvor geöffnet hat.
Es hilft alles nichts, ich wurde mit Durchfall, Erbrechen und Fieber schachmatt gesetzt und hoffe, dass es jetzt wieder vorbei ist.
Im Moment habe ich noch nicht ausprobiert ob ich Nahrung bei mir behalten kann. Ich erzähle euch dann später, ob es geklappt hat.

Freitag, 16. November 2007

I can see clearly now…

…the rain is gone.
Die Tage sind sonnig, die Nächte regnerisch.
Allerdings sollten wir „regnerisch“ definieren. In Deutschland würde ich regerisch definieren mit: Ein leichter Regen, der länger als eine Stunde anhält.
Hier in Tansania ist „regerisch“: Es regnet sehr stark bis sehr, sehr stark und lange und vor allem fast nur im Dunkeln.
Natürlich regnet es hin und wieder auch tagsüber, aber im Moment kann man sich eigentlich sicher sein, dass es vor allem nachts regnet.
Die Tage sind schwül und teilweise sonnig (im Moment ist es zugezogen, trotzdem schwül und es sieht verdammt nach regen aus) und sobald es dunkel wird fängt es an zu regnen.
Vorteil: Du wirst tagsüber nicht nass, wenn es gerade kein Wasser gibt kannst du draußen duschen.
Nachteil: Du kannst nachts nicht schlafen.
Fast alle Häuser haben hier Wellblechdächer. Eventuell kann man sich vorstellen wie laut der Regen hier wird, wenn er darauf trommelt.
Bevor ich es vergesse: Halleluja, ich kann wieder Essen bei mir behalten!
Es geht wieder besser, allerdings bin ich heute noch einmal zu Hause geblieben. Morgen muss ich wohl oder übel nach Moshi, da ich sonst nichts mehr zu Essen habe. Eigentlich wollte ich am Wochenende mit Lara nach Arusha mit die Snakefarm angucken. Das fällt flach, ich hab keine Ahnung, wie ich die lange Busfahrt und das umherlaufen überstehen würde.
Schade.

Samstag, 17. November 2007

Happy Birthday!

Happy Birthday to Bobby! Alles, alles Gute und Liebe zu deinem 22ten (ja, jetzt wirst du alt! Sieh dich vor, die 30 rücktiimmer näher XP )! Mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen!

Ich hab mich mit Lara in Moshi getroffen und wir haben zusammen einen schönen Nachmittag und Abend verbracht, lecker gegessen und uns über „Eine wie keine“ kaputt gelacht. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schön es ist, mal mit jemand gleichaltrigem Deutschsprechen zu können und sich über genau die gleichen Dinge austauschen zu können.
Jemand, der versteht, dass man Heimweh hat, Afrikaner manchmal schon eigenartig sind und man sich unheimlich auf zu Hause freut. Schöner Abend!

Sonntag, 18. November 2007

…und Schuld war nur das Hühnchen!

Drei Tage lang hatte mein Magen-Darm Trakt Ruhe gegeben, heute Morgen musste er sich umso lauter zurück melden.
Ich nehme an, dass ich das Hühnchen gestern Abend nicht vertragen habe und liege jetzt mit ein bisschen trockenem Brot und einer Menge Schwarztee wieder flach.
Hallelujah. Und das ausgerechnet heute, wo Lara und ich doch zu einem der Wasserfälle wollten oder sonst irgendwas machen.
Tolle Wurst. So was kommt aber auch immer zur falschen Zeit!
Nun gut, dann versuche ich nicht an Essen zu denken und höre mir weiterhin „Diane Gabaldons Highland Saga“ an.

Montag, 19. November 2007

El Problemo

Die Continuation Sheets für die „In“ Patients sind uns ausgegangen. Kein Problem, dachte ich, und machte mich auf die Suche.
Die Ward schickte mich zur Rezeption. Die meinten, sie haben keine und schickten mich zurück zur Ward, die mich an Tone verwiesen. Diese wiederum wusste, dass der Matron dafür verantwortlich war. Als ich diesen dann endlich gefunden hatte schickte er mich in sein Büro. Dort fand ich ja alles – aber nicht die gesuchten Papiere.
Also wieder zu Tone.
Die schickte mich diesmal zu Doc. Lauwo. Der fand zwar den Matron, aber keine Papiere. Die waren anscheinend ausgegangen. Der Matron fand an der Rezeption immerhin 3 der gesuchten Papiere für mich, für immerhin knapp 20 Patienten.
Der Rest wurde dann einfach auf der OB geklaut.
So einfach ist das hier.

Dienstag, 20. November 2007

Amoebi..bitte WAS?

Mir ist schlecht, ich hab Teilzeit Durchfall, ich fühl mich aufgebläht, hab Magen- und Kopfschmerzen.
Und das immerhin seit letztem Mittwoch.
Hört sich gut an, nicht?
Nachdem es gestern wieder besonders schlimm war und ich heute nicht einmal auf die General Ward gehen konnte ohne Würge Reiz, hat mich Tone heute einfach zum „Stool“ Test geschickt.
Der hat zwar nichts ergeben, aber Doc. Gunnar, der sich alles noch einmal angehört hat ist der Meinung, ich hätte Amoebiasis. Zu gut Deutsch Amböbiasis.
Klasse hum? Es sind noch fast genau zwei Wochen hier und ich muss krank werden.
Ich hab keine Ahnung, ob die Krankheit wirklich stimmt, jedenfalls bekomme ich Medikamente dagegen und hoffe das hilft.
[Zwei Stunden später] Hab mir mein Abendessen (Memo an mich selbst: Keine Chapatti in der nächsten Zeit) gerade noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Glaube nicht, dass es besser wird.

Samstag 24. November und Sonntag, 25. November 2007

Long time ago

Also erst einmal: Mir geht es wieder besser. Ich würd sagen zu 85% wieder da. Die restlichen 15% kommen dann die Woche über, so dass ich gesund nach Hause fahren kann.
Was ich sehr witzig finde ist, dass ich einige Sachen einfach im Moment nicht riechen kann. Alleine bei dem Gedanken an Bounty oder Hühnchen wird mir schlecht.
Dann: Yeah, noch 10 Tage hier, dann geht es nach Hause! Endlich.
Denn: Heute vor 4 Monate bin ich hier angekommen und ich muss mal ehrlich sagen, ich hätte nie gedacht, dass ich so lange hier bleiben würde. Nie im Leben hätte ich in den ersten Tagen und Wochen gedacht, dass ich Ende November immer noch auf dieser Terrasse sitzen würde und die Sonne genießen würde. Tja, jetzt sitze ich immer noch hier und freue mich wie eine Wahnsinnige auf zu Hause!
Und Nummer drei: Zumindest bin ich heute nicht alleine im Haus, denn der liebe Rainer hat entschieden, dass seine Zeit in Namibia Benin um ist und er wieder zurück nach Tansania kommt. Ich kann nur sagen: Karibu!

Montag, 26. November 2007

Überlebt

Ich durfte heute zum ersten Mal assistieren im OP. Mir ist auch nur ein bisschen ( meint sehr) schlecht geworden. Nur kurz, weil eine Blutung nicht sofort gestillt werden konnte, dann ging es wieder.
Hat auf alle Fälle sehr viel Spaß gemacht.

Dienstag, 27. November 2007

Ja, wo seits‘ ihr denn alle?

Es hatte heute irgendwie so ein bisschen etwas von Vor-Sommerferien-Stimmung. Um halb drei Uhr nachmittags war das Krankenhaus wie ausgestorben. Kein einziger Patient war zu sehen.
Am Morgen hatte es eine kleine Diskussion gegeben, da die Clinical Officers die Out-Patients (Also die, die ambulant da sind) immer ein wenig zu lange warten lassen.
Es hätte sich aber in der letzten Zeit gebessert.
Ich hab ja nicht viel gelernt im Mathe Unterricht aber, dass die Wartezeit proportional zu den wartenden Patienten abnimmt, das ist selbst für mich einleuchtend.

Mittwoch, 28. November 2007

Moshi

Ich hab Aaron, Tom, Jenny ja, sogar Rick getroffen. Aber den Mann, den Assistensbischoff, den ich eigentlich treffen wollte, den habe ich natürlich nicht getroffen.
Dafür hab ich das Geld für die Miete von der Bank geholt… könnt ihr euch vorstellen, wie toll es ist mit mehreren 100.000 Shilling rumzulaufen und Dalla-Dalla zu fahren? Ich war noch nie, so froh, wieder im Haus zu sein. Mit so viel Geld sieht doch irgendwie jeder um einen herum wie ein Schwerverbrecher aus.

Freitag, 30. November 2007

Letzter Arbeitstag

Ja, ich kann es kaum glauben. Es ist über vier Monate her, dass ich das erste Mal ins Krankenhaus zum Arbeiten ging. Heute ist es das letzte Mal.
Die Verabschiedung in der Kirche war – schön und tränenreich. Wir sind nicht vergessen worden und haben ein paar super-liebe Worte zu hören bekommen. Jeder von uns hat ein kleines Geschenk bekommen.
Ich bin nun stolze Besitzerin eines afrikanischen Kleides, in das ich bestimmt zweimal passen würde. Aber hey, es ist der Gedanke der zählt.
Wirklich „Good Bye“ gesagt wird heute allerdings noch nicht. Das mach ich am Dienstag.

Samstag, 1. Dezember 2007

Welt-AIDS(HIV)-Tag

Welt-AIDS-Tag in Afrika… ja.
Ich bin in einem Land, in dem AIDS zwar eine große Rolle spielt (etwa jeder 12te ist infiziert), aber immer noch recht totgeschwiegen wird.
Kaum zu glauben, wie viele Aktionen es trotzdem in dieser Region gibt. Denis war der Meinung, ich müsste unbedingt mit nach Kilema kommen und dort den Tag verbringen, aber ich hatte schon Tone versprochen am Wasserfall vorbeizugucken.
Denn dort hatte das TTC, Tone und ihre Hilfsorganisation (Das Krankenhaus hatte kurz zuvor zurückgezogen) und der Wasserfall eine Aktion gestartet.
Die Schüler vom TTC haben eine Drama Group und ein paar Trommler auftreten lassen und es gab ein paar (zu lange) Reden.
Alles in allem sehr gelungen, auch wenn ich dann irgendwann in einer seeeehr langen Rede (die ich natürlich nicht verstanden habe) gegangen bin.
Na ja, ansonsten kann ich nur sagen: Die Abende sind lang. Ich hab mittlerweile alle meine DVDs zwei Mal geguckt und freu mich mal wieder auf einen Fernseher. Das können selbst „The Bourne Identity (1 und 2), Blade (1, 2 und 3) und Underworld (+ Underworld Evolution) nicht retten. Obwohl ich sagen muss, die Filme sind nicht schlecht und zu Hause hätte ich sie nie gesehen.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Advent, Advent ein Lichtlein brennt

Kaum zu glauben, dass heute schon der erste Advent ist. Hier brennt kein Lichtlein, dafür ist es eindeutig zu warm. Ich schwitze wie ein *zensiert* und freue mich auf ein kühleres Wetter in Deutschland.
Gebt mir zwei Stunden in Deutschland und ich heule dem warmen Wetter hier nach.
Da ich heute sowieso nichts zu tun habe, Agneta und Klaupeter haben sich heute Morgen auf ihre Safari gemacht, hab ich schon einmal angefangen zu packen. So langsam realisiere ich erst, dass es bald wirklich nach Hause geht.
Zeit um Christian nach zu machen und mal zu gucken, was ich vermissen werde und was nicht.

Was ich vermissen werde:

- Fremde Auto-, LKW-, Motoradfahrer und Fußgänger werden bei deinem Anblick langsamer und winken dir lustig zu oder fragen dich, wo du hin willst
- Die freundlich Gespräche mit Einheimischen auf meinen Wegen. Oder einfach nur ein freundliches „Habari Yako“
- Meine Mitbewohner und die vielen Menschen hier, die mir ans Herz gewachsen sind
- Das Wetter… wer hat schon im Dezember Temperaturen von bis zu 30°C
- Die besondere Stimmung, die hier zwischen „Weißen“ herrscht. Man ist weit weg von zu Hause in einer völlig fremden Kultur. Das verbindet.
- Mein Dasein als Volunteer
- Das günstige Obst und Gemüse hier. Passionsfrüchte, wie werde ich sie vermissen.
- Das Essen. Chicken&Chipsi oder Chapatti und die Milchshakes hier überall…. Hmmm….
- Die lustige Aussprache der Menschen
- „Hellen, Ellena, Elleni…..Was war noch mal dein Name?“
- Rainers Gitarrenspiel und die Abende mit den Kindern aus der Umgebung hier, die alle mit trommeln und singen „I lost my baby…..“ …sing…
- Das Krankenhaus
- Die Zeit einfach mal zu entspannen und viiiiiiel zu lesen*
- Rick und seine (dummen) Sprüche (Ellen:„Stell dir mal vor, wir haben im Krankenhaus eine schwangere Frau, deren Baby hat kein Gehirn.“ Rick: „Oh. Es ist männlich, oder?“)
- Immer wieder neue Sachen lernen (zum Beispiel in sein Omlett Pommes zu schütten…)

Was ich definitiv nicht vermissen werde:

- Fremde Auto-, LKW-, Motoradfahrer und Fußgänger werden bei deinem Anblick langsamer und winken dir lustig zu oder fragen dich, wo du hin willst
- Du wirst immer angesprochen, ob du schlechte Laune hast oder nicht
- Du sollst immer etwas kaufen „Karibu Mzungu!“
- Kaputte Schuhe = Kaputte Socken = Saumäßig dreckige Füße
- Das Essen (Wie kann man nur soviel Reis und Ugali (Maisbrei) essen?)
- Die Angst in der Nacht. Zu Hause krabbelt wenigstens kein Affe über das Dach und lässt mich vor Angst erstarren
- Das ständige abschließen. Ja, in Deutschland kann ich meine Tür auch mal für eine Stunde offenstehen lassen, ohne das gleich alles geklaut ist.
- Dalla-Dalla fahren. Ich steh nicht sonderlich auf Selbstmord.
- Roten, braunen, schwarzen Staub
- Das Krankenhaus
- Meine Mitbewohner und ihre Unfähigkeit leise aufzustehen
- Rainer und seine Gitarre
- „Wir können Spagetti machen.“ „Nein, können wir nicht, wir haben kein Strom… oh, und kein Wasser!“
- Zwei Stunden auf’s Essen in Hotels warten

* Eine kleine Auflistung all der Bücher, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe. Das es nicht mehr geworden sind, ist alleine dem Mangel an Büchern hier zuzuschreiben…

Joan K. Rowling; Harry Potter 7
Maeve Haran; Schwanger macht lustig
Stephanie Mayer; Eclipse
Colette Davenat; Geliebte Aztekin
Iny Lorentz; Die Wanderhure
Iny Lorentz; Die Kastellanin
Marian Keyes; Wassermelone
Marian Keyes; Auszeit für Engel
Marian Keyes; Rachel im Wunderland
Marian Keyes; Erdbeermond
???; Eiskalt
Roslund und Hellström; Blasse Engel
James W. Nichol; Ausgesetzt
Cecelia Ahern; Zwischen Himmel und Liebe
Gaby Papenburg; Die Spielmacherin
Sarah Lark; Im Land der weißen Wolke
Noëlle Châtelet; Die Klatschmohnfrau
Jane Moore; dot.homme
Sidney Sheldon; Blutspur

Montag, 3. Dezember 2007

WTF?!?

Alles klar, Dankeschön, ich hab genug. Irgendwie dachte ich mir ja schon, dass es schief laufen könnte den assistens Bischoff heute zu treffen, wenn danach keine Zeit mehr bleibt ihn noch einmal aufzusuchen. Also bin ich letzten Mittwoch, auf Absprache vorbeigeguckt. Ja, da war er leider nicht da. Bleibt ja leider noch der Mittwoch.
Heute bin ich also wieder nach Moshi, nebenbei gemerkt mein letztes Mal, und siehe da…. Wer hat mich vergessen?
Richtig.
Asante Sana, squashed banana!
Man fühlt sich ja so bescheuert, wenn man einen Termin hat und versetzt wird.
Na ja, so hatte ich ein bisschen Zeit um noch ein paar Andenken zu kaufen und die letzten Besorgungen zu machen.
Ach ja, es musste ja irgendwann dazu kommen. Immerhin bin ich ja jetzt vier Monate hier. Heute hab ich den ersten richtig fiesen Dalla-Dalla Unfall gesehen. Eine Frau ist vor einen dieser, immer viel zu schnellen, Wagen gerannt.
Der Rest wird hier auf Grund mitlesender Kinder nicht ausgeführt. Nur so viel: Leichen werden hier nicht weggeräumt und auch nicht bedeckt.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Tschüss, Good Bye, Kwaheri, Auf Wiedersehen

Der letzte Tag in Tansania fängt an, wie an so vielen Tagen zu vor. Eigentlich kann ich ausschlafen, aber Rainers Handy-Wecker ist leider so laut, dass er nicht nur ihn sondern auch mich wachmacht. Ehrlich gesagt denke ich, dass auch die Familie gegenüber wachgeworden ist. Spätestens dann, wenn er das Haus verlässt und die Eisengittertür ins Schloss fallen lässt.
Ich mache mir einen netten, faulen Vormittag in der Sonne, bevor ich noch einmal ins Krankenhaus gehen und mich von allen verabschiede.
Ich gehe mit einer Menge neuer eMail Adressen und den netten Worten von Tone: „Du kannst gerne wiederkommen und bei mir wohnen…. Und das sag ich wirklich nicht oft!“
Klingt doch fast, als hätte ich nicht alles falsch gemacht.
Nach einem ein einhalb Stunden power packen werde ich von Rainer, Rick und einer ganzen Menge Kanadier aufgesammelt. Es geht ins Marangu Hotel, wo wir ein Good-Bye-Ellen Dinner haben.
Tja, die Deutsche ist mal wieder der Trottel. Vielen Dank dafür an die Schuldkröten, die sich genau dann verstecken, wenn man sie am nötigsten hat.
Rainer und ich schließen den Abend ab, in dem wir uns noch eine DVD angucken, bevor er völlig übermüdet gegen 12 das Handtuch wirft und prompt einschläft.
Bei mir dauert das noch ein bisschen länger, ich schlaf erst gegen 1 Uhr ein.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Es geht nach Hause

Gegen 2.30 Uhr hieß es für mich wieder aufstehen, nach einer sehr, sehr kurzen Nacht. Feststellung: Der Flughafen (KIA) macht erst um 5 Uhr auf. Es nützt also nichts schon um 4.30 Uhr da zu sein.
Ansonsten geht alles seinen Weg…oder eben nicht. Denn ich hatte 40 KG Gepäck und ein Ticket auf dem steht, dass ich 20 Kg mitnehmen soll. Aber ich setzte meine Wunderwaffe ein. Ich bequatsche die Frau einfach so lange, bis sie völlig verwirrt einen Flughafenangestellten dazu zieht, der mich dann einfach durch gehen lässt. Ganz ohne Bezahlung.
Tja, ich sitze nun am Gate und warte darauf, dass im nächsten Moment eine ganze Horde Polizisten auf mich zu rennt und mich daran erinnert, dass ich immer noch zu bezahlen habe.
Ansonsten hab ich noch eine dreiviertel Stunde warten vor mir, jedenfalls wenn das Flugzeug pünktlich kommt. Was ja hier in Afrika nicht immer der Fall ist.
Ich beobachte wie die Sonne aufgeht und sehe die weite, trostlose „Steppe“ rund um den KIA. So wirklich glauben, dass ich dieses Land heute wieder verlassen werde kann ich nicht. Ich hab zwar zum ersten Mal seit knapp 3 Monaten wieder Jeans und ein langes Oberteil an, aber… so ganz durchgedrungen ist es trotzdem noch nicht.
Dauert wohl noch eine Weile. Genauso wie es eigentlich noch nicht zu mir durchgedrungen ist, dass ich tatsächlich (noch) in Afrika bin.
Na gut, die Duty-Free Shops machen auf, ich seh mich mal ein bisschen um.
Zwischendurch befinde ich mich weder auf tansanischem, noch deutschem Boden und auch nicht in der Luft. Ich befinde mich in Mombasa, Kenia, wo wir zwischenlanden und alle einmal das Flugzeug verlassen müssen. Es ist heiß, es fängt an zu regnen und ich bin froh, als wir wieder im Flugzeug sitzen.
Der Flug ist ruhig, trotzdem schlafe ich kein bisschen, sondern gucke mir nacheinander alle drei Filme an, die gezeigt werden.
Frankfurt aus der Luft, im Dunkeln. Das Lichtermeer ist unglaublich und ich kann es gar nicht fassen, dass ich mich wieder in Deutschland befinde.
Meine Eltern, die mich vom Flughafen abholen, müssen viel Geduld mit mir haben, da meine Koffer mal wieder (fast) als letztes ankommen.
Was ich als erstes gemacht hab in Deutschland?
Mir das „Tennis Magazin“, ein Eis und zwei Cheesburger gekauft und fast die gesamte Fahrt von Frankfurt nach Hause (immerhin 3 Stunden) erzählt.
Pole Sana an meine Eltern.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Home, sweet Home

Ich bin zu Hause. Vieles ist für mich noch ungewohnt. Zum Beispiel, dass ich jetzt wieder im Dunkeln aufwache. Es gibt morgens Brötchen, ich frühstücke nicht mehr alleine.
Ich kann in der Dusche stehen und es gibt keine Gitter mehr vor den Fenstern, dafür ist es draußen ziemlich kalt.
Aus Versehen ist meine Mutter an meinen Lichtschalter gekommen und hat ihn ausgemacht. „Stromausfall“, war meine erste Vermutung, doch mit einem einfachen „Klick“ war das Licht wieder da.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich mich wieder komplett zu Hause eingewöhnt habe, aber bis jetzt bereue ich nicht früher nach Hause gekommen zu sein.
Im Gegenteil. Afrika/Tansania war ein Abenteuer, bei dem ich viel gelernt und viel nachgedacht habe. Ich bin häufig an meine Grenzen geraten und habe sie so manches Mal überschritten. Meine Welt wurde auf den Kopf gestellt und ich in Bereichen gefordert in denen ich nie dachte ich könnte bestehen. Ich sehe vieles heute mit anderen Augen und bin froh über diese Erfahrungen und das Gelernte, der letzten Monate. Ich will die Menschen, die ich während der letzten 4 Monate kennengelernt habe nicht missen, denn einige sind mir wirklich ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass es auch über weitere Distanzen möglich ist den Kontakt zu halten.
Trotz alle dem gefällt es mir zu Hause immer noch am Besten.
Willkommen zu Hause, Ellen.

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